Starkregen in Frankfurt-Sachsenhausen: Hotelier Bernd Karges zeigt an der Wand im Heizungskeller, dass das Wasser im Juni einen Meter hochstand.
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Starkregen in Frankfurt-Sachsenhausen: Hotelier Bernd Karges zeigt an der Wand im Heizungskeller, dass das Wasser im Juni einen Meter hochstand.

Wasser sickert durch Wände

Schäden durch Starkregen in Frankfurt: Bürger in Sachsenhausen machen Druck

  • Stefanie Wehr
    VonStefanie Wehr
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Starkregen in Frankfurt: Im Kneipenviertel in Sachsenhausen hinterlassen Unwetter ihre Spuren. Die Keller laufen voll. Doch die Versicherungen zahlen zum Teil nicht.

Frankfurt – „Seit zwei bis drei Jahren laufen unsere Keller immer öfter voll“, berichtet Bernd Karges vom Hotel Hübler in der Großen Rittergasse. „Wir haben längst eigene Pumpen angeschafft, um das Wasser rauszubekommen.“ Auf seinem Handy zeigt er Videos, die er und einer seiner Mieter beim letzten heftigen Wassereinbruch im Juni gefilmt haben: Dessen Erdgeschosswohnung war überflutet, alle Möbel sind hinüber. Vier Häuser an der Großen Rittergasse gehören Karges. Im Haus Nummer 112 stand das Wasser einen Meter tief im Heizungskeller. Der gerade neu angeschaffte Heizkessel versank fast ganz in den Fluten. Er musste ersetzt werden.

Auch der Hotelkeller im Haupthaus mit dem alten Schwimmbad, der von Gästen aber schon lange nicht mehr genutzt wird, ist dieses Jahr schon dreimal vollgelaufen. Am 3. Juni und am 6. Juni gab es heftigen Starkregen, zuvor einmal im Mai.

Frankfurt-Sachsenhausen: Zweimal innerhalb kurzer Zeit Starkregen

Das Wasser lief aus allen Löchern herein, sickerte aus den brüchigen Wänden der alten Keller in alle tiefergelegenen Räume. "Als wir hier alles rausgepumpt und den Boden wieder saubergemacht hatten, dachten wir, das war's jetzt erstmal für eine Weile. Doch drei Tage später passierte dasselbe nochmal." Da war das Hotel geschlossen, er selbst war verreist. "Meine Söhne mussten ran".

Das Phänomen Starkregen, das durch den Klimawandel öfter vorkommt, ist also auch in Frankfurt Alt-Sachsenhausen angekommen. Weil das Viertel tief liegt, fließt das Regenwasser unterirdisch vom Sachsenhäuser Berg herab. Weil so viel Wasser auf einmal kommt, kann es nicht abfließen.

Starkregen in Frankfurt-Sachsenhausen: Die Versicherung zahlt nicht alles

„So oft passierte das früher nicht“, sagt Karges, der seit 20 Jahren Teil des Familienbetriebs ist. „2003 gab es einmal eine Überflutung, dann erst wieder 2013. Seit 2019 hatten wir sie jedes Jahr mehrmals.“ Für das Haus sei vor längerem eine Elementarversicherung abgeschlossen worden, auch diesmal werde der Schaden bezahlt. Doch eine solche haben im Viertel nur wenige.

Auch bei den Nachbarn lief der Keller voll, die Fußbodenheizung ist hinüber. „Bei uns laufen immer noch die Trocknungsgeräte“, bedauert Jobst Graf. „Leider zahlt die Versicherung nur, wenn Wasser von oben hereinläuft. Wenn es aber von unten und durch die Wände drückt, ist der Schaden nicht abgedeckt. Das ist ärgerlich“. Das Wasser kam auch über das leerstehende Nachbarhaus hereingelaufen. Nahezu alle Häuser an der Großen Rittergasse und in der unteren Paradiesgasse hatten Wasserschäden, so Graf. Sogar das Restaurant „Grauer Bock“, das etwas höher gelegten ist.

Starkregen in Frankfurt-Sachsenhausen: Mehr Ratten auf den Straßen

„Wir sind hier unten besonders betroffen, denn es fehlt ein Abfluss hin zum Main.“ Die Kaimauer am Deutschherrnufer sei wie ein Deich gebaut, der das Wasser vom Main abhalten soll. In den Mauern gebe keinen Abfluss von der anderen Seite. Das Verkehrsdezernat habe versprochen, zu einem Ortstermin zu kommen. „Man müsste einen Abfluss unter der Jugendherberge hindurch schaffen, das dürfte nicht so schwierig sein“, vermutet der Sachsenhäuser.

Druck macht jetzt auch der Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen), der das Thema auf seine Tagesordnung gesetzt hat. „Was gedenkt der Magistrat zu tun, um die Überflutungen der Keller in Alt-Sachsenhausen in Zukunft zu verhindern?“ lautet eine Anfrage von CDU, SPD und FDP. Weiteres Problem: Wenn Keller und Kanalisation mit Wasser volllaufen, flüchten die Ratten aus ihren Verstecken nach oben. „Sie waren in Scharen oben auf den Gassen zu sehen“, bestätigt Bernd Karges. Die Tiere versteckten sich um den leerstehenden Paradieshof herum, hat er beobachtet. Was die Stadt gegen den Rattenbefall zu tun gedenkt, will der Ortsbeirat wissen. (Stefanie Wehr)

Sitzung Ortsbeirat 5

Der Ortsbeirat tagt am Freitag, 10. September, ab 19 Uhr im Saalbau Depot in Oberrad, Offenbacher Landstraße 357

Auch Ende Juni traf ein schweres Unwetter Frankfurt. Die Feuerwehr musste hunderte Einsätze fahren. Das Kanalnetz in Frankfurt hält extremem Starkregen nicht stand. Betroffene müssen sich daher selbst schützen.

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