Datterich macht im Cantate-Saal Licht aus

Vier Herren kloppen Karten, viel getrunken und darmstädterisch geschwätzt wird auch. Mit dabei ist ein „Siwwesortelumb“, Schnorrer und philosophischer Säufer namens Datterich.

Vier Herren kloppen Karten, viel getrunken und darmstädterisch geschwätzt wird auch. Mit dabei ist ein „Siwwesortelumb“, Schnorrer und philosophischer Säufer namens Datterich.

Der Schauspieler Hans Diehl verkörpert ihn im gleichnamigen Bühnenstück, das am 19. Februar im Cantate-Saal Premiere feiert. Michael Quas ts „ Fliegende Volksbühne“ holt die berühmte Lokalposse anlässlich des 200. Geburtstags des Autors Ernst Elias Niebergall nach Frankfurt. Seit bald 30 Jahren war die Kult-Komödie nicht mehr in der Mainmetropole zu sehen. Quast führt Regie, außerdem schlüpft er in die Rolle des grotesk nach Weltneuigkeiten süchtigen „Herrn Dummbach“, einen Backenbart hat er sich dafür schon wachsen lassen.

Die Proben laufen auf Hochtouren, eine Herausforderung für die Schauspieler, denn der biedermeierliche Dialekt ist ein Zungenbrecher. Kostprobe: „Ich hab heit schon de ganze Daag so en vasteckte Dorscht“, lässt der 74 Jahre alte Hans Diehl alias Datterich wissen. „Diese Mundart habe ich seit 50 Jahren nicht mehr gehört und gesprochen, ich muss mich wieder ordentlich ’reinschaffen’“, gibt der gebürtige Offenbacher in einer Probenpause zu. „Ausdrucksreichtum und Witz sind allerdings fantastisch“, schwärmt Quast, der Diehl schon lange für die textintensive Rolle auserkoren hatte.

Eines ist Quast wichtig: „Bloß keine boulevardeske Putzigkeit, die damalige Lebensrealität ist unser Ausgangspunkt, der ,dolle‘ Witz und die Anarchie“, erklärt der Regisseur. Und er zeigt Entwürfe des expressionistischen Bühnenbildes, inspiriert von den 1920er Jahren, als das Stück zum Publikumsliebling geriet.

Quast schaut aber auch nach vorne: „Wenn Ende März der letzte Vorhang fällt und der Umbau für die ,Goethehöfe‘ beginnt, haben wir bis zur Rückkehr in den Cantate-Saal mehrere Jahre zu überbrücken. Wir ,fliegen‘ dann wie vorher auch herum. Das hat gut funktioniert. Hanau wird eine Station sein, auch die Kammerspiele des Frankfurter Schauspiels. Was wir dann jedoch dringend brauchen, sind ein Büroraum und eine Probebühne.“

Quast hofft mit der „neuen Perle“ des „Datterich“ auf viele Gastspiele. Selbst Nebenrollen hat der Wahl-Frankfurter lokalprominent besetzt. Darunter die Rödelheimerin Susanne Schäfer , die unter anderem aus verschiedenen „Tatorten“ bekannt ist und die beim „Datterich“ als schlagfertige Wirtin „Lisette“ Reize setzt. Außerdem steht Comedian Jörg Zick („Die Schwerdtfegers“) auf der Besetzungsliste. „Mit insgesamt 20 Darstellern stemmen wir eine Riesenproduktion, die für unser kleines Theater nur mit zusätzlich akquirierten Geldern möglich ist“, sagt Michael Quast.

Die Probe leitet er freundlich, aber bestimmt, unterm Tisch schläft sein Hund. „Net so zappeln“, ruft er Diehl und Zick bei der ersten Wirtshausszene zu, Spielkarten und Groschen fliegen noch nicht im Uhrentakt auf den Tisch. „Ich bin besser als mein Ruf, des versicher ich Sie!“, kontert Zick mit einem typischen „Datterich“-Bonmot. „Überhaupt ist der ,Datterich’ eine großartige Narrenfigur, sie könnte durchaus von Shakespeare stammen“, so Diehl.

Der weißhaarige Schauspieler hat eine Präsenz, mit der er das Publikum gewiss um den Finger wickeln kann. Ähnlich kennt man sie von seinem Sohn August Diehl , der schon in Hollywood drehte („Inglourious Basterds“). „Er hat viel zu tun, aber sich fest vorgenommen, mich als ,Datterich’ zu erleben“, sagt der Vater.

(fai)

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