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Nina Lampe wird beim Teamspiel ?Giftsee? im Grüneburgpark in Frankfurt von den anderen Teilnehmern auf einem Seil liegend in einen gesperrten Bereich (Giftsee) bewegt. Sie muss ein acht Kilogramm schweres Gewicht ohne Bodenberührung bergen.

Fitness

Debatte über die Nutzung von Parks und Grünanlagen steht am Anfang

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Bei einer Diskussion unter dem Titel „Sport im öffentlichen Grün – bewegt sich (in) Frankfurt genug?“ werden Schwächen der Sportstadt aufgedeckt.

Berichte über ein mögliches Sportverbot in Frankfurter Parks hatten vor ein paar Wochen für viel Wirbel gesorgt. Um die Situation zu klären, luden die hiesigen Organisatoren der Europäischen Woche des Sports am Montagabend zu einer Podiumsdiskussion in ein Zelt am Mainufer ein. Unter dem Titel „Sport im öffentlichen Grün – bewegt sich (in) Frankfurt genug?“ wurde aber auch die Lage derjenigen Bewegungswilligen insgesamt beleuchtet, die lieber draußen als in einer Halle ihrer Leidenschaft nachgehen.

Dabei stellte die Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) gleich zu Beginn klar, dass es in der Grünflächensatzung zwar seit 1990 einen Paragrafen gebe, nach dem kommerzielle Sportangebote in den öffentlichen Anlagen verboten seien, dass dieser jedoch nicht angewendet werde. „Wir machen auch keine Kontrollen“, betonte die Politikerin. Wenn es allerdings in sehr kleinen Parks wie dem Bethmann- oder dem Holzhausenpark zu Konflikten zwischen Sportgruppen und Ruhesuchenden käme, müsse man vermitteln. Deshalb sollten Fitnessanbieter ihre Übungsstunden in größere Areale wie den Ost-, den Huth- oder den Grüneburgpark sowie ans Mainufer verlegen.

Roland Frischkorn, der Vorsitzende des Sportkreises Frankfurt, erzählte, dass auch die Vereine verunsichert gewesen seien. Der erwähnte Satzungsabsatz könne zudem jederzeit umgesetzt werden. Deshalb sollte man das Vergangene zum Anlass nehmen, sportfreundliches „Denken und Handeln in der Stadt zu implementieren“ und dabei die Bedürfnisse der Menschen berücksichtigen. In Bonn etwa übernehmen laut Frischkorn Vereine Patenschaften für Parks mit der Aufgabe, die Natur zu schützen. Heilig begrüßte dies als guten Vorschlag, da so auch die Sauberkeit der Anlagen gewährleistet werden könne.

Der Garten- und Landschaftsarchitekt Dirk Schelhorn sieht außerhalb der Grünanlagen ebenfalls Handlungsbedarf, will man auch die weniger aktiven Bürgerinnen und Bürger besser in Bewegung bringen. Viele Städte seien für den rollenden Verkehr geplant; Ampeln und Zebrastreifen verhinderten das zügige Laufen, das allein sich, in den Alltag eingebaut, schon positiv auf den Körper und die Gesundheit auswirken würde. Marathon-Veranstalter Jo Schindler konnte dem nicht zustimmen. Rechts und links des Mainufers gebe es lange Laufstrecken. Jedoch fehle es dort an ausreichender Beleuchtung. Zudem wäre eine Streckenorientierung hilfreich. „Die meisten fangen zu schnell an“ und würden dann bald die Lust verlieren, hat der Ausdauerfachmann festgestellt. Kilometerangaben könnten dafür sorgen, dass man seine Leistung einfach mit der eigenen Uhr misst und regelmäßige Fortschritte bemerkt.

„Wir haben bislang den Fehler gemacht, dass wir eine autogerechte Stadt gebaut haben“, gab Heilig zu. Doch man müsse sich umorientieren. Gegen bessere Beleuchtungen und Wegmarkierungen sei nichts einzuwenden. Im Günthersburgpark werde man sowieso auf einer sehr dunklen Strecke Lampen testen, die auch für den geplanten Raddirektweg von Frankfurt nach Darmstadt infrage kämen.

Maria-Christina Nimmerfroh (FDP) vom Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Kuhwald, Westend) regte an, dass derartiger Bedarf auch im Hafenpark bestehe, wo Kinder im Herbst gerne abends noch Fußball spielen. Solche Anliegen würde zu oft nach hinten geschoben: „Man muss Prioritäten setzen und einen Masterplan für den Sport entwickeln.“ Das Podium war sich einig: Gemeinsam würde man eine viele Möglichkeiten finden, Menschen in der Stadt zum Bewegen zu motivieren. „Aber Anregungen müssen von denen ausgehen, die was davon verstehen“, so Heilig. „Dann kann ich mir nicht vorstellen, dass jemand etwas dagegen hat.“

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