Schulleiterin Martina Neumann-Beer (l.) und Barbara Weichler präsentieren das Prozess-Diagramm mit dem etwas sperrigen Titel Titel "Verfahrensablauf Grenzwahrendes Verhalten".
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Schulleiterin Martina Neumann-Beer (l.) und Barbara Weichler präsentieren das Prozess-Diagramm mit dem etwas sperrigen Titel Titel "Verfahrensablauf Grenzwahrendes Verhalten".

Kinderrechte

Dem Lehrer mal die rote Ampel zeigen

  • VonAlexandra Flieth
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Ostend: IGS Herder will Kollegium und Mitarbeiter für Kinderrechte sensibilisieren.

Ostend -Die Ampel, die an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Herder im Ostend vor kurzem eingeführt wurde, hat vier Farben: Grün, Gelb, Orange und Rot. Dabei handelt es sich nicht um eine Ampel, wie sie im Straßenverkehr zu finden ist, sondern um ein Mittel, das dabei helfen soll, dass Lehr- und Fachkräfte sowie Angestellte der IGS ihr Verhalten gegenüber den Schülern reflektieren und einordnen können.

Ausgewogenes Verhalten üben

Die Farbe Grün spiegelt ein ausgewogenes Verhalten zwischen Nahbarkeit und Autorität wider, die Farbe Rot signalisiert hingegen die absolute Alarmstufe, nämlich ein Verhalten, das gegebenenfalls sogar strafrechtlich relevant ist, zum Beispiel durch Beleidigung, Körperverletzung oder Erpressung. Die Farben dazwischen sind Gelb und Orange. Der erste Farbton steht für eine unabsichtliche Grenzverletzung, das Orange hingegen für pädagogisches Fehlverhalten bis hin zu Übergriffen.

Die Idee, die hinter diesem Ampelsystem steckt, ist es, an der Schule einen Prozess zu implementieren, mit dem das Bewahren von Grenzen durch Lehr- und Fachkräfte sowie Mitarbeiter gegenüber den Kindern und Jugendlichen im Schulalltag gefestigt und Verletzungen ausgemacht, reflektiert, besprochen und Konsequenzen daraus gezogen werden können.

Initiiert wurde dieser Prozess, der unter dem Titel "Schutz vor Übergriffen für Kinder und Jugendliche an der IGS Herder" steht, von Schulleiterin Martina Neumann-Beer und Barbara Weichler vom Verein Junularo Frankfurt, der Träger der Jugendhilfe an der IGS Herder ist. Die Anfänge zur Erarbeitung des Konzeptes gehen bereits auf Ende 2017 zurück. Die Entwicklung, für die eine externe Fachkraft zur Prozessbegleitung mit hinzugezogen wurde, erfolgte in enger Kooperation zwischen der Schule und der Jugendhilfe.

"Es war wichtig, diesen Prozess zusammen zu gehen", sagt Neumann-Beer. Dieser sei jetzt abgeschlossen und nun die Zeit gekommen, dass der erste Teil des erarbeiteten Konzeptes in die Praxis übergeht. Der Startschuss ist gefallen.

Martina Neumann-Beer und Barbara Weichler präsentieren das Prozess-Diagramm mit dem Titel "Verfahrensablauf Grenzwahrendes Verhalten" in Form eines Plakates, anhand dessen alle an der Schule tätigen Erwachsenen erkennen und entscheiden können, was zu tun ist, wenn sie, aus ihrer Sicht betrachtet, ein Fehlverhalten eines Mitarbeitenden wahrnehmen. "Die Erwachsenen haben die Macht und damit die Kontrolle. Uns geht es darum, alles, was mit Machtmissbrauch zu tun hat, abzustellen", betont Weichler.

Von Rechten und Grenzen

Die Schüler haben Rechte und Grenzen - diese zu achten und zu wahren sei die Aufgabe aller an der Schule tätigen Erwachsenen, formuliert es Weichler weiter. Es soll sich ein Klima entwickeln, in dem die Erwachsenen reflektiert und fehlerfreundlich über ihren Umgang mit den Schülern sprechen und sich gegenseitig auf brenzlige Situationen ansprechen können.

Eines der zentralen Ziele des Projektes ist es, dass die entwickelten Verfahren in der Schulgemeinde akzeptiert und angewendet werden.

Zahlreiche Gespräche in verschiedenen Gremien gingen dem nun vorgestellten "Verfahrensablauf zum Grenzwahrenden Verhalten" voraus. Weichler und Neumann-Beer überreichen das hierzu gedruckte Plakat stellvertretend an die Sprecher der Jahrgangsteams an der Schule. "Zum Ende des Kalenderjahres soll der gesamte Prozess evaluiert werden", so Weichler. Modifikationen nicht ausgeschlossen.

Die Entwicklung des Verfahrens wurde finanziell durch das Kooperationsbudget des Stadtschulamtes und durch das Fortbildungsbudget des Hessischen Kultusministeriums gefördert.

Parallel dazu haben Schüler der IGS Herder mit Unterstützung der Schülervertretung und der Jugendhilfe seit Herbst 2020 damit begonnen, eine eigene Ampel und ein eigenes Beschwerdemanagement zu entwickeln - Instrumente, die klären sollen, welches Verhalten der Erwachsenen nicht erwünscht und welches grenzwertig ist.

Auch hier, so die Planungen, sollen die Ergebnisse bis zum Ende des Kalenderjahres vorliegen.

Alexandra Flieth

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