Egal ob startend oder landend: Flugzeuge stoßen Ultrafeinstaub aus. Doch wie stark belasten sie die Umwelt rund um den Flughafen? Das soll nun eine weitere Studie im Auftrag des Forums Flughafen und Region herausfinden.
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Egal ob startend oder landend: Flugzeuge stoßen Ultrafeinstaub aus. Doch wie stark belasten sie die Umwelt rund um den Flughafen? Das soll nun eine weitere Studie im Auftrag des Forums Flughafen und Region herausfinden.

Flughafen

Dem Ultrafeinstaub auf der Spur

  • Julia Lorenz
    VonJulia Lorenz
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Sie sind klitzeklein und sehr gefährlich. Die Rede ist von Ultrafeinstaub. Eine neue Studie soll jetzt die Belastung der Region mit den Partikeln bestimmen.

Heute ist es so weit: Nach mehr als fünf Monaten der Stilllegung geht die Nordwest-Landebahn am Flughafen wieder in Betrieb, weil die Airport-Betreiberin Fraport für den Sommer mehr Flugbewegungen erwartet. Für die Anwohner im Frankfurter Süden jedoch sind damit die stillen Tage in ihren Gärten und auf ihren Balkonen gezählt. Jetzt werden die Jets wieder nur wenige hundert Meter über ihre Häuserdächer hinwegdonnern.

Doch nicht nur der zunehmende Fluglärm bereitet den Anwohnern Kummer, auch der Ultrafeinstaub macht ihnen Sorge. Diese Partikel entstehen bei der Verbrennung von Treibstoff in Flugzeugmotoren. Sie sind kleiner als 100 Nanometer. Das heißt: Sie sind so winzig klein, dass sie über die Lunge direkt ins Blut gelangen und von dort in den ganzen Körper. Seit Jahren stehen die nicht sichtbaren Körnchen im Verdacht, gefährlich zu sein und Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Probleme, Diabetes und Demenz auszulösen.

Es gibt erste Studien dazu. Einen Grenzwert gibt es aber noch nicht. Die Forschung ist noch nicht so weit. Es wird aber daran gearbeitet. Das zeigt auch eine Mitteilung des Forum Flughafen und Region (FFR) von gestern. Darin heißt es, dass man sich verstärkt auf das Thema Ultrafeinstaub im Kontext des Luftverkehrs am Flughafen konzentrieren wolle. Ziel sei es, umfassende Erkenntnisse zu den verschiedenen Quellen der ultrafeinen Partikel, zu deren Ausbreitung rund um den Airport und zu den möglichen gesundheitlichen Auswirkungen zu erlangen. Deshalb lasse das Umwelt- und Nachbarschaftshaus bis Ende des Jahres einen konkreten Plan für die Durchführung einer Studie, die die Belastung der Region mit Ultrafeinstaub bestimmen soll, erstellen.

Dafür wurde bereits ein Konsortium beauftragt, das sich aus dem Leibniz-Institut für Troposhärenforschung, dem Helmholtz-Zentrum Geesthacht, dem Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung und dem Institut für Atmosphäre und Umwelt an der Goethe-Universität Frankfurt zusammensetzt.

Die Studie über die Auswirkungen von Ultrafeinstaub auf die Gesundheit der Menschen soll erst in einem zweiten Schritt vorbereitet und durchgeführt werden.

Als wichtige Grundlage für die Studie dienen die durch das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HNLUG) durchgeführten Messungen der klitzekleinen Partikel im Umfeld des Flughafens. Diese finden bereits seit September 2017 statt. Mittlerweile gibt es in der Region und auf dem Gelände des Flughafens neun solcher Messstationen. Sie finden sich unter anderem auf dem Friedhof in Oberrad, neben der Martin-Buber-Schule in Sachsenhausen, im Niedwald und in Schwanheim. Mithilfe der Geräte soll etwa herausgefunden werden, wie sich die Ultrafeinstäube zusammensetzen, wie viele Partikel sich in der Luft tummeln und welchen Einfluss Überflüge auf die Belastung in der Umgebung hat.

So hat man immerhin schon die Erkenntnis erlangt, dass der Flughafen eine "bedeutende Quelle" für Ultrafeinstaub ist. Sobald der Wind aus Richtung des Airports weht, wird etwa in Schwanheim eine erhöhte Konzentration mit den Partikeln gemessen. Die Wissenschaftler führen dies auf den Bodenverkehr auf dem Flughafengelände zurück. Aber auch Überflüge unterhalb einer Flughöhe von 400 Metern sollen einen signifikanten Einfluss auf die Konzentration von Ultrafeinstaub auf dem Boden haben. Zur Erweiterung der Messungen wurde Anfang des Jahres ein weiteres Messgerät angeschafft, das keinen festen Standort hat, sondern an verschiedenen Orten zum Einsatz kommen kann. Es soll weiterführende Erkenntnisse zur Ausbreitung des Ultrafeinstaubs geben.

Höchste Zeit für Grenzwerte

Frankfurts Fluglärmschutzbeauftragte Ursula Fechter begrüßt die Ankündigung der Studien. "Endlich hat man den Ultrafeinstaub auf dem Schirm. Der Luftverkehrsindustrie ist bewusst, dass sie etwas unternehmen muss", sagte sie auf Anfrage dieser Zeitung. "Es wird höchste Zeit, dass endlich Grenzwerte für Ultrafeinstaub festgelegt werden. Sie sind gefährlich."

Die Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau weisen seit Jahren auf Untersuchungen aus dem Ausland hin. So wurde etwa rund um den Flughafen in Los Angeles bestätigt, dass der Ultrafeinstaub aus Flugzeugen im Bereich bis zu zehn Kilometer um einen Airport die Luftverschmutzung dominiert.

Bei der Untersuchung von Vorfeld-Mitarbeitern auf dem Flughafen von Kopenhagen hingegen wurde eine erhöhte Krankheitsrate durch Ultrafeinstaub festgestellt, zahlreiche Krebsfälle wurden auf die kleinen Partikelchen zurückgeführt.

Das Forum Flughafen und Region wurde im Jahr 2008 als Nachfolgeorganisation der Mediation zum Ausbau des Flughafens und des Regionalen Dialogforums eingerichtet. Kernaufgabe ist, den Dialog fortzuführen und die Auswirkungen des Luftverkehrs auf die Region zu erörtern. jlo

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