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Rechtspopulist Michael Stürzenberger wagt sich so nah an die Gegendemo heran, dass die Polizei ihn schließlich zurückpfeift. Fotos: Kammerer (2); Hamerski (2)

"Freie Bürger für Deutschland"

Demo in Frankfurt: „Freie Bürger“ im Zwinger

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Die erste Kundgebung des regionalen Pegida-Ablegers „Freie Bürger für Deutschland“ hat gestern 50 Menschen angelockt und die zehnfache Zahl an Gegendemonstranten auf den Plan gerufen. Es gab vier Festnahmen. Der Abend klang mit einer antifaschistischen Spontandemo aus, die quer durch die City zog.

Heidi Mund und ihre Anhänger traten gestern zwar nicht mehr unter dem Namen „Pegida Rhein-Main“, sondern als „Freie Bürger für Deutschland“ auf. Die Gegendemonstranten erwiesen der streitbaren Frankfurterin aber trotzdem wieder die Ehre. Oder besser: das Erlebnis, ausgebuht und ausgepfiffen zu werden. Den gut 50 Ex-Pegidas auf dem Roßmarkt standen gut 500 Gegendemonstranten gegenüber. Darunter waren auch Mitglieder der Anti-Nazi-Koordination um Hans Christoph Stoodt, der einmal mehr dazu aufgerufen hatte, sich der „Hetze von Heidis Herde“ (Zitat aus dem Internet) entgegenzustellen.

Auf Wunsch des Ordnungsamts und aus Rücksicht auf die Zeil-Anlieger hatte Heidi Mund ihre erste Kundgebung nach dem Bruch mit der deutschen Pegida-Führung nicht mehr für die Hauptwache, sondern den Roßmarkt angemeldet. Das stellte die Polizei, die nach sechs Pegida-Demos vor der Katharinenkirche eine gewisse Einsatzroutine entwickelt hatte, vor neue Herausforderungen. Sie riegelte den Roßmarkt zwischen dem Gutenberg-Denkmal, der Commerzbank-Filiale und der Straße Roßmarkt mit Gittern ab. Mit Sichtschutzzäunen sorgte sie dafür, dass sich die Gegendemonstranten nur auf zwei Seiten des weitläufigen Versammlungsorts tummelten.

Die Polizei war in der Innenstadt einmal mehr mit einem großen Aufgebot vertreten. Beamte sicherten die zwei Zugänge zum abgezäunten Areal und kontrollierten stichprobenartig die herbeispazierenden Gegendemonstranten. Vor und während der Kundgebung wurden nach Angaben eines Polizeisprechers vier Gegendemonstranten festgenommen. Einer von ihnen habe ein Messer und einen Hammer dabeigehabt, die drei anderen Pyrotechnik und Passivbewaffnung.

Wie schon bei der letzten Pegida-Kundgebung hatte sich Heidi Mund auch dieses Mal Verstärkung vom Münchener Rechtspopulisten Michael Stürzenberger geholt. Der wagte sich vor Beginn – halb plaudernd, halb provozierend – so nah an die Gegendemonstranten heran, dass ihn die Polizisten aus Sicherheitsgründen zurückschickten. Das Thema der Kundgebung war nicht die „Islamisierung des Abendlandes“. Mund bekundete vielmehr, dass man „für das Grundgesetz und die Meinungsfreiheit“ und „gegen linksextreme Gewalt und Meinungsdiktatur“ auf der Straße sei. Die „Freien Bürger“ thematisierten auch die Ausschreitungen bei den Blockupy-Protesten am vergangenen Mittwoch. Mund betonte: „Wir sind gegen alles, was unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung gefährdet.“

An die linksradikalen Gegendemonstranten hatte Heidi Mund schon vor Veranstaltungsbeginn provokant das Wort gerichtet: „Schön, dass ihr alle da seid. Unser Thema seid ihr heute – und ihr hört mal alle schön zu.“ Dieser Aufforderung kamen die versammelten Antifaschisten freilich nicht nach. Stattdessen skandierten sie „Nazis raus“ und hielten Schilder mit Aufschriften wie „Mund ist doof!“ in die Höhe. Auch Michael Stürzenberger brachte die Gegendemonstranten mit rechtspopulistischen Sprüchen zum Kochen: Im Hinblick auf Flüchtlinge sprach er etwa von „Leuten, die uns ins Land fluten, die uns nicht wohlgesinnt sind und ausplündern wollen“.

Am Rande der Kundgebung gab es unterdessen Wirbel um die Gegendemo der Anti-Nazi-Koordination. Diese war ursprünglich für die Hauptwache angemeldet, die Teilnehmer wechselten aber zum Roßmarkt. Polizisten drangen in die Menge vor, es gab kleinere Schubsereien. Nach Verhandlungen zwischen der Polizei und Stoodt durfte die Gegendemo aber bleiben.

Am Ende der Kundgebung geleitete die Polizei die Ex-Pegidas durch einen Tiefgaragenabgang vom Versammlungsort weg. Hunderte Gegendemonstranten formierten sich zu einem spontanen Aufzug, der in Begleitung der Polizei erst auf die Zeil und dann am Frankfurter Hof und Schauspiel vorbei durch das Bahnhofsviertel zog. Am Hauptbahnhof zerstreute sich das Feld der Demonstranten schließlich.

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