So funktioniert die Messung zur Diabeteserkennung, an der Professor Viktor Krozer (links) am Physikalischen Institut der Goethe-Universität forscht: Post-Doc Giacomo Ulisse hält die Hautfalte seiner Daumengabel in die Apparatur, damit elektromagnetische Wellen durch die Haut geschickt und gemessen werden können.
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So funktioniert die Messung zur Diabeteserkennung, an der Professor Viktor Krozer (links) am Physikalischen Institut der Goethe-Universität forscht: Post-Doc Giacomo Ulisse hält die Hautfalte seiner Daumengabel in die Apparatur, damit elektromagnetische Wellen durch die Haut geschickt und gemessen werden können.

Medizin

Den Diabetes ohne Piks überwachen

  • VonMichelle Spillner
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Ein Frankfurter Forschungsprojekt von Professor Viktor Krozer hilft, die Krankheit Diabetes in den Griff zu bekommen

Frankfurt - Die Tatsache, dass man sich bei diesem Test nicht stechen muss, ist nur ein schöner Nebeneffekt. Tatsächlich geht es beim Forschungsprojekt von Professor Viktor Krozer am Physikalischen Institut der Goethe-Universität in Frankfurt um viel mehr, für das er vom Land Hessen nach den Richtlinien der LOEWE-Exploration gefördert wird.

"Dieses Verfahren misst nicht den Blutzuckerspiegel, sondern den Metabolismus des Körpers", erklärt der 62-Jährige. Damit können nicht nur Diabetes-Erkrankungen erkannt und überwacht werden, "wir können auch identifizieren, ob eine Person Anzeichen zeigt, womöglich an Diabetes zu erkranken", so Krozer, unabhängig davon, ob der augenblickliche Zuckerwert erhöht ist. Das hat einen entscheidenden Mehrwert, sagt er: "Mit diesem Wissen kann man Diabeteserkrankungen* aufhalten. Man kann frühzeitig gegensteuern, nicht nur durch Medikamente, sondern durch die Lebensweise."

Kampf gegen Diabetes – Erfindung aus Frankfurt als Ergänzung zum Zuckertest

Der Nutzen liegt sofort auf der Hand. Diabetes-Erkrankungen begleiten Menschen oft über Jahrzehnte, dazu die Folgeerkrankungen wie Macula-Degeneration oder Durchblutungsprobleme - wenn man die Zahl der Erkrankungen senken könnte, dann brächte das einen immensen Einspareffekt im Gesundheitssystem - ganz abgesehen von den Leiden, die Einzelnen erspart blieben.

Krozers "Erfindung" ist eine Ergänzung zum Zuckertest, der stets nur eine Momentaufnahme des Blutzuckerspiegels ist, "damit wissen Sie, ob Sie Torte essen dürfen". Bei seinem Verfahren gehe es darum, weitergehende Aussagen zu treffen und eine Technik für die perspektivisch-präventive Arbeit an die Hand zu geben, die zudem auch noch einfach in der Alltagsanwendung ist. Bislang muss für einen Langzeitblutzuckertest Blut abgenommen werden, das in spezialisierten Laboren untersucht wird. Anhand der Zuckermoleküle, die im Hämoglobin gebunden sind, lässt sich eine Aussage zum Vorliegen einer Diabetes-Erkrankung treffen.

Forscher aus Frankfurt wollen Menschen mit Diabetes helfen

Krozers Verfahren schickt elektromagnetische Strahlung im Millimeter-Wellenlängenbereich durch eine Hautfalte und bestimmt so den Wert. Krozers Mitarbeiter, Post-Doc Giacomo Ulisse, demonstriert, wie es geht. Zwischen die stumpfen Erhebungen eines Aufbaues von mehreren miteinander verbundenen Modulen hält er die Hautfalte seiner Daumengabel. "Es funktioniert auch mit Hautfalten an anderen Stellen des Körpers, vielleicht nimmt man dann die Falte des Ellenbogens, wenn er gestreckt ist, oder so", erläutert Professor Krozer.

Man müsse sich das so vorstellen: Langwelliges Licht eines bestimmten Farbbereichs leuchtet durch die Haut - das dauert nicht einmal eine Minute. Dann vergleicht man das Farbspektrum des verschickten Lichts mit demjenigen, welches am Ende durch die Haut rauskommt, und dann weiß man, was im Farbspektrum fehlt und kann daraus Rückschlüsse ziehen. "Jeder hat doch schon mal mit einer Taschenlampe durch die Hand geleuchtet", wählt Krozer als Analogie. Gut, ein bisschen komplizierter ist es schon, aber so ist es gut verständlich.

Diabetes: Ansatz aus Frankfurt eröffnet ganz neue Möglichkeiten

Die Forschungen Krozers im Förderzeitraum der kommenden zwei Jahre werden dahingehen, zum einen den Algorithmus der Verarbeitung der Messergebnisse so weit zu perfektionieren, dass man keinen Experten mehr benötigt, um die Werte zu deuten. Schon jetzt liege die Ergebnissicherheit bei über 90 Prozent. Künftig solle das Gerät das Ergebnis selbstständig "ausspucken". Und zum anderen geht es darum, die bislang verhältnismäßig sperrige, selbst gebaute Geräteanordnung in eine handliche Version umzusetzen und damit für den Alltag praktikabel zu machen.

In ferner Zukunft, wenn alle Forschungen und Studien abgeschlossen, das Gerät produziert ist und das CE-Siegel darauf klebt, könnte dieses Messgerät in Arztpraxen stehen, so dass der Arzt ohne Aufwand, ohne Piksen und ohne Blutuntersuchung jederzeit eine Untersuchung hinsichtlich Diabetes-Erkrankungen aber auch und vor allem des Diabetes-Risikos durchführen kann. Und auch eine Nutzung von Privatleuten daheim ohne ärztliche Begleitung wäre denkbar.

Krozers Ansatz eröffnet ganz neue Möglichkeiten. Mit diesem Verfahren lasse sich beispielsweise auch Blutgerinnung messen. Der Professor forscht bereits, inwieweit sich mit seiner Methode Blutgerinnsel identifizieren lassen könnten. (Michelle Spillner) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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