Vom leichtsinnigen Philipp und der sorgsamen Sophie handelt das Corona-Buch von Gabriele Nagel. Auch die Abenteuer des Zauberers Hoki-Poki stammen von ihr.
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Vom leichtsinnigen Philipp und der sorgsamen Sophie handelt das Corona-Buch von Gabriele Nagel. Auch die Abenteuer des Zauberers Hoki-Poki stammen von ihr.

Neuerscheinung

Den Kindern die Pandemie erklären

  • vonAlexandra Flieth
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Gabriele Nagel, Vorsitzende des Sport- und Kulturvereins Riedberger SV, hat ein Corona-Buch geschrieben.

Wie erkläre ich dem Nachwuchs das Coronavirus und dessen Folgen auf Leben und Gesellschaft? Gabriele Nagel hat sich ihre Gedanken gemacht und dazu ein Kinderbuch geschrieben. Es ist nicht das erste aus ihrer Feder. Die Autorin, die auch Vorsitzende des Sport- und Kulturvereins Riedberger SV ist, hat davor bereits mehrere Bücher für Mädchen und Jungen geschrieben und als Taschenbuch beziehungsweise E-Book veröffentlicht - zum Beispiel die Geschichte über den kleinen Zauberer Hoki-Poki. In ihnen geht es unter anderem um Freundschaft, Mut und Zusammenhalt.

Die Handlung von "Philipp & Sophie - Eine Coronageschichte", so der Titel, beginnt damit, dass Philipp von der Schule heimkommt und rausgehen möchte, um mit den anderen Kindern Fußball zu spielen. Wegen Corona darf er nicht mehr zum Vereinstraining und jetzt verbietet ihm seine Mama auch noch, sich mit seinen Freunden zum Kicken zu verabreden. Philipp versteht die Welt nicht mehr, hält sich nicht an das Verbot und schleicht sich, trotz eines schlechten Gewissens, zu den anderen. Sophie, die sich an die Regeln hält und auch erklärt, warum diese wichtig sind, wird von den anderen Kindern ausgelacht. Mit schwerwiegenden Folgen - Philipp steckt sich an.

Nagel ist es wichtig, in ihren Kinderbüchern auch Themen anzusprechen und zu erklären, mit denen sich so mancher Erwachsene schwer tut. "Viele Erwachsene versuchen emotionale Themen aus ihrer Perspektive zu erklären oder einfach darüber zu schweigen wie beispielsweise beim Verlust eines Menschen", sagt sie. So mancher Erwachsener bliebe sprachlos, weil er es vielleicht auch selbst nie gelernt habe, darüber zu reden. Auch rund um das Thema "Corona" hätten viele Eltern vor der Herausforderung gestanden, ihrem Kind das Virus und die Situation beispielsweise mit den Besuchsverboten bei Oma und Opa zu erklären. "Dort, wo die Sprachlosigkeit mancher Erwachsenen anfängt, entstehen bei mir Bilder und Geschichten", sagt sie.

Regeln besser nachvollziehen

In ihrem Buch "Philipp & Sophie" habe sie versucht, das Thema kindgerecht aufzubereiten, es einzubinden in eine Geschichte, in die sich Mädchen und Jungen reinfühlen und mit den Figuren identifizieren könnten. Wichtig sei es ihr auch gewesen, in einem zweiten Teil kindgerechte Antworten auf ganz viele Fragen zu geben. "Kinder verstehen Regeln und Grenzen einfach besser, wenn sie den Hintergrund dazu nachvollziehen können."

"Durch viele Gespräche und Kommentare in den sozialen Netzwerken habe ich bemerkt, dass auch beim zweiten Lockdown zahlreiche Eltern immer noch ratlos sind", sagt die Autorin aus dem Stadtteil. Und als zu Halloween vergangenen Jahres Eltern in den sozialen Netzwerken kommunizierten, dass sie trotz allem noch "rumziehen wollten", habe sie selbst die Welt nicht mehr verstanden.

Ihre Geschichte hat Gabriele Nagel eigens illustriert. "Durch den Wegfall der normalen Freizeitaktivitäten, habe ich angefangen zu zeichnen", sagt sie. Acht Wochen lang habe sie an der Geschichte geschrieben. Die Umsetzung ihrer Ideen hat sich gelohnt. Auf das Buch habe sie sehr positive und sehr dankbare Rückmeldungen bekommen, über die sie sich sehr gefreut habe. "Aber es gab natürlich auch negative Stimme, eine davon hat mich sehr überrascht", erzählt sie weiter und zitiert die Aussage: "Wofür brauchen wir ein Kinderbuch, um Corona zu erklären. Es reicht doch, wenn ich meinem Kind sage, dass die Chinesen Corona erfunden und verteilt haben. Und wenn Du nun Oma oder Opa triffst, dann sterben sie", so die Reaktion eines Lesers.

"Diese Reaktion hat mich geschockt. Eine andere Leserin regte sich auf, dass ich das Impfen der Gesellschaft als eine der Lösungen nannte, sie warf mir vor, den Kindern Hoffnung zu machen", fügt sie hinzu.

In ihrem Buch habe sie bewusst das Thema Tod ausgelassen, es sei von Krankenhäusern und Beatmungsmaschinen die Rede, aber nicht von Tod. "Kinder sollen keine Angst vor Corona bekommen, sie sollen lernen mit Corona respektvoll umzugehen, die verschiedenen Maßnahmen einfach ein bisschen besser zu verstehen."

Zahlreiche Ideen für weitere Geschichten warten bereits in ihrem kreativen Notizbuch darauf, zu Büchern zu werden. Derzeit schreibe sie gerade an einem Kinderbuch, das den Tod eines Freundes thematisiere. "Ich selber verlor meinen besten Freund als ich neun Jahre alt war und kann mich daher sehr gut in das Thema hineinfühlen", erzählt sie. Außerdem eine Fortsetzung über ihre Figur "Prinz Schnick-Schnack", die im Überfluss lebe, aber dennoch nicht glücklich sei.

Es liege zudem ein fertiges Manuskript im Schreibtisch, das gemeinsam mit einer Illustratorin aus Köln entstanden ist und für das noch ein passender Kinderbuchverlag gefunden werden müsse. Für sich persönlich nimmt Gabriele Nagel aus der aktuellen Zeit vor allem eines mit: "Mehr Zeit für meine Familie, das Schreiben und meine Träume."

Weitere Informationen und Leseproben gibt es auf der Website www.gabriele-nagel.de im Internet. Alexandra Flieth

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