Der Klinikum-Neubau in Höchst wird nicht nur deutlich später fertig, er ist mit 58,772 Millionen Euro auch teurer als veranschlagt.
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Der Klinikum-Neubau in Höchst wird nicht nur deutlich später fertig, er ist mit 58,772 Millionen Euro auch teurer als veranschlagt.

Medizin

Den Kliniken drohen wieder dicke rote Zahlen

  • VonBarbara Schmidt
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Die Patientenzahlen in allen drei Krankenhäusern liegen weiter deutlich unter den Werten vor Corona.

Frankfurt/Main-Taunus. Die wirklich schlechten Jahre schienen vorbei. Doch nach vielen Anstrengungen und Veränderungen sehen die Kliniken des Main-Taunus-Kreises und ihr Verbundpartner, das Klinikum Frankfurt Höchst, erneut die Gefahr, dicke rote Zahlen zu schreiben. Der Grund: Die Patientenzahlen in allen drei Krankenhäusern der Kliniken Frankfurt Main-Taunus (FMT) liegen weiter deutlich unter den Werten vor Corona. Von rund zehn Prozent Minus spricht Geschäftsführer Martin Menger. In Höchst seien zudem noch 100 Betten wegen der Pandemie gesperrt, denn zugelassen sind aktuell keine Drei- sondern nur Zweibettzimmer.

Eine leichte Verbesserung habe es in den Sommermonaten zwar gegeben, ergänzt Geschäftsführer Stefan Schad, doch da bereits August sei, könnten Zahlen wie vor Corona absehbar nicht mehr erreicht werden. 2019 hatte es der Verbund auf 56 560 stationäre Patienten gebracht, der Anteil der MTK-Kliniken lag bei 21 004. 2020 wurden insgesamt 40 759 stationäre Patienten gezählt, davon 19 056 in Hofheim und Bad Soden.

Die FMT-Kliniken seien mit dem Problem, dass nach wie vor Zurückhaltung herrscht, sich in Pandemie-Zeiten für nicht dringende medizinische Behandlungen ins Krankenhaus zu begeben, nicht allein, ist Menger sicher. Und sieht, wie auch Landrat Michael Cyriax (CDU), die Bundesregierung gefragt, die ihre Ausgleichszahlungen reduziert hatte. Es sei "notwendig, dass der Bund die Reduzierung überdenkt", sagt Cyriax als Vertreter des Gesellschafters Main-Taunus-Kreis und Aufsichtsratsmitglied, um eine bundesweite Krankenhaus-Krise abzuwenden.

Im Corona-Jahr 2020 hat der Klinik-Konzern FMT unter dem Strich das ursprünglich einmal geplante minimale Plus von 8000 Euro in der Bilanz nicht geschafft. Dank der Pandemie-Ausgleichszahlungen des Bundes ist aber immerhin nur ein kleines Defizit von rund 82 000 Euro entstanden. Damit wurde im fünften Jahr nach Gründung der Kliniken Frankfurt Main-Taunus (FMT) die Vorgabe der Gesellschafter, die zu diesem Zeitpunkt schwarze Zahlen sehen wollten, zwar verfehlt - doch weder Corona noch die starke Verzögerung des Neubaus in Höchst, von dem man sich auch wirtschaftlich ja einiges an Einsparungen versprochen hat, hatte man dabei auf der Rechnung. Und immerhin: Gegenüber 2019 wurde das Minus in der Bilanz noch einmal verringert, denn im Vorjahr betrug das Defizit noch 1,637 Millionen.

Wie im vergangenen Jahr erzielt auch 2020 dabei der kleinere Partner, die Kliniken des Main-Taunus-Kreises, ein positives Jahresergebnis. Betrug das Plus 2019 noch 101 000 Euro, liegt es 2020 sogar bei 1,132 Millionen. Dagegen bleibt es in Höchst bei einem Fehlbetrag, der aber erneut verringert werden konnte auf nun 1,222 Millionen Euro (2019: 1,744 Millionen).

"Zufriedenstellend" nennt die Geschäftsführung aus Martin Menger und Stefan Schad das Konzernergebnis. Die Umsatzerlöse des Verbunds wuchsen, trotz deutlich geringerer Patientenzahlen, um 6,5 Prozent auf 351,5 Millionen Euro. Doch der sogenannte Landesbasisfallwert, nach dem sich die Fallpauschalen berechnen, ist gestiegen, so dass dieselbe Behandlung jetzt mehr Geld bringt. Neben den Corona-Ausgleichzahlungen ein Grund für das leichte Umsatzplus. Mehrausgaben gab es beim Personal aufgrund von Tariferhöhungen und veränderten Arbeitszeitmodellen für Ärzte. Zu Buche schlägt auch die Entscheidung der Geschäftsführung, die Corona-Prämie des Bundes für in Höhe von 517 000 Euro zu verdoppeln. "Dadurch konnten sämtliche Berufsgruppen bedacht werden", so Aufsichtsratsvorsitzender Harald Schmidt.

Schmidt bekräftigt, langfristiges Ziel des Kliniken-Verbundes bleibe "ein dauerhaft positives Jahresergebnis". Dazu soll vom zweiten Quartal 2021 an endlich auch der Neubau in Höchst einen Beitrag leisten. Und um dem Pflegekräfte-Mangel zu begegnen, würde der Konzern gern mehr ausbilden. Denn die Besetzung freier Personalstellen mit hochqualifizierten Fachkräften, heißt es im Bilanz-Bericht, sei "weiterhin problematisch". Barbara Schmidt

Der Einzug in den Neubau verschiebt sich ins nächste Jahr

Der Neubau des Klinikums in Höchst wird nicht mehr im laufenden Jahr bezogen werden können. So ist zumindest die Einschätzung von Kliniken-Geschäftsführer Martin Menger, der auch Geschäftsführer der Zentralen Einrichtungsgesellschaft (ZEG) ist, die den Bau des Klinikums Höchst steuert. Zum Ende des Jahres werde wohl der Neubau an die Kliniken Frankfurt Main-Taunus übergeben, meint Menger; im neuen Jahr soll dann der Probebetrieb beginnen. Zum Ende des ersten Quartals, so Mengers Hoffnung, werde das neue Haus dann tatsächlich bezogen werden können.

Ursprünglich war ein Gesamtfertigstellungs-Termin für den 15. Oktober 2019 vereinbart worden. Im November 2018 hatte der Generalunternehmer dann mitgeteilt, dass sich die Fertigstellung um ein Jahr verschieben werde. Mitte 2020 wurde dann erneut der Termin nach hinten verschoben, um satte 14 Monate. Neues Datum war der 31. Dezember 2021. Gestiegen sind außerdem die Kosten. Statt ursprünglich veranschlagten und von der Stadt genehmigten Kosten in Höhe von 48,17 Millionen Euro sind es nun 58,772 Millionen. Die Mehrkosten sollen mit pauschalen Fördermitteln finanziert werden, wie es im Geschäftsbericht für das Jahr 2020 heißt. Ob das das Ende der Fahnenstange ist, scheint fraglich. Der Generalunternehmer versucht zumindest, weitere Forderungen durchzusetzen.

Weil nach wie vor die Altbauten genutzt werden müssen, sind hier Instandhaltungsmaßnahmen nun offenbar unausweichlich. Von einem "enormen Instandhaltungsrückstau" ist im Geschäftsbericht die Rede, der "diverse Risiken" berge. Die Stadt Frankfurt hat als zuständiger Gesellschafter für das Klinikum Höchst Zuschüsse in Höhe von 6,1 Millionen Euro zugesagt. Im Geschäftsbericht heißt es zudem: "Mögliche Schadensersatzansprüche gegenüber dem Generalunternehmer in diesem Zusammenhang werden derzeit von der Gesellschaft geprüft." babs

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