Bislang kannten die meisten Niederräder Becky Suck vor allem als Karnevalistin. Jetzt wurde sie vom Ortsbeirat zur Kinderbeauftragten für den Stadtteil gewählt.
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Bislang kannten die meisten Niederräder Becky Suck vor allem als Karnevalistin. Jetzt wurde sie vom Ortsbeirat zur Kinderbeauftragten für den Stadtteil gewählt.

Niederrad: Neue Kinderbeauftragte

Den Mädchen und Jungen eine Stimme geben

  • VonStefanie Wehr
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Viele Ideen für die nächsten Jahre

Ein Pinocchio-Eis im Eiscafé Lido an der Bruchfeldstraße, das geht für Becky Suck immer. Die Mutter einer zwölf Jahre alten Tochter ist hier oft zu Gast. Sie weiß, wo es in Niederrad Kinder hinzieht und wohin nicht. Deshalb konnte sich gut vorstellen, Kinderbeauftragte zu sein. "Ich bin selbst manchmal ein Kindskopf", gibt sie zu. Die 38 Jahre alte Leiterin einer Tankstelle an der A66 hat außer ihrer eigenen Tochter noch drei Patenkinder, die auch in Niederrad wohnen. Sie selbst wohnt mit ihrer Frau, ihrer Tochter und einer ganzen Schar Tiere - zwei Hunde, vier Meerschweinchen und drei Rennmäuse - in einem Haus im alten Ortskern.

Ein Sprachrohr für die Belange der Kinder zu sein, ist ihr wichtig. Für kleine Niederräder ist das Angebot viel größer als für Kinder ab zehn Jahren. "Viele wünschen sich einen Abenteuerspielplatz, habe ich schon gehört", sagt Becky Suck. "Erst einmal möchte ich mit den Kindern ins Gespräch kommen. Ich denke, das ist im Moment wichtiger denn je, denn vielen Kindern ging es in der Corona-Zeit überhaupt nicht gut. Sie haben richtig gelitten. Ich sehe es an meiner Tochter, die sofort aufgeblüht ist, sobald die Schule wieder los ging." Kinder würden zu wenig gehört. "Je mehr man sich um sie kümmert, desto besser kommen sie später im Leben zurecht. Das ist eine Investition in die Zukunft."

Eine Idee ist es, einen Kinderbriefkasten aufzustellen, etwa am Bruchfeldplatz oder an ihrem eigenen Haus in der Kelsterbacher Straße, gegenüber der Kita 122, dem Gute-Laune-Haus, das derzeit neu gebaut wird. Dort könnten die Kinder jederzeit ihre Sorgen und Wünsche aufschreiben und einwerfen.

Daheim in der Fastnacht

Kinderbeauftragte ist das erste politische Ehrenamt der Niederräderin, die gerade frisch vom Ortsbeirat dazu gewählt wurde. Die Beisitzerin und Delegierte beim SPD-Ortsverein übt aber auch diverse andere ehrenamtliche Jobs im Stadtteil aus: Als Sitzungspräsidentin des Niederräder Carnevalvereins (NCV) etwa und zugleich als Betreuerin der Kinder-Garden im Verein.

Vor Jahren hatte sie genug vom eintönigen Alltag, der nur noch aus arbeiten, essen, schlafen zu bestehen schien. Sie entschied sich, "als Hobby", dem Verein beizutreten. Außerdem spielt sie gern Theater und singt in der Musical-Gruppe Lampenfieber der KT 22.

Bei der letzten richtigen Fastnacht im Jahr 2019, als ihre Tochter als Kinderprinzessin der Stadt Frankfurt, Finja I., von Veranstaltung zu Veranstaltung zog, konnten die Kinder in Niederrad einen besonders schönen, eigenen Fastnachtsumzug nur für sie erleben: Becky Suck hatte die Idee, einen Kinderumzug durch den Stadtteil zu organisieren. Gesagt, getan. Der Clou: Die Kinder zogen durch die Straßen und wurden von den Zuschauern und Ladeninhabern am Straßenrand mit Bonbons versorgt und "beworfen" - nicht umgekehrt, wie man es sonst so gewohnt ist.

"Das war ein Riesenspaß für die Kinder. Für mich war es aber unglaublich viel Arbeit", erinnert sich Becky Suck. Schwarzwaldstraße und Kelsterbacher mussten gesperrt werden, die Polizei war dabei, Toiletten mussten organisiert werden und vieles mehr. "Der Aufwand hat sich aber gelohnt".

Eins ist für die langjährige Sozialdemokratin klar: Die Aufwandsentschädigung, die sie von der Stadt Frankfurt erhalten wird, will sie selbst nicht antasten. "Ich möchte das Geld nicht, es gehört nicht mir, sondern den Kindern", sagt sie. "Ich werde es zur Seite legen, und wenn etwas Wichtiges anliegt, was für die Kinder finanziert werden muss, dafür einsetzen". Ob es ein neues Spielgerät ist, oder ein Kinder-relevantes Projekt im Stadtteil, das werde sich weisen. Stefanie Wehr

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