Die Autorin Stefanie Neeb hat einen Fantasy Roman geschrieben. Für die Hörbuchversion hat der Kantor Wolfgang Runkel, der Evangelischen Kirchengemeinde Bergen-Enkheim dazu einen Choral komponiert. foto: leonhard Hamerski
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Die Autorin Stefanie Neeb hat einen Fantasy Roman geschrieben. Für die Hörbuchversion hat der Kantor Wolfgang Runkel, der Evangelischen Kirchengemeinde Bergen-Enkheim dazu einen Choral komponiert.

Bergen-Enkheim: Hörbuch aus Frankfurt

Den Sternen einen besonderen Klang gegeben

  • vonAlexandra Flieth
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Kantor komponiert eigens einen Choral - Auch im Netz zu hören

"Dann erklang plötzlich ein Flüstern. Astra. Astra. Immer wieder. Nur dieses Wort, das sich zischend, in einem steten langsamen Rhythmus wiederholte. Astra, Astra....", leitet die Schriftstellerin Stefanie Neeb (46) in ihrem vor kurzem erschienen Jugendbuch "Partem. Wie die Liebe so kalt" (bei Dragonfly) eine besondere Szene innerhalb der Geschichte ein, die in zwei Bänden erzählt wird. Diese handelt von einem Clan, dem Partem, und von Jugendlichen, die in dessen Auftrag anderen Menschen die Gefühle stehlen. Jael ist einer von ihnen und er befindet sich in dieser Szene an einer Kathedrale: Es ist ein Moment, in dem der Jugendliche dem Partem, Mitgliedern des Clans, begegnet. Ein mystischer Augenblick.

Die Melodie zum Text

Zu dieser Szene hatte Stefanie Neeb, die mit ihrer Familie in Bergen-Enkheim lebt, während des Schreibens nicht nur die Bilder im Kopf, sondern hörte vor allem auch schon die Musik - solche, wie sie erzählt, die sie an gregorianische Klänge erinnerten. So erwuchs die Idee, zu dieser Textpassage eine Melodie zu komponieren. Mit diesem Wunsch wendete sie sich an Wolfgang Runkel, dem Kantor der Evangelischen Gemeinde im Stadtteil, der an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt Schul-, Klavier- und Kirchenmusik studiert hat. Die beiden kennen sich, weil Neeb und ihr Mann im Chor von Runkel, der Kantorei der Gemeinde, mitsingen.

Als die Schriftstellerin im vergangenen Jahr mit der Bitte an ihn herangetreten sei, die Musik für eine Chorszene zu komponieren, sah er dies als eine spannende Herausforderung an, erzählt es Runkel. "Meine Neugierde war geweckt und ich ließ den Textauszug auf mich wirken." Erste Ideen, wie die Szene klingen könnte, habe er schnell entwickelt. "In zeitgemäßen Klängen wollte ich die Stimmung des Textes aufgreifen und atmosphärisch verdichten - ähnlich einer Bühnen- oder Filmmusik", beschreibt er seine Gedanken zu dem kreativen Prozess.

Die knapp zwei Minuten lange Komposition steht mittlerweile, ist eingesungen und auch Teil der Hörbuchvertonung geworden - nicht in seiner Ur-Fassung, sondern neu vom Verlag zusammengesetzt, so Runkel.

"In meiner Vertonung erklingen zu Beginn der Szene aus allen Richtungen gehaucht geflüsterte Astra-Rufe, um eine Grundspannung zu erzeugen", erklärt er. Erst danach setze die eigentliche Choralmelodie über den lateinischen Text "Sic itur ad astra. Per aspera ad astra" (So steigen wir auf zu den Sternen. Durch das Raue zu den Sternen), dem Leitspruch des Partem ein. Langsam ansteigend, mit dem Ziel, mystisch anmutende Klänge mit Sogwirkung zu finden.

"Als die Klangpartitur in meinem Kopf fertig war, ging es an die praktische Arbeit, die dafür notwendigen Klangspuren einzuspielen und den Gesang aufzunehmen", erzählt Runkel und erklärt weiter: "Ich nutzte die Klänge meines Synthesizers und nahm als Klangbeispiel für den Chor meine eigene Stimme auf." Durch die Überlagerung von mehreren Aufnahmen sei ein flächiger Chorklang entstanden.

Damit dieser dem echten Chorklang möglichst nahe kommen konnte, habe er Mitglieder der Kantorei angefragt, ob sie Teil des Projekts werden möchten. Mit einer kleinen Anzahl an Sängern sei zunächst online vorgeprobt und schließlich, ganz konform mit den Corona-Regeln, seien hybride Aufnahmen produziert worden. Um trotz weniger Sänger den Gesang eines großen Chores zu erzeugen, der realistisch klingt, sei es erforderlich gewesen, dass alle Beteiligten ihre Beiträge mehrfach eingesungen haben. "Durch die Überlagerung des vielfältigen Stimmmaterials entstand der flächige Klang, der Stefanie Neeb und mir vorschwebte", sagt Runkel.

Ohne Technik geht das nicht

Die notwendigen technischen Erfahrungen sammelte der Kantor bereits in einem anderen Projekt: Als im Frühjahr 2020 alle Gotteshäuser zunächst wegen der Corona-Pandemie geschlossen waren, entwickelte er eine Idee, um mit den Menschen in Kontakt zu bleiben: Ein wöchentlicher Podcast, der mit Unterstützung der Pfarrer und Gemeindemitglieder erarbeitet wird, bringt seitdem den Gottesdienst an Sonn- und Feiertagen zu den Menschen nach Hause. Im Netz abrufbar, aber auch per Telefon. Hierfür hat er sich in die Technik von Audio-Aufnahmen und deren weitere Verarbeitung hineingearbeitet, Fähigkeiten, die ihm jetzt bei der Umsetzung der Komposition für das Buch von Stefanie Neeb zugutekamen.

Stefanie Neeb debütierte bereits 2018 mit ihrem Werk "Und wer rettet mich?", einem Jugendbuch (erschienen im S.Fischer-Verlag), das sofort für den Paul Maar-Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur nominiert wurde. Der zweite Band der Partem-Geschichte soll im Januar 2022 erscheinen.

Den finalen Mix der Komposition gibt es unter: https://tinyurl.com/3dbvckwc

Alexandra Flieth

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