Hat sich überlegt, wie man den Menschen helfen kann. Und sei es nur durch das Vorlesen am Telefon. "Denn so hat das Virus keine Chance", sagt die Gymnasiastin Anna Sophia Rauleder (17). Ihre Gesprächspartnerin, eine ältere Dame, ist von diesem Service begeistert.
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Hat sich überlegt, wie man den Menschen helfen kann. Und sei es nur durch das Vorlesen am Telefon. "Denn so hat das Virus keine Chance", sagt die Gymnasiastin Anna Sophia Rauleder (17). Ihre Gesprächspartnerin, eine ältere Dame, ist von diesem Service begeistert.

Rödelheim: Sozialprojekt

Den Zauberberg am Telefon

  • vonAlexandra Flieth
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Frankfurter Gymnasiastin liest Thomas-Mann-Klassiker vor

Anna Sophia Rauleder hat sich Gedanken gemacht. Darüber, welche Möglichkeiten es in den aktuellen Zeiten gibt, um Menschen ihren Alltag ein wenig leichter zu gestalten. Die 17-jährige Schülerin weiß, dass es oftmals die kleinen Dinge sind, die zählen. So entwickelte sie die Idee zu einem sozialen Projekt in Rödelheim, mit dem die Gymnasiastin Menschen ehrenamtlich unterstützen möchte, beispielsweise beim Einkaufen oder mit Botengängen zum Arzt oder Apotheker.

Hilfe aus der Nachbarschaft

"In meiner Schule in Oberursel können wir uns in der Oberstufe selbst ein soziales Projekt überlegen und umsetzen", sagt sie. "Mit Blick auf die anhaltend schwierige Lage durch das Coronavirus dachte ich mehr an konkrete Hilfen direkt in meinem Rödelheimer Stadtteil, statt an Projekte in weit entfernten Ländern." So sei die Idee entstanden, Hilfen für Menschen in der Nachbarschaft anzubieten, die unter der Krise leiden. "Dabei geht es mir nicht nur um praktische Unterstützungen wie Einkaufshilfen oder Botengänge, sondern auch um ein wenig Ablenkung vom oft tristen Alltag", betont die Schülerin. Sie habe sich gefragt, ob sie beispielsweise mit dem Vorlesen eines Romans oder ihrem Klarinettenspiel einen kleinen Ersatz für die derzeit nicht vorhandenen kulturellen Veranstaltungen bieten könne. "Ein Vorspielen oder Vorlesen direkt bei den Menschen funktioniert zwar derzeit nicht, aber über das Telefon hat das Virus keine Chance."

Anna Sophia Rauleder konzipierte einen Flyer, auf dem sie ihr Projekt vorstellt. "Den habe ich in meinem Stadtteil in Arztpraxen und Apotheken ausgeteilt", erzählt sie. Sie sei sich am Anfang unsicher gewesen, ob ihr Angebot überhaupt angenommen werde. Die Reaktion ihrer Ansprechpartner sei sehr positiv verlaufen. "Eine Arzthelferin im Rödelheimer Ärztezentrum bot mir beispielsweise an, meinen Flyer mit ein paar erklärenden Worten im Haus bekanntzumachen." Positiv aufgenommen worden sei das Projekt auch in ihrer Schule. "Eine meiner Lehrerinnen hat sich darüber gefreut, dass ich die Krise als Chance nutze und in meinem direkten Umfeld meine Hilfe anbiete."

Es sei schon auch etwas aufregend gewesen, als dann tatsächlich jemand auf ihr Angebot reagiert und sie angerufen habe. Es war eine ältere Dame, die sie nicht um Einkaufshilfe gebeten habe, sondern, ob es möglich sei, ihr einmal pro Woche aus Thomas Manns "Zauberberg" vorzulesen - am Telefon. "Ich habe mir den Roman besorgt und seitdem echt Spaß daran, ihr dadurch eine Freude machen zu können", sagt Anna Sophia.

Oft genügt ein Anruf

Soziale Kontakte und Begegnungen fehlten derzeit vielen Menschen, das bemerke auch sie selbst. "Deshalb verabrede ich mich oft mit meinen Freunden virtuell über Video, um so für ein wenig Ausgleich zu sorgen", erzählt sie. Auch mit ihrer Basketballmannschaft könne sie so zweimal wöchentlich trainieren, wobei es in der Halle zusammen natürlich schöner wäre. "Solche sozialen Kontaktmöglichkeiten möchte ich auch meinen Mitmenschen anbieten - dafür braucht man gar keine ausgefeilte Videoplattform, ein Telefon genügt schon", findet die Rödelheimer Gymnasiastin.

Das von ihr initiierte Projekt fest zu implementieren und noch bis zum Ende der Corona-Beschränkungen fortzuführen, würde ihr schon Freude bereiten. "Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich auch danach noch genügend Zeit dafür haben werde", sagt sie. "Im kommenden Jahr habe ich meine Abiturprüfungen, da bleibt leider nicht so viel Zeit für andere Projekte. Aber wenn ich auch nur einem Menschen etwas helfen kann, dann ist das ja auch schon ein kleiner Beitrag zu einem besseren Miteinander."

Um Menschen in den aktuellen Zeiten zu unterstützen, brauche es nicht einmal ein eigenes Projekt, findet sie. "Ein freundliches Hallo gegenüber dem Nachbarn auf dem Balkon macht oft schon einen Unterschied. Meine Oma freut sich auch über meine Anrufe, ich denke, da kann jeder in seinem Familien- und Freundeskreis viel tun." Alexandra Flieth

Hier gibt's Hilfe

Wer Unterstützung beim Einkaufen benötigt, sich am Telefon aus einem Buch vorlesen lassen möchte oder Hilfe braucht, der kann sich per E-Mail unter as.raule@gmail.com an die Schülerin wenden.

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