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Traditionsgeschäft erfindet sich neu – und gewinnt „deutschen Handels-Oscar“

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Von: Brigitte Degelmann

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Lorey-Geschäftsführer Philipp Keller steht beim "Elefant im Porzellanladen". Der kommt vor allem bei Kindern gut an. FOTO: leonhard hamerski
Lorey-Geschäftsführer Philipp Keller steht beim "Elefant im Porzellanladen". Der kommt vor allem bei Kindern gut an. © Hamerski

Das Frankfurter Traditionsgeschäft Lorey erfindet sich nach 226 Jahren neu. Der Laden in „MyZeil“ erhält eine Nominierung für den „Global Innovation Awards“.

Frankfurt – Nein, enttäuscht sei er nicht, sagt Philipp Keller (50). "Im Gegenteil: Wir sind stolz darauf, dass wir dabei sein durften." Keller ist Geschäftsführer des Frankfurter Traditionsgeschäfts Lorey, das mit seinen Haushaltswaren, Heimtextilien und Wohnaccessoires seit September 2020 im Einkaufszentrum "MyZeil" auf der Zeil zu finden ist. Und das sich kürzlich in Chicago präsentieren konnte - als einer von 33 Kandidaten aus aller Welt für die "Global Innovation Awards" (gia).

Denn Lorey hatte die Auszeichnung zuvor auf nationaler Ebene gewonnen und sich dabei gegen Konkurrenz aus ganz Deutschland durchgesetzt. Dass es nun in Chicago nicht ganz für die Spitze gereicht hat, trübt Kellers Freude nur minimal.

Lorey in Frankfurt: Wegweisender Umzug auf die Zeil

Der gia für Deutschland, der gerne auch als "deutscher Handels-Oscar" bezeichnet wird, ist übrigens nicht die einzige Würdigung, die der Haushaltswarenhändler aus Frankfurt in jüngster Zeit eingeheimst hat. Zuvor war er von der Fachzeitschrift "Stil & Markt" schon zum "Fachgeschäft des Jahres 2020" gekürt worden. Und beim Wettbewerb "Store of the year" des Handelsverbands Deutschland (HDE) schaffte er es 2021 immerhin unter die letzten drei Kandidaten.

Diese Erfolge hängen mit einem großen Schritt zusammen, den Lorey vor eineinhalb Jahren wagte. Damals verließ man das Stammhaus an der Großen Eschenheimer/Schillerstraße, wo man sich jahrzehntelang auf fünf Etagen präsentiert hatte, und zog ins etwa 100 Meter entfernte "My Zeil". Das bedeutete auch einen Konzeptwechsel, verbunden mit einer deutlichen Verkleinerung des Verkaufsareals von 2300 auf knapp 1000 Quadratmeter.

Schließlich, sagt Keller, gehe es heute nicht mehr darum, 100 Pfannen oder mehr im Sortiment zu präsentieren - angesichts des boomenden Online-Handels und der Angebotsfülle, die das Internet bereithält. Sondern vielmehr darum, die besten Waren in Sachen Qualität, Langlebigkeit oder Preis-Leistungs-Verhältnis bereitzuhalten. Ausgewählte Artikel, "die uns gut gefallen", wie es der Geschäftsführer formuliert. Oder, wie es im Lorey-Slogan heißt: "nur Lieblingsstücke".

Lorey in Frankfurt: Eine kleine Bar mitten im Geschäft

Zum neuen Konzept gehört auch der Verzicht auf Markenshops. Aus Kundensicht seien diese wenig attraktiv, erklärt Keller. Der Grund: Wer beispielsweise eine simple Zitruspresse sucht, muss erst einmal sämtliche Markenshops durchstöbern, um sich einen Angebots-Überblick zu verschaffen. "Bei uns sind dagegen alle an einem Ort", sagt der Geschäftsführer.

Sorgsam zusammengestellt ist nicht nur die Angebotspalette, sondern auch der Rahmen dafür. Historische Fotos und alte Werbeplakate sorgen ebenso für nostalgisches Flair wie die Regale an den Wänden, die an einstige Kaufmannsläden erinnern. Mitten im Geschäft ist eine kleine Bar eingerichtet, an der Kunden an einer Tasse Kaffee oder einem Glas Wasser nippen können, während sich sanfte Jazzklänge in die Gehörgänge schmiegen. "Wir wollen eine Wohlfühlatmosphäre schaffen", erklärt Keller. Dazu trägt auch der fast lebensgroße Elefant aus Porzellan bei, der vor allem die kleinen Kunden begeistert. Ihm hat der Geschäftsführer sogar ein Kinderbuch gewidmet, das er während des ersten Corona-Lockdowns geschrieben hat - unter dem passenden Titel "Der Elefant im Porzellanladen". Darüber hinaus gibt es inzwischen einen Internet-Shop für die Fans des Online-Handels.

Alles Kriterien, die die Jurys der Handelspreise offenbar beeindruckten. Überzeugend dürfte auch die Tatsache gewesen sein, dass Lorey bereits seit 226 Jahren besteht und von Philipp Keller in der siebten Generation geführt wird. Damit ist es eines der ältesten Frankfurter Geschäfte - hervorgegangen aus einer Spenglerei in der heutigen Borngasse. Jetzt hofft der Geschäftsführer, dass sich der Wandel auch im Hinblick auf den Kundenzuspruch auszahlt. Schließlich seien die vergangenen Pandemie-Monate alles andere als einfach gewesen. Aber, sagt Keller, "wir sind trotz aller Schwierigkeiten optimistisch. Ich denke, dass unser Konzept den Zeitgeist trifft." (Brigitte Degelmann)

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