Pfarrer Sebastian Goldner - designierter Administrator der des neuen Pastoralen Raums Wetterau Süd - und Gemeindereferentin Daniela Schmidt.
+
Pfarrer Sebastian Goldner - designierter Administrator der des neuen Pastoralen Raums Wetterau Süd - und Gemeindereferentin Daniela Schmidt.

Katholische Kirche rückt zusammen

Denn der Glaube kennt keine Grenzen

  • Friedrich Reinhardt
    VonFriedrich Reinhardt
    schließen

Zehn Gemeinden im Frankfurter Osten sollen zum Pastoralen Raum Wetterau Süd fusionieren

Der katholischen Kirche mangelt es an Pfarrern. Und weil auch die Zahl der Gläubigen stetig schrumpft, begann man vor gut zehn Jahren Pastorale Räume einzurichten. Dabei werden Gemeinden zusammengelegt und Pfarrhäuser, manchmal sogar die Kirchen, veräußert, um Kosten zu sparen. Gemeindebüros fusionieren, die Seelsorger sind gleich für mehrere Kirchorte zuständig, halten dort turnusmäßig Gottesdienste.

Acht Pfarreien solch neuen Typs gibt es bereits in der Stadt. Jetzt trifft es auch den Frankfurter Osten, der zum Bistum Mainz gehört. Dabei orientiert sich die Fusion nicht an kommunalen Grenzen, sondern an den im 17. Jahrhundert entstandenen Bistumsgrenzen. Und deshalb trifft es nicht nur die katholischen Kirchengemeinden der Pfarrgruppe Harheim/Nieder-Erlenbach/Nieder-Eschbach, sondern auch Ober-Eschbach/Ober-Erlenbach/Burgholzhausen sowie die vier Bad Vilbeler Gemeinden. Sie alle sollen zu einem neuen Pastoralraum namens Wetterau Süd fusionieren. Der hat dann insgesamt knapp 16 000 Gläubige.

Die Kirche neu denken

"Der bereits 2019 getroffene Beschluss ist natürlich nicht ideal, doch die katholische Kirche hat derzeit leider keine anderen Möglichkeiten. Daher wollen wir diese Veränderungen als Chance begreifen, um Kirche neu zu denken", sagt Sebastian Goldner, seit knapp zwei Jahren Pfarrer in Harheim und der zukünftige Pfarradministrator von Wetterau Süd.

In drei Projektgruppen versuche man nicht nur, die hauptamtlichen Mitarbeiter am Umstrukturierungsprozess zu beteiligen, sondern wolle auch die viele Ehrenamtlichen einbeziehen. "In einer Gruppe besprechen wir etwa die Neugestaltung der Gottesdienste", sagt Goldner. Aufgrund des reduzierten Personals würden hierbei in Zukunft auch verstärkt Ehrenamtliche beteiligt. Eine Überlegung sei zudem, eine kurze Fortbildung anzubieten, um die Ehrenamtlichen dabei zu unterstützen, einen eigenen Gottesdienst planen und abhalten zu können.

Der Mensch bleibt im Mittelpunkt

"Die zweite Projektgruppe beschäftigt sich mit dem Thema des Diakonischen, der Nächstenliebe, welche Aufgaben uns bei diesem Thema bevorstehen und wie wir uns auch spontan um die Menschen kümmern können", sagt Goldner.

Die dritte Projektgruppe wiederum kümmere sich um die Verkündigung, also die Weitergabe des Glaubens, beispielsweise im Unterricht, bei der Kommunion oder der Taufe. "Im Herbst werden wir einen genauen Bericht über unsere Vorstellungen und Pläne, die wir gemeinsam mit den Menschen aus der Gemeinde erarbeitet haben, an das Bistum Mainz senden", so Goldner. Im Sommer 2022 würde schließlich strukturelle Fragen wie die zukünftige Verwaltung der Gebäude oder der Standort eines gemeinsamen Verwaltungsrats angegangen werden.

Aus der bisherigen Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden seien auch positive Erkenntnisse gewonnen worden: "Die Themen der Gemeinden unterscheiden sich kaum, wir finden viele Übereinstimmungen was die Zusammenarbeit erleichtern wird" sagt die Gemeindereferentin Daniela Schmidt der Pfarrgruppe Harheim/Nieder-Erlenbach/Nieder-Eschbach. Dennoch müsse man sich auch über gewisse Schwierigkeiten im Klaren sein: "Wir arbeiten normalerweise in einem kleinen Team und können die persönliche Bindung zur Gemeinde pflegen. In Zukunft könnte dies schwieriger werden, da es weniger Personal für mehr Gemeindemitglieder geben wird", so Schmidt. Man müsse trotz der Abwesenheit immer bei den Menschen präsent sein. "Dies wird eine große Herausforderung, aber die Beziehungsarbeit ist uns trotz allem ein wichtiges Anliegen", ergänzt Sebastian Goldner. "In diesem Prozess sind noch viele schwierige Aufgaben zu stemmen, doch wir haben keinen Zweifel, dass unsere Gemeinden dies schaffen werden", sagt Schmidt. Trotz der Corona-Pandemie seien die Menschen engagiert und unterstützen die Kirche. "Natürlich sind die Zeiten der Pandemie schwierig, doch sie haben uns auch gelehrt neu zu denken", sagt Daniela Schmidt. "Insbesondere unseren vielen Ehrenamtlichen sind wir hierbei für ihr großes Engagement dankbar. Trotz oftmaliger Ernüchterung wollen sie mitgestalten und begreifen diese Entwicklungen als Chance."

Jana Weber

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare