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„Wie ein Hobby“: 18-Jähriger aus Frankfurt arbeitet gerade an seiner Promotion

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Von: Brigitte Degelmann

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Mit 12 Jahren beherrschte Yanik Kleibrink in Mathe den gesamten Schulstoff, sechs Jahre später arbeitet er an der Frankfurter Goethe-Uni an seiner Promotion.

Frankfurt -Vor ein paar Monaten ist Yanik Kleibrink aus Frankfurt volljährig geworden. Was zunächst nicht Besonderes ist, schließlich zählen in Frankfurt gut 6000 junge Leute zu seinem Jahrgang. Doch niemand von ihnen dürfte solche Abschlüsse vorzuweisen haben wie Yanik Kleibrink. Er hat nämlich nicht nur Abitur, sondern auch einen Master in Mathematik - dem Fach, in dem er derzeit an seiner Promotion arbeitet.

Wie das möglich ist? Ganz einfach, sagt er: Neben seiner Schulzeit am Gymnasium Riedberg habe er fünf Jahre lang an der Frankfurter Goethe-Universität studiert, als Schülerstudent. Schon mit zwölf Jahren saß er dort in Vorlesungen, anfangs verwundert beäugt von manchen Mitstudenten. „Aber wenn man länger dort ist, wird das irgendwann normal“, sagt er.

Frankfurter absolviert Gymnasium und Studium gleichzeitig

Dass sein Werdegang ziemlich außergewöhnlich ist, lässt er sich im Gespräch nicht anmerken. Mathematik habe ihm schon immer Spaß gemacht, erzählt er schlicht. Es gebe eine stabile, unerschütterliche Basis, auf die man aufbaue - „alles beruht auf einfachen, logischen Fundamenten“. Dass zwei plus zwei vier ergibt, daran ist schließlich nicht zu rütteln.

Trotz dieser Faszination für die Welt der Zahlen wäre er vermutlich nicht dort, wo er heute steht, wären seine Eltern - der Vater ist Ingenieur, die Mutter Ärztin - nicht mit ihm und der jüngeren Schwester vor zehn Jahren in die USA gezogen, wo der Vater beruflich zu tun hatte. Dort, in Florida, macht Yanik Kleibrink auch bei den Abschlusstests zum Ende jedes Schuljahrs mit, kann schließlich sogar die fünfte Klasse überspringen. Dabei werden die Lehrer auf seine überdurchschnittlichen Leistungen in Mathe aufmerksam. Und weil das US-amerikanische Schulsystem ab der sechsten Klasse modular aufgebaut ist, darf er Mathematikkurse aus höheren Klassen belegen. Als sich die Familie 2016 wieder in Frankfurt ansiedelt, beherrscht der damals Zwölfjährige schon den gesamten Mathematik-Schulstoff. Dafür ist er bis heute dankbar: „Dieses Schulsystem hat mir das alles ermöglicht.“

Frankfurter Schulen immer voller

Zwar haben zum neuen Schuljahr in Frankfurt alle Kinder und Jugendlichen einen Platz bekommen, trotzdem bleibt die Erkenntnis: An Frankfurts Schulen wird es immer enger – neue Bildungsstätten werden gebraucht. 4310 mehr Schüler als 2021 wurden an den allgemeinbildenden Schulen gezählt.

Kein Wunder, dass er die deutsche Bildungslandschaft, die ihm solche Freiheiten nicht gewährt, nach seiner Rückkehr aus den USA als „ziemlich gewöhnungsbedürftig“ empfindet. Doch dann findet sich eine Lösung für ihn: das Schülerstudium. Nach einem Gespräch an der Frankfurter Goethe-Universität darf er an den Vorlesungen und Kursen teilnehmen. „Das war relativ unkompliziert“, erinnert er sich, zumal er an der Hochschule sehr herzlich aufgenommen worden sei.

Das Studium war für den Frankfurter wie ein Hobby

Zusätzlicher Pluspunkt: In den ersten Jahren finden die Veranstaltungen auf dem Campus Riedberg statt, genau in dem Frankfurter Stadtteil, in dem er mit seiner Familie lebt. Das erleichtert es ihm, Schule und Studium unter einen Hut zu bekommen. Anspruchsvoll ist das Vorhaben dennoch, schließlich muss er zwei Stundenpläne miteinander koordinieren und will nebenbei auch Zeit für zum Tennisspielen finden. „Man muss planen und strukturiert arbeiten“, sagt er.

Yanik Kleibrink steht vor dem Otto-Stern-Zentrum auf dem Campus Riedberg. FOTO: rainer Rüffer
Yanik Kleibrink steht vor dem Otto-Stern-Zentrum auf dem Campus Riedberg. © Rainer Rüffer

Verpasst er dennoch eine Vorlesung, greift er auf entsprechende Skripte zurück, um den Stoff nachzuarbeiten. „Mit dem E-Learning während der Corona-Zeit hat das noch besser funktioniert“, sagt er. Zumal ihm das zusätzliche Pensum Spaß macht: „Das war wie Freizeit, wie ein Hobby.“

Frankfurt: Hänseleien für Mathematik-Überflieger bleiben aus

Dass er neben dem Gymnasium noch studiert, sei unter den Mitschülern kein großes Thema gewesen. Kein Außenseiter-Dasein, keine schiefen Blicke. Im Gegenteil: „Die anderen haben sich immer gefreut, wenn ich ihnen was erklären konnte.“ Vielleicht auch deshalb, weil er kein großes Aufheben um seine Begabung macht. Erst auf Nachfrage erzählt er, dass er 2019 und 2020 Bundessieger im Schülerwettbewerb Mathematik wurde und 2019 die Silbermedaille beim internationalen Wettbewerb „Olympiad of Metropolises“ gewonnen hat.

Seit seinem Abitur im vergangenen Jahr kann er sich nun voll und ganz der Mathematik widmen, ebenso seinem Nebenfachstudium in theoretischer Physik, wo er bald seinen Bachelor machen will. Neben seiner Promotion ist Yanik Kleibrink auch als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Professor Martin Möller im Institut für Mathematik und im Sonderforschungsprojekt „Geometry and Arithmetic of Uniformized Structures“ (GAUS) tätig. Ob er an der Universität bleiben, irgendwann eine Professur anstreben will? „Das weiß ich noch nicht, sagt er. „Ich will einfach weiter Spaß an Mathematik und Naturwissenschaften haben.“ (Brigitte Degelmann)

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