Künstler Georg Schmitt steht mit 500 Euro-Schnipseln vor der alten Bundesbank in der Taunusanlage. 15 Kilo geschredderte Banknoten hat er für seine Aktion bekommen.
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Künstler Georg Schmitt steht mit 500 Euro-Schnipseln vor der alten Bundesbank in der Taunusanlage. 15 Kilo geschredderte Banknoten hat er für seine Aktion bekommen.

Kunst

Der 500-Euro-Mann

  • VonSabine Schramek
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Georg Joachim Schmitt stellt aus geschreddertem Geld Puzzles her

Innenstadt -Dass Geld allein nicht glücklich macht, ist nicht neu. Aber auch einen Künstler, der Philosophie, Kunst, Klassische Philologie und Kunstgeschichte studiert hat, macht Geld neugierig. Georg Joachim Schmitt (58) füllt momentan 500 kleine goldene, silberne und schwarze Kästchen mit durchsichtigem Fenster mit "zu 99 Prozent sortenreinen" lila glänzenden, hauchdünnen Streifen aus 500-Euro-Scheinen. "Geldpuzzles aus circa 12 347 Teilen", sagt er lächelnd. "Da braucht man viel Geduld."

Eigentlich wollte er nur einen lila Diamanten daraus pressen lassen, aber seine Friseurin Rita hat ihn auf die Idee gebracht, zusätzlich Puzzles zu machen. "Der Prototyp für den Diamanten ist fertig, das passende Brikett-Teil ist zurückgelegt", erzählt er. Angefangen habe eigentlich alles vor 20 Jahren. "Ich wollte den Nährwert von D-Mark und Dollar herausbekommen. 5-D-Mark-Scheine und 1-Dollar-Noten an ein Lebensmittelbüro zu schicken war leicht, aber den Euro gab es als Schein noch nicht im Umlauf. Also habe ich 2001 der Direktion von der EZB geschrieben und gefragt, ob sie mir für den Zweck Euro-Scheine zur Verfügung stellen würden und sie haben zugesagt. So habe ich acht Monate vor der Euro-Einführung ein Päckchen grob geschnittene Euro-Scheine bekommen. Im Labor wurde festgestellt, dass Dollar mehr Kohlenhydrate haben als Euro, Euro dafür mehr Fett als der Dollar enthält. Die D-Mark hatte mehr Ballaststoffe als der Dollar, aber Stärke war beim Dollar gar nicht nachweisbar." Aus den Labor-Ergebnissen hat Schmitt Grafiken erstellt. Der Schweizer Kurator Harald Szeemann, der 2001 mit dem Max-Beckmann-Preis der Stadt Frankfurt geehrt wurde, hat Schmitt kontaktiert und die Grafiken gemeinsam mit Werken von Joseph Beuys und Marcel Duchamp in der Ausstellung "Geld und Wert - Das letzte Tabu" bei der Expo.02 auf der Arteplage im schweizerischen Biel ausgestellt.

15 Kilo geschredderte Banknoten

Im Sommer kam Schmitt auf die Idee, aus den aus dem Verkehr gezogenen 500-Euro-Scheinen einen Diamanten machen zu lassen. "Also habe ich an die Bundesbank geschrieben und von der Aktion von damals erzählt und von meinem Plan mit dem Diamanten berichtet. Die Antwort fiel wieder positiv aus", erzählt Schmitt strahlend. "Ich durfte 15 Kilo geschredderte und gepresste sortenreine Banknoten in Brikettform abholen." Sechs Stunden lang hat Schmitt einen Teil der Briketts entwirrt und vier Eimer à 20 Liter gefüllt. "Das sind 80 Liter Geld im Wert von fünf Millionen Euro", sagt er immer noch ungläubig. In Wiesbaden hat er gemeinsam mit zwei Künstlerinnen einen "Geldsturm" initiiert, bei dem die beiden Frauen komplett per Windmaschine von den Geldschnipseln eingehüllt wurden. Danach hat er lila Geldschnipsel mit Vaseline vermengt und eine komplett authentisch aussehende und sich auch so anfühlende Wurst gestaltet, die er aus einem Küchenhandtuch zieht. Wer es nicht weiß, womit sie gefüllt ist, will einfach nur ein Stück abschneiden und reinbeißen.

Schmitt steht vor dem Gebäude der Bundesbank an der Taunusanlage. "Als nächstes kommt der lila Diamant dran", sagt er und guckt verspielt auf seine Geldpuzzle-Schachteln. Die Postkarte zum Geduldsspiel gibt es dazu. Eine Hand mit Pinzette bewegt einige hauchzarte Schnipsel auf eine 500-Euro-Vorlage, die auf einem Holztisch liegt. "Kauf Dir Dein Glück!" steht darauf. "Mit ein wenig Geduld macht Dich das Geldpuzzle reich und froh!" Auf der Rückseite ist der rote Vermerk "Achtung! Kunst!" zu lesen. Schmitt schmunzelt. "Wer die Geduld hat, die etwa 12 347 Teile zusammenzufügen, hat auf jeden Fall Abwechslung und macht lange Achtsamkeitsübungen." Sabine Schramek

Kontakt

Infos zum Geldpuzzle und anderen Kunstwerken gibt es per Mail unter geldpuzzle@gmx.de.

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