An dieser Stelle stand die Ehrentafel für Walter Adlhoch - die Stadt hat sie vor kurzem entfernt. Wegen posthum erhobener Missbrauchsvorwürfe gegen den früheren Stadtdekan Adlhoch wird der Platz umbenannt.  foto: sauda
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An dieser Stelle stand die Ehrentafel für Walter Adlhoch - die Stadt hat sie vor kurzem entfernt. Wegen posthum erhobener Missbrauchsvorwürfe gegen den früheren Stadtdekan Adlhoch wird der Platz umbenannt. foto: sauda

Sachsenhausen: Missbrauch

Der Adlhochplatz ist Geschichte

  • vonStefanie Wehr
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Das Karree an der Textorstraße wird wohl umbenannt

Der Adlhochplatz wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr lange so heißen. Sein Namensgeber ist in Verruf geraten: Wie berichtet, soll Walter Adlhoch, der von 1965 bis 1982 Stadtpfarrer und Stadtdekan von Frankfurt war, im Jahr 1979 ein Mädchen vergewaltigt haben.

Der Fall wird in einem im Sommer 2020 vom Bistum Limburg vorgelegten Abschlussbericht zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch dokumentiert. Er berichtet von einer Frau, die 2011 dem externen sogenannten "Missbrauchsbeauftragten" des Bistums ihr Schicksal zu Protokoll gegeben hatte.

Gedenktafel wurde entfernt

Der Platz zwischen Textorstraße und Schwanthaler Straße hat sich bereits verändert: Die bronzene Gedenktafel am Fuße eines Baumes auf dem Platz ist entfernt worden. Das hatte der Ortsbeirat 5 auf Initiative der Linken hin im Herbst mit Bezug auf die Vorwürfe gefordert. Dass der Platz einen neuen Namen erhält, scheint indes sicher.

"Ich gehe davon aus, dass der Adlhochplatz umbenannt wird", sagt Ortsvorsteher Christian Becker (CDU). Wann das geschehe, sei noch unklar, mit Blick auf die Kommunalwahl im März. "Ob es noch durch den aktuellen Ortsbeirat oder durch den neuen erfolgen wird, kann ich nicht abschätzen", so Becker. Der Ortsbeirat ist für die Benennung und Umbenennung von Straßen und Plätzen zuständig. Per Antrag bestimmt das Stadtteilgremium den neuen Namen. Für den Adlhochplatz ist noch kein Antrag gestellt worden. Viele Anschriften wären von der Umbenennung nicht betroffen: Als Adressen gibt es nur den Adlhochplatz 1 und 3.

Ein weiteres Thema treibt den Ortsbeirat in Bezug auf den Adlhochplatz um: Fast drei Jahre ist es jetzt her, dass die Sitzbänke abmontiert wurden. Weil Anwohner sich über die nächtliche Ruhestörung durch alkoholisierte Jugendliche beschwert hatten, entschied der Ortsbeirat 5, dem Krach ein Ende zu machen. Im März 2018 war es so weit. Die Bänke, die als Sitzgelegenheiten für die Straßenpartys dienten, wurden abgebaut.

Zur Probe, wie es hieß. Tatsächlich wurde es nachts leiser auf dem Platz. Darüber freuten sich die Anwohner. Die Bänke sind seither nicht wiedergekehrt. Mit der Folge, dass nun auch tagsüber Passanten, Schüler und ältere Leute keinen Platz zum Sitzen mehr haben. Die Senioren aus dem Pflegeheim am Platz mussten sich andere Sitzplätze suchen.

Bänke seit drei Jahren eingelagert

Linke und SPD im Ortsbeirat waren damals vehement gegen den Abbau der Bänke. Die Sozialdemokraten erinnern jetzt daran, dass der Abbau nur probeweise gedacht war. In einem aktuellen Antrag schreiben sie: "Nun neigt sich das dritte Jahr ohne Bänke dem Ende entgegen. Trotzdem ist ein Ende der Erprobungsphase nicht abzusehen".

Die Stadt soll Auskunft erteilen, bis wann die Erprobungsphase andauern soll und woran sie deren Erfolg bemisst. Falls aber der Ortsbeirat die Entscheidung selbst treffen soll, soll die Stadt dem Gremium Daten über bei der Polizei gemeldete Ruhestörungen aus den Jahren 2018 und 2019 zur Verfügung stellen. Diese könne man dann vergleichen. Auch sei ein Konzept zur Gestaltung und Nutzung des Platzes wünschenswert, findet die SPD und verweist auf eine geplante Infoveranstaltung zum Thema, die allerdings nie stattgefunden habe.

Uwe Schulz, Chef der FDP im Ortsbeirat, die sich für den Abbau der Bänke eingesetzt hatte, verweist auf die vielen Rückmeldungen von Anwohnern: "Die Lärmbelastung am Adlhochplatz ist völlig beseitigt worden. Die Anwohner haben wieder Nachtruhe. Da ich diesen Zustand nicht wieder ändern möchte, sehe ich momentan keinen Raum für Veränderungen. Wir bemühen uns aber um eine mobile Bestuhlung, was jedoch die Mitwirkung der Bürger voraussetzt." Stefanie Wehr

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