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Landwirt Alfred Quirin zeigt die vielen Stellen auf den Feldern, auf denen Hunde von Spaziergängern Teile der Aussaat zerstört haben. foto: Leonhard Hamerski

Harheim: Ernteschutz

Der Ärger mit den Hunden auf dem Feld

  • vonFriedrich Reinhardt
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Landwirt klagt über zertretene Pflanzen und aufgewühlte Stellen.

Es ist ein harmonisches Bild und ein Irrtum, wogegen Alfred Quirin ankämpft. In dem Bild, wie es aus einer Bierwerbung stammen könnte, läuft ein Spaziergänger allein zwischen weiten Feldern auf einem schmalen Weg. Der Blick reicht weit, frischer Wind weht ihm ins Gesicht. Sein Hund rennt, wohin der Trieb ihn treibt. Freiheit. Und der Irrtum gegen den Quirin kämpft: Es ist die Annahme, der Hund würde auf dem Feld keinen Schaden anrichten oder zumindest wäre der so klein, dass es keiner merkt.

Das Gegenteil ist der Fall. Da auf Quirins Feldern zwischen Harheim, Bonames und Nieder-Erlenbach viele Hundehalter auf den mit Gras bewachsenen Wirtschaftswegen ihre Hunde frei laufenlassen, sei der Schaden enorm.

Der Landwirt fährt mit einem alten Traktor die Felder ab. Vor drei Wochen hat er ausgesät. Zweifingerbreit ist der Weizen nun gewachsen. Am Feldesrand sind die grünen Sprösslinge deutlich kleiner. "Tritt ein Hund einmal auf eine Pflanze, vergisst sie es nicht", sagt Quirin. Sie wächst entweder gar nicht oder langsamer. Für den Landwirt heißt das, dass er den Streifen neben dem Weg später ernten müsste. Er hätte also doppelte Arbeit. Noch schlimmer seien Hundehalter, die Stöcke zum Apportieren auf das Feld werfen, die dann bei der Ernte die Maschinen beschädigen.

Hunde wühlen das Feld auf

Quirin steigt vom Traktor. Überall sind auf dem Boden Spuren von Hundepfoten zu sehen und aufgewühlte Stellen. "Hier gibt es Mäuse und Wildschweine. Wittert die ein Hund, rennt er hinterher." Schlüpfe die Maus in ein Loch, wühlt der Hund in der Erde. Was Quirin an solch einer Stelle gesät hat, wird nicht mehr wachsen. Für den Landwirt hat diese Stelle nur Kosten verursacht.

Quirin zieht eine der zertrampelten Sprösslinge aus der Erde. Schlaff hängt das zierliche Grün am Weizenkorn. Bald wird das Grün so gelb sein, wie die Flecken, die auf dem Feld zu sehen sind - nach nur drei Wochen.

Quirin redet sich bei diesem Thema schnell in Rage. Dass man Hunde auf den Wirtschaftswegen an der Leine führt, ist für ihn dann eine Frage des Charakters. "Ich komme doch auch nicht in die Werkstatt eines anderen und kacke dort hin." Oder: "Bauern stecken viel Arbeit hinein, und die Leute treten es mit Füßen."

Wege für Hundehalter kennzeichnen

Ihm kommt aber auch in den Sinn, dass die Menschen es nicht besser wissen. Dass sie ein Feld nicht als Werkstatt sehen, so wie der Landwirt. Dann fordert er Flyer und Schilder an den Feldern, die den Spaziergängern und Hundehaltern aufzeigen, wo sie ihre Hunde von der Leine lassen könnten: Auf den Wegen am Eschbach oder neben der Bahntrasse zwischen Bonames Mitte und Nieder-Eschbach oder am Gehweg des Harheimer Wegs. Auch fordert Quirin, Mülleimer am Wegesrand aufzustellen. "Vor jeder Aussaat muss ich erst säckeweise Müll vom Feld holen."

Quirin, der für die Bürger für Frankfurt (BFF) Mitglied im Ortsbeirat 14 (Harheim) ist, will einen Antrag in dem Gremium stellen. Auf einem Briefumschlag hat er einen Entwurf geschrieben. Darin fordert er, dass die Felder und Wirtschaftswege nur von Eigentümern und Pächtern betreten werden dürfen. Auch sollten die Wege für Spaziergänger und Hundehalter besser gekennzeichnet werden.

Eine Spaziergängerin geht neben seinem Feld mit ihrem Hund Scheba, ein weißer Schweizer Schäferhund, gerade spazieren - ohne Leine. Sie sagt, sie kenne die Probleme der Landwirte und achte darauf, dass ihr Hund auf dem Feldweg bleibe. Das Problem mit den Wegen, die Quirin für Hundehalter im Sinn hat, sei, dass dort Radfahrer unterwegs sind. "Das ist gefährlich für meinen Hund."

Wo sollen die Hunde also freien Auslauf bekommen können? Jüngst forderte auch der Nieder-Erlenbacher Ortsbeirat ein eingezäuntes Gelände für freilaufende Hunde in seinem Ortsbezirk, eben weil "Hunde auf landwirtschaftlich genutzten Flächen immer angeleint laufen und auf den Wegen bleiben sollten", wie es in dem Antrag hieß. Die Stadt lehnte dies ab. Sie verwies auf "ausreichend Platz für den freien Auslauf von Hunden" rund um Nieder-Erlenbach und auf die Hundeauslaufflächen. Die Grünanlagensatzung von 2001 erlaubt in Parks nur auf dafür gekennzeichneten Flächen, Hunde ohne Leine herumlaufen zu lassen. 25 solcher Hundeauslaufflächen gibt es in der Stadt. Im Frankfurter Osten ist eine im Riederwald an der Harkorkstraße und eine im Huthpark, rund sechs Kilometer entfernt von Harheim. Dennoch gebe es genug Wiesen für freilaufende Hunde, sagt auch Quirin.

Friedrich Reinhardt

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