Frisch gewählt: Friedrich Hesse geht im Neuner in seine vierte Amtszeit als Ortsvorsteher. foto: dietermann
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Frisch gewählt: Friedrich Hesse geht im Neuner in seine vierte Amtszeit als Ortsvorsteher.

Ortsbeirat 9

Der Alte ist schon wieder der Neue

  • Judith Dietermann
    vonJudith Dietermann
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Friedrich Hesse bleibt Ortsvorsteher. Grüne gehen als stärkste Fraktion leer aus.

Er hatte versucht es zu vertuschen, doch es misslang. Friedrich Hesse (CDU), alter und neuer Ortsvorsteher im Ortsbeirat 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim), nahm seinen angestammten Platz auf der Bühne ein und nach seiner knappen Wiederwahl am Donnerstagabend - mit zehn Stimmen erhielt er eine mehr als Marcel Peters (Grüne) - war ihm die Erleichterung über seinen Erfolg deutlich anzumerken. Warum? Weil der sonst eher nüchtern und abgeklärt wirkende 69-Jährige gar nicht mehr aufhören konnte zu grinsen. Er erinnerte ein wenig an einen Bub an seinem ersten Schultag, der sich unbändig auf das freut, was jetzt kommt. Dabei weiß er das eigentlich, schließlich geht der pensionierte Studienrat in seine mittlerweile vierte Amtszeit.

So groß wie Hesses Freude über seine Wiederwahl war, mindestens genauso groß war derweil die Enttäuschung im Lager der Grünen. Sie stellt nach der Kommunalwahl mit sechs Sitzen die stärkste Fraktion im Ortsbeirat und hatte sich deswegen entschieden, Marcel Peters, der dem Gremium bereits sei zehn Jahren angehört, als Ortsvorsteher vorzuschlagen. "Bei der Kommunalwahl haben wir von den Wählern im Ortsbezirk einen klaren Auftrag erhalten, mehr Verantwortung zu übernehmen", begründete die Fraktionsvorsitzende Angela Rühle diesen Schritt. Und dazu gehöre eben auch die Positionen des Ortsvorstehers und seines Stellvertreters nach der Größe der gewählten Fraktionen zu besetzen. "Die Wähler haben dazu einen eindeutigen Auftrag erteilt", so Rühle.

Im Ortsbeirat 9 hätte dies bedeutet: ein grüner Ortsvorsteher sowie sein Vertreter aus den Reihen der CDU. Doch keines der Ämter wird von einem Grünen bekleidet, denn auch bei der Wahl des Stellvertreters kassierte Marcel Peters eine Niederlage. Mit elf Stimmen wurde Rachid Rawas (SPD) in seinem Amt bestätigt, Peters erhielt acht Stimmen. Der übrigens auch bei der Wahl des Schriftführers, dieses Amt hatte er in der vergangenen Legislaturperiode inne, leer ausging. Gewählt wurde Sven-Erik Holm (FDP).

"Ich bin fassungslos", sagte Angela Rühle. Zumal es bislang im Neuner üblich gewesen sei, dass die stärkste Fraktion auch den Ortsvorsteher stellte, was die Grünen stets unterstützten.

"Wir sind fassungslos, dass diese bisher gelebte Tradition nun scheinbar nicht mehr gilt, wenn es darum geht, dass CDU und SPD Ämter an den Wahlsieger abtreten sollen", sagte der stellvertretende Fraktionssprecher Wendel Burkhardt. "Wer rechnen kann, ist klar im Vorteil", sagte derweil Manfred Höfken (SPD), der keinen Hehl daraus machte, dass er sich über die Wiederwahl des Duos Hesse und Rawas freute. Wobei jegliche Rechnerei, wer in der geheimen Abstimmung sich nun für wen ausgesprochen habe, letztlich unerheblich sei. "Hesse hat eine Stimme mehr, das ist das, was zählt", sagte er.

Nachgerechnet haben die Grünen trotzdem und kamen zu dem Schluss, dass sich die FDP wohl nicht für Marcel Peters ausgesprochen haben konnte. "Von diesem Verhalten sind wir befremdet. Die FDP hat die Wahl von Hesse und Rawas unterstützt. "Ein ,neuer Aufbruch für Frankfurt', mit dem sie im Wahlkampf für sich geworben hat, sieht anders aus", fasst Rühle zusammen.

"Ich bin enttäuscht, dass mein Angebot eine ergebnisadäquate Zusammenarbeit anzustreben, nicht angenommen wurde", sagte derweil Marcel Peters. Die Enttäuschung sei zwar groß, halte die Grünen-Fraktion aber nicht davon ab, sich auch weiterhin für eine sachorientierte und kooperative Zusammenarbeit im Ortsbeirat einzusetzen, um den Klimaschutz und eine modernere Verkehrspolitik voranzubringen. "Diese sichern letztlich die Lebensqualität in unseren Stadtteilen", sagte er.

Und Friedrich Hesse? Der saß derweil immer noch freudestrahlend an seinem Tisch auf der Bühne. Erleichtert? "Ja, ich bin schon erleichtert", sagt er.

judith dietermann

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