Ein einmaliger Anblick, der das Image der Stadt prägt: Dennoch könnte es mit dem Wachstum der Frankfurter Skyline vorerst vorbei sein. Die neue Regierungskoalition im Römer hält den Hochhausbedarf aktuell für gedeckt, bereits geplante Türme im Osten der Stadt stehen auf der Kippe. FOTO: DPA
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Ein einmaliger Anblick, der das Image der Stadt prägt: Dennoch könnte es mit dem Wachstum der Frankfurter Skyline vorerst vorbei sein. Die neue Regierungskoalition im Römer hält den Hochhausbedarf aktuell für gedeckt, bereits geplante Türme im Osten der Stadt stehen auf der Kippe.

Frankfurter Skyline

„Der Bedarf an Hochhäusern ist gedeckt“: Geplante Wolkenkratzer in Frankfurt auf der Kippe

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
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Die neue Stadtregierung will sich beim Bau neuer Wolkenkratzer in Frankfurt in Zurückhaltung üben. Bereits geplante Türme im Osten stehen jetzt auf der Kippe.

Frankfurt – Auf dem alten Deutsche-Bank-Areal wachsen bald die Türme des Four Frankfurt in bis zu 233 Meter Höhe. An der Messe hat der Tower 1 mit 185 Metern seine finale Höhe erreicht. Am Güterplatz läuft der Innenausbau der Hochhäuser Spin und Eden (128 und 98 Meter), um die Ecke herum an der Ecke Hafentunnel soll es bald mit dem 160 Meter hohen Wohnhochhaus Icoon losgehen. Ebenso in den Startlöchern steht das Projekt Veritas, der 195 Meter hohe Turm auf dem Sparkassengelände in der Neuen Mainzer Straße, entworfen vom international renommierten Frankfurter Architekten und Stadtplaner Jürgen Engel.

Diese Bauten könnten die letzten des seit 15 Jahren anhaltenden Booms beim Wolkenkratzerbau in Frankfurt sein. Die neue Römer-Mehrheit unter grüner Führung tritt auf die Bremse: "Bei der Fortschreibung des Hochhausrahmenplans wollen wir grundsätzlich mit Zurückhaltung vorgehen", heißt es im Regierungsprogramm von Grünen, SPD, FDP und Volt. Diesen Plan hat Planungsdezernent Mike Josef (SPD) wohl schon fertig, doch die Veröffentlichung wurde gestoppt.

Skyline von Frankfurt: Weitere Hochhaus-Cluster auf der Kippe

"Wir werden den Entwurf mit der neuen Koalition anschauen und noch mal überarbeiten", kündigt Josefs Büroleiterin Beate Huf an. Eile tue derzeit aber auch nicht Not. "Wir haben sehr viel Zeit, weil der Bedarf an Hochhäusern derzeit gedeckt ist."

Wie der Bedarf in Zukunft aussieht, dazu hat die neue Koalition eigene Vorstellungen. So stehen offenbar die von Josef geplanten, weiteren Hochhaus-Cluster östlich der EZB im Ostend sowie im Gutleutviertel um das Union-Investment-Hochhaus auf der Kippe. "Das müssen wir uns noch einmal genauer anschauen", sagt der grüne Stadtverordnete und Planungsexperte Bernhard Maier.

Hingegen wirbt Architekt Engel: Die Stadt habe "im Osten viel Potenzial", daher sollte sie "dieses Areal gegenüber dem seit langem dominierenden Westen aufwerten". Um den Ostbahnhof, erklärt Engel, "könnte sich ein lebendiges und durchmischtes Arbeits- und Wohnviertel weiterentwickeln". Somit sei es "klug, den Standort um die EZB mit weiteren Hochhäusern zu entwickeln".

Frankfurt: Keine Begeisterung für Wolkenkratzer mit Luxusappartements

Zusätzlich hält sich die Begeisterung der neuen Koalition für Wolkenkratzer mit Luxusappartements in Grenzen. Man wolle "einen kritischen Blick auf Wohnhochhäuser werfen", sagt Maier. Die Koalition wolle mehr geförderte Wohnungen bauen, aber "Wohnhochhäuser sind dafür nicht prädestiniert". Bloß: Entstehen neue Wohnungen aber in niedrigeren Bauten, ist mehr Grundfläche nötig. Das Gegenteil wolle die Koalition erreichen, betont Maier: "Wir müssen den Flächenverbrauch reduzieren. Wir müssen die Versiegelung ausgleichen und Fassaden und Dächer begrünen." Das will die Koalition selbst für Wolkenkratzer vorgeben, bei Neubauten ebenso wie bei Sanierungen: "Wir wollen die Frankfurter Skyline zur grünen Silhouette machen." Eine Fassadenbegrünung erhält aktuell der Wohnturm Eden mit vertikal angebrachten Pflanzen. Die Wohnungspreise hier schlagen pro Quadratmeter mit 10 000 bis 15 000 Euro zu Buche.

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Beate Huf, Büroleiterin im Planungsdezernat, mahnt: "Man muss schauen, was bringt etwas." Begrünte Hochhausfassaden bedeuteten "hohe Kosten und viel Aufwand". Sie wirkten aber allenfalls aufs Mikroklima in der Nachbarschaft positiv, jedoch nicht für den Klimaschutz.

Um den CO2-Fußabdruck eines Gebäudes zu verbessern, gebe es effektivere Lösungen wie das Nutzen von Geothermie, sagt Huf. Engels Westend-Duo nutzt dies bereits, ebenso das Palais-Quartier samt Nextower, Jumeirah-Hochhaus und Einkaufszentrum MyZeil. Der Commerzbank-Tower, Deutschlands erstes Öko-Hochhaus, kommt dank klugem Belüftungskonzept fast ohne Klimaanlage aus - bereits seit 24 Jahren.

Architekt lehnt Abkehr vom Wolkenkratzer in Frankfurt ab

Die Fassadenbegrünung von Wolkenkratzern sieht auch Architekt Engel kritisch, vor allem aus technischen Gründen. "Besonders die Vorgaben der Hochhausrichtlinien, des Brandschutzes und starke Wind- und Sogbelastungen stellen uns vor Herausforderungen." Besser seien begrünte Balkone und Terrassen an Hochhäusern. Auch Dachflächen niedrigerer Bauten, Atrien und Innenhöfe könnten einfach begrünt werden. Das biete "viel Potenzial für Haus- und Stadtbewohner sowie das gesamte Stadtklima".

Eine Abkehr vom Wolkenkratzer in Frankfurt aber lehnt der Architekt ab. "Um eine Nachverdichtung der Stadt auf vergleichsweise wenig Raum zu ermöglichen, bin ich ein Befürworter von Hochhäusern." Nicht vergessen dürfe man, wie wichtig die Wolkenkratzer fürs Image der Stadt seien, mahnt Engel. "Das Stadtbild wird von seinen Hochhäusern geprägt und besitzt einen einmaligen und unterstützungswürdigen Wiedererkennungswert." (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

In vielen Wolkenkratzern in Frankfurt sind teure Wohnungen nicht vermietet – auch wegen Corona. Mehrere Luxus-Projekte wurden deshalb gestoppt und geändert.

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