Christian Meisel kennt sich aus mit kolumbianischen Kaffeesorten, die im neuen Café verkauft und zubereitet werden.
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Christian Meisel kennt sich aus mit kolumbianischen Kaffeesorten, die im neuen Café verkauft und zubereitet werden.

Neues Café mit Galerie in Frankfurt

Der beste Kaffee stammt aus Kolumbien

  • vonStefanie Wehr
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Das neue Café Or' Doñez in Frankfurt-Sachsenhausen bietet Köstlichkeiten rund um Kaffee, Kakao und Zucker. Die Familie Or'Doñez unterstützt Farmen und Kooperativen in ihrem Heimatland Kolumbien.

Reisen ist ja momentan nicht möglich - wohl aber der Genuss von Köstlichkeiten aus der Ferne. Im neu eröffneten Café Or' Doñez in der Tiroler Straße 46 können Gäste seltenen, hochqualitativen Kaffee, Espresso oder Cappuccino - wegen Corona zurzeit nur zum Mitnehmen - genießen und, während sie auf das Getränk warten, in einem der vielen Fotobücher über Kolumbien schmökern. Gerne erzählt auch die Inhaberin Constanza Or' Doñez von ihrem Heimatland, von den Kaffee-Farmen und den grünen Bergen der Anden in der Provinz Huila, wo sie aufgewachsen ist.

Bis vergangenen Herbst war das im Stil einer Finca dekorierte Café in dem Flachbau ein Büro. Dort organisierte die Kolumbianerin, die seit 30 Jahren in Sachsenhausen zu Hause ist, Messe-Auftritte. Auf mehr als 20 europäischen Messen im Jahr war sie mit Kaffee und Modeschmuck, angelehnt an historischen Goldschmuck, aus Kolumbien vertreten. Doch wegen Corona finden seit einem Jahr keine Messen mehr statt. "Wir haben uns deshalb etwas Neues überlegt", erklärt die Kolumbianerin. "Wir wollen unser Land und seine Schätze den Menschen hier vor Ort näherbringen." So wurde das Büro zu einem ansprechenden Café umgebaut, das zugleich Galerie für Schmuck und Kunsthandwerk sowie Kaffeerösterei ist. Die unterschiedlichen Kaffeesorten werden frisch gemahlen oder in ganzen Bohnen verkauft. Demnächst soll die Kakao- und Schokoladensparte erweitert werden, mit Trinkschokolade und anderen Erzeugnissen aus Kakao. Hinter dem Projekt steckt die ganze deutsch-kolumbianische Familie: "Das Geschäft übernehmen meine Kinder, ich werde mich bald in den Ruhestand zurückziehen", sagt Constanza Or' Doñez. Sohn Christian Ordoñez-Meisel und Tochter Anna Elizabeth, die den deutschen Nachnamen des Vaters tragen, sind schon fleißig dabei: Sohn Christian (27) studiert in Frankfurt Sozialwissenschaften, hat das Kaffeerösten gelernt und leitet das Café, Tochter Anna Elizabeth vertreibt von München aus Panela, den in Kolumbien allgegenwärtigen Bio-Vollrohrzucker. "Der braune, unraffinierte Zucker enthält alle gesunden Inhaltsstoffe", erklärt Constanza Or' Doñez, "er wird in Kolumbien als Medizin mit heißer Zitrone getrunken." Der naturbelassene Zucker wird im Café zum Beispiel zu Limonade und Keksen verarbeitet, ein Büchlein mit Rezepten gibt es auch zu kaufen. Die hauseigene Panela-Marke heißt Guatavita de Colombia - nach dem heiligen See aus der Eldorado-Legende.

Das Herz der Familie schlägt aber für den Kaffee. Die Röstmaschine steht mitten im Geschäft. Der Raum ist wie ein Museum eingerichtet: Dort liegen Kaffeesäcke, eine antike Waage hängt von der Decke. Christian Meisel hat sich in die Materie hineingefuchst und kennt sich aus mit der traditionellen Trocknung und Verarbeitung der Kaffeebohnen. "Mein Favorit sind die Single Estate Kaffees wie der Bourbon Rosado oder der Natural 200h, der nach Apfelguave, Pflaume und feinem Kakaolikör schmeckt", erklärt der Sachsenhäuser.

Die Hausmarke heißt Supremo Excelso, er wird aus dem Bergort Garzon geliefert, mit samtigem Körper und "Aromen von getrockneten Früchten, Schokolade und Panela", wie das Label verrät. "Diesen Kaffee lieben die Italiener, in Mailand wird er uns aus den Händen gerissen", erzählt Constanza Or' Doñez. Der Kaffee stammt von kleineren Farmen, der Kakao wird von Kooperativen geerntet und verarbeitet. Die Geschwister Meisel haben es sich zur Aufgabe gemacht, fairen Handel zu fördern und sich in der Entwicklungszusammenarbeit im Land ihrer Vorfahren einzubringen. Das vom bewaffneten Konflikt und Koka-Anbau der Guerilla zerrüttete Land fördert die Kooperativen und damit die Resozialisierung der einstigen Kämpfer.

All dies ist bei einem Kaffee, Keksen oder Kuchen in der Tiroler Straße zu erfahren. Geplant ist auch eine Außenterrasse für den Sommer. Geöffnet ist montags bis freitags 11 bis 17 Uhr, samstags 14 bis 18 Uhr.

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