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Spurensuche: Diethard Fries zeigt Elias und seinen Eltern am Eschbach, wo der Biber einen Stamm umgenagt hat.

Naturschutz

Der Biber darf sich in Frankfurt wieder durchs Gehölz beißen

  • vonSabine Schramek
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Der putzige Kerl hat ganz schön Power: Ein Biber hat jetzt im Eschbach in Harheim einen Damm gebaut. Erstaunlich, denn die Nagern waren es hierzulande lange nicht so gut gelitten.

Frankfurt. Lange waren die baumfällenden Nager in Frankfurt ausgerottet. Seit 2017 kehren sie wieder zurück, nachdem sie im Spessart angesiedelt wurden. Nun hat ein Biber zum ersten Mal den Eschbach als Heimat ausgewählt und einen Damm gebaut.

Diethard Fries ist ganz aufgeregt, als er über Stock und Stein ans Ufer des naturbelassenen Eschbachs tritt. "Ein Nachbar hat mich angerufen, dass hier jetzt ein Biber wohnt", sagt der Stadtbezirksvorsteher strahlend und sucht nach der richtigen Stelle. Es knackt und knirscht, als er auf Brombeerzweige auf dem Boden tritt. Kurz darauf ist er sich sicher. "Der Mann hat Recht. Hier ist ein Biberdamm".

Quer über den schlängeligen Eschbach ist ein Staudamm gebaut aus Baumstämmen und Ästen. In der Mitte fehlt ein Stück, das die Strömung durch Regen ein Stück weit flussabwärts getrieben hat. "Der muss noch üben, es ist wohl ein junger Biber", vermutet der Tierliebhaber. Nagen kann der "Castor fiber" - so der lateinische Name - aber offensichtlich gut. Direkt am Ufer liegen Baumstämme mit den typischen Bissstellen. Von einem jungen Ahorn ist nur noch ein spitz genagter Stumpf zu sehen, der an der Seite wieder austreibt. Der Stamm liegt quer im Wasser.

Bisher waren der Umweltbehörde sechs Biberreviere bekannt. Das erste wurde am Niddaufer zwischen dem Alten Flugplatz und dem Nordpark entdeckt. Auch im Berkersheimer Bogen wurde in der Nidda schon ein Biber-Staudamm gesichtet. Danach eroberten die Nager den Fechenheimer Bogen, einen Praunheimer Nidda-Altarm und eine Stelle am Kollmann-Weiher in Sossenheim. Am Main sieht man sie mitunter vom Osthafen zur Maininsel paddeln. "Im Eschbach habe ich noch nie Biberbauten gesehen", so Fries. "In der Nidda hatten wir einen in der Nähe des Storchenhorstes, aber der ist lange nicht mehr aktiv." Der Biber selbst lässt sich nicht blicken.

Eleganter Schwimmer

Das größte Nagetier Deutschlands ist dämmerungs- und nachtaktiv. Es verlässt seinen Wohnkessel tagsüber nicht. Der Eingang zum Biberbau liegt unter Wasser in einem Erdloch, um Feinde der eleganten Schwimmer fernzuhalten. Darüber ist es warm und trocken. Dort schlafen sie tagsüber, suchen ihr Futter erst abends. Den typischen Staudamm bauen sie, damit ihr Eingang unter Wasser bleibt. Im Unterschied zu Nutrias fällen sie Bäume und stauen so die ruhigen Fließgewässer. Optisch unterscheiden sie sich von diesen nur durch ihre breiten Schwimmschwänze.

Während Fries nach weiteren Spuren von abgenagten Baumstämmen sucht, arbeitet sich eine junge Familie durch das Uferholz. Ihr Sohn Elias (5) hatte etwas knacken gehört und wollte nachsehen, was zwischen Streuobstwiesen und Kleingärten am Bach los ist. Elias hat noch nie einen Biberdamm gesehen und staunt. Dass ein Stück in der Mitte des Eschbachs ein Stück weitergetrieben ist, erklärt ihm Fries lächelnd mit der Vermutung, dass "der Biber wohl noch jung sei und noch üben müsse. So, wie Du." Der aufgeweckte Junge kann es kaum fassen, wie sich der Nager durch die jungen Stämme gebissen hat. Seine Eltern erzählen ihm von einer Werbung aus den 90er Jahren. "Biber haben so scharfe Zähne, dass sie sogar auf Kinderzahnpasta aufgedruckt waren." Elias kennt die Werbung nicht mehr. "Dann könnt ihr das ja bestimmt auch", ruft er keck und versucht, seine Eltern davon zu überzeugen, ihm an einem dicken Ast zu zeigen, wie der Biber die breiten Nagespuren gemacht hat. Sie passen lachend und Elias will es auch nicht ausprobieren.

Die Bissspuren im Holz, die er entdeckt hat, sind zweimal fünf Zentimeter breit. "Er muss gestört worden sein", vermutet Fries, weil der Ast nicht durchgenagt ist. "Vielleicht kommt er später wieder, um weiter zu bauen", erklärt er dem Jungen. Das will Elias sehen. "Gleich nach der Pizza machen wir eine Nachtwanderung mit Taschenlampen", schlägt er seinen Eltern vor. Auch sie haben noch nie einen Biber in freier Natur gesehen und stimmen sofort zu. Den Bau finden sie nicht. Er ist zu versteckt. "Heute Abend, wenn der Biber ausgeschlafen ist, können wir auch seine Wohnung finden. Dann sehen wir ja, wo er rauskommt", ist er sich sicher. Auch Fries will die Stelle öfter besuchen, um zu sehen, ob der Neubewohner am Eschbach seinen Damm wieder flickt und hier wohnen bleibt.

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