1981 zog die Kultur in die ehemalige Brotfabrik ein. Erst mit dem Markt- und Kulturzentrum, seit 1997 dann mit der "Brotfabrik Hausen", die heute eine sehr beliebte Institution im Stadtteil ist.
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1981 zog die Kultur in die ehemalige Brotfabrik ein. Erst mit dem Markt- und Kulturzentrum, seit 1997 dann mit der "Brotfabrik Hausen", die heute eine sehr beliebte Institution im Stadtteil ist.

Investor will Wohnungen bauen

Tradition seit 1888: Brotfabrik in Frankfurt droht der Verkauf

  • Judith Dietermann
    VonJudith Dietermann
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Ein Investor will Wohnungen auf dem Gelände der Brotfabrik in der Bachmannstraße in Frankfurt bauen.

Frankfurt – "Es war für uns wie ein Schlag ins Gesicht", sagt Antje te Brake. Ende vergangenen Jahres hat die Geschäftsführerin des "Kulturprojektes 21" in der Brotfabrik und Vorstandsmitglied des Trägervereins "Brotfabrik Hausen" erfahren, dass die Eigentümerin das soziokulturelle Zentrum in der Bachmannstraße in Frankfurt verkaufen möchte. An einen Investor. Mit dem langfristigen Plan, den Backsteinbau abzureißen und auf dem 1500 Quadratmeter großen Areal Wohnungen zu bauen.

Das geht aus einem Schreiben hervor, in dem der Verein über "die bereits fortgeschrittenen Verhandlungen" informiert wurde. "Man rechnet derzeit ja mit viel, aber damit nicht. Das war das Tröpfchen, was nach fast zwei harten Jahren noch gefehlt hat", sagt te Brake.

Brotfabrik in Frankfurt: Bunte Mischung hinter Backstein

Es ist eine bunte Mischung, die den historischen Backsteinbau seit rund 30 Jahren mit kulturellem Leben füllt. Neben dem Kulturprojekt, das Konzerte, Lesungen, Vorträge und Filmvorführungen anbietet, gibt es unter anderem ein Restaurant, eine Studenten-WG, eine Physiotherapie-Praxis, einen Rechtsanwalt und einen Steuerberater. Es sind Existenzen, die von solch einer Entscheidung abhängen. "Für den einen mehr, für die anderen weniger", sagt te Brake.

Wie die des Frankfurter Autorentheaters, das seit 2007 auf dem Gelände zu Hause ist. "Wir sind geschockt über diese Nachricht", sagt Adrian Scherschel. Weil man nicht wisse, wie es weitergeht. Zwar gebe es einen Mietvertrag, der bis Ende 2025 läuft und eine Option für weitere zehn Jahre beinhaltet. Darauf verlassen wolle man sich aber nicht. "Wir werden uns wehren", sagt er.

Frankfurt: „Die Brotfabrik ist ein Aushängeschild für den Stadtteil“

Wie der Trägerverein. "Wir können nicht zulassen, dass dieses Projekt, das für den Stadtteil so wichtig ist, verschwindet", sagt Antje te Brake. Die erste Überlegung, dass der Trägerverein die Brotfabrik kauft, habe sich nicht realisieren lassen. Und auch die Idee, den Mietvertrag vorzeitig zu beenden, sei keine Option gewesen. Stattdessen hoffe man nun auf die Unterstützung der Stadt. "Vielleicht ist es möglich, dass sie ein Vorkaufsrecht erhält und die Brotfabrik in ihrer jetzigen Form erhalten bleiben kann. Das ist unser großer Wunsch", sagt te Brake, die sich deshalb auch bereits an den Ortsbeirat 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen) gewandt hat.

"Die Brotfabrik ist ein Aushängeschild für den Stadtteil und weit darüber hinaus bekannt. Wir können diese Pläne nicht zulassen", sagt Michaela Will (SPD), die für die nächste Sitzung des Stadtteilgremiums bereits einen Antrag formuliert hat, der in einem Nebensatz verrät, was in Hausen geplant ist. Und zugleich den Magistrat auffordert, mit einer Ideenwerkstatt den alten Hausener Ortskern zu schützen. Denn der Verkauf der Brotfabrik wäre nur eines von mehreren Puzzleteilchen, die dazu beitragen, dass sich das Gesicht des beschaulichen Stadtteils völlig ändern könnte.

Brotfabrik in Frankfurt: Vom Brot über Teppiche bis zur Kultur

Erst jüngst schloss der Hausener Dorfkrug in Frankfurt, im März wird die Sparkassen-Filiale dichtgemacht, und auch die Zukunft des Rewe-Supermarktes ist unsicher. "Unsere Möglichkeiten als Ortsbeirat sind zwar begrenzt, vor allem wenn es um Privatgrundstücke wie das der Brotfabrik geht. Wir sollten aber trotzdem alles dafür tun, um den Ortskern zu schützen", fügt sie hinzu und hofft deshalb auf die Unterstützung der anderen Fraktionen.

Dass aus ihrer Brotfabrik einmal solch ein wichtiger kultureller Mittelpunkt wird, damit hätten Louis Lautz und Louis Hoffmann, die diese 1888 gründeten, wohl nicht gerechnet. Schließlich wollten sie nur Brote backen. Was dann auch tatsächlich dort geschah - bis zum 15. April 1972, als das letzte süße Stückchen produziert und die Firma geschlossen wurde. Aus der Idee Teppiche zu lagern statt Brot zu backen wurde nichts, 1981 zog die Kultur ein, erst mit dem Markt- und Kulturzentrum, seit 1997 dann mit der "Brotfabrik Hausen", die heute eine Institution im Stadtteil ist. "Und es auch bleiben sollte", wie Michaela Will betont. (Judith Dietermann)

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