Im Februar schließen sich die Schranken für immer: der Bahnübergang an der S-Bahnstation Berkersheim. FOTO: Leonhard Hamerski
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Im Februar schließen sich die Schranken für immer: der Bahnübergang an der S-Bahnstation Berkersheim.

S-Bahn-Ausbau in Frankfurt

Sieben Jahre Streit um Brücke: Übergang bald für immer gesperrt

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Streit in den benachbarten Ortsbeiräten und Zögern des Dezernats bremsen die Planungen für Berkersheim und Harheim. Bald ist der Übergang in Frankfurt dicht.

Frankfurt ‒ Seit sieben Jahren ist klar: Soll Berkersheim durch den viergleisigen Ausbau der S6 nicht vom Niddatal abgeschnitten werden, braucht es eine Brücke. Ab Februar 2022 soll der Bahnübergang gesperrt werden. Für immer. Eine Brücke, die Berkersheim mit seinem grünen Wohnzimmer verbindet, Harheim mit der Stadt Frankfurt und Landwirte mit ihren Feldern, ist aber noch in weiter Ferne. Wie konnte es so weit kommen? Ein Blick zurück auf sieben Jahre Brücken-Streit.

2014: Planung für S6-Ausbau in Frankfurt sieht einen Tunnel vor

Ursprünglich hätte es nie eine Brücke über die Bahnschienen geben sollen. Im Planfestellungsbeschluss des S6-Ausbaus war eine Tunnellösung vorgesehen. Wegen des Bahnverkehrs wären die Schranken auf der Berkersheimer Bahnstraße nur eine Minute pro Stunde geöffnet, daher sollte der Verkehr durch einen Tunnel unter den Gleisen führen.

Am 11. November 2014 wird im Verkehrsausschuss aber bekannt: Tunnel funktioniert nicht. Das Grundwasser sprudelte bei den Arbeiten wie aus einer Quelle. Eine wasserdichte Unterführung würde statt 22 Millionen nun 30 Millionen Euro kosten. Und: Der Bund würde nicht mehr ein Drittel der Kosten übernehmen, weil es günstigere Alternativen gibt. Die Stadtverordneten stimmten gegen den Tunnel und die Suche nach einer Brückenlösung beginnt.

2015: Die Deutsche Bahn (DB) prüft mehrere Varianten für Brücke über S6

Anfang des Jahres 2015 prüft die Deutsche Bahn drei Varianten, wie eine Brücke über die Bahnschienen führen könnten. „Omega-links“, „Omega-rechts“ und „gerade aus“, sind die Möglichkeiten. „Omega“ bedeutet, dass die Brücke in einem Bogen über die Gleise führt. Rund 8 Millionen Euro würde die Brücke kosten.

Als die Varianten im Ortsbeirat 14 (Harheim) vorgestellt werden, äußern Bürger Kritikpunkte, die in den kommenden Jahren immer wieder angeführt werden: Die „Monsterbrücke“ verschandle die Landschaft und locke Pendlerverkehr nach Harheim und Berkersheim. Der damalige Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) versucht sie den Harheimern schmackhaft zu machen. Mit einer Brücke könne die Buslinie 25 bis Berkersheim Mitte geführt werden, gar bis zur U-Bahnstation „Preungesheim“.

Im Ortsbeirat 10 (Berkersheim, Bonames, Eckenheim, Frankfurter Berg, Preungesheim) scheint die Sache einfacher. Schon im März hatte das Gremium gefordert, die Stadt solle „einen weitgehend akzeptablen Ersatz für den bisherigen schienengleichen Übergang in Berkersheim“ sorgen - „beispielsweise durch den Bau einer kaum störenden und an das Landschaftsbild angepassten Brücke“.

2016: Brückenstreit in Frankfurt-Berkersheim wird zur Ausrede für späte Planung

Im Jahr 2016 übernimmt Klaus Oesterling (SPD) das Verkehrsdezernat und auf Ortsbeiratsebene beginnt der Streit, auf den Oesterling immer wieder verweisen wird, um den späten Planungbeginn zu erklären. In der Februarsitzung des Ortsbeirats 10 warnt die SPD im vor Verkehrschaos durch die Brücke. Sie werde im Landschaftsschutzgebiet das Ortsbild verschandeln und einen immensen Schleichverkehr mit sich bringen. Daher solle die Bahnüberführung „Im Wiesengarten“ so ausgebaut werden, dass sie Landwirte nutzen können. Dabei hatten schon 2008 Landwirte angemerkt, dass der Weg über Herrenhof und Wiesengarten zur Überführung zu eng sei.

Für die Brücke sprechen sich im Ortsbeirat 10 zunächst CDU und Grüne dafür aus, mit Pollern oder Schranken den Schleichverkehr fernhalten. Im Dezember schlägt die Stimmung aber um. CDU, SPD, Linke und BFF fordern eine Brücke, die an einem Feldweg endet, so hätten Pendler keine Chance. Gegen die Kritik von Grünen und FDP - die Brücke würde noch immer die Landschaft verschandeln, aber der 25er-Bus könne dann nicht verlängert werden - nahm der Ortsbeirat den Antrag an. Im Harheimer Ortsbeirat war man davon wenig begeistert.

2017: Die Deutsche Bahn beginnt mit dem Ausbau der S-Bahn-Linie S6

Der S6-Ausbau beginnt.

2018: Über die Gleise der S6 in Frankfurt-Berkersheim soll eine Omega-Brücke führen

Es dauerte bis zum Oktober 2018 bis sich die Ortsvorsteher des 10ers, Robert Lange (CDU) und des 14ers, Frank Immel (CDU) auf einen Kompromiss einigen. Es soll die Variante „Omega-rechts“ entstehen. Die einspurige Rampen zweigen von der Berkersheimer Bahnstraße nach Osten ab, die Brücke führt in einem 180-Grad-Bogen über die Gleise.

Ampeln sollen regeln, dass Autos stets nur in einer Richtung fahren dürfen. „Längst ist klar, dass der Übergang geschlossen wird und wir anschließend mehrere Jahre ohne Querung auskommen müssen“, sagt Immel dieser Zeitung.

2019: Prüfung einer Landwirtschaftsbrücke wird beantragt - ohne Ergebnis

Im Februar 2019 stimmen die beiden Ortsbeiräte offiziell dem Vorschlag von Lange und Immel zu. Der 10er fordert zudem auf SPD Antrag, dass, die Ergebnisse aus der Prüfung einer Landwirtschaftsbrücke vorgestellt werden. Die Antwort steht bis heute noch aus.

2020: Viergleisiger Ausbau der S6 läuft ‒ Omega-Brücke für Berkersheim wird geplant

Im Oktober 2020 teilt das Amt für Straßenbau und Erschließung (ASE) mit, dass die Vorplanungen für die Omega-Brücke liefen. Danach könnten Ingenieurleistungen ausgeschrieben werden, um die eigentliche Planung in Angriff zu nehmen. Umweltuntersuchungen, artenschutzrechtliche Gutachten und Grunderwerb. „Die Planung werde rund zwei Jahre dauern, da wir zum Teil auch an vorgegebene Fristen gebunden sind.“

Im Oktober heißt es, die Vorplanungen seien abgeschlossen. Der Magistrat müsse sie noch bearbeiten, bevor sie den Stadtverordneten zum Beschluss vorgelegt werden kann. Der Unmut in Berkersheim und Harheim wächst.

2021: Weitere Änderungswünsche ‒ Die Planung für die Omega-Brücke zieht sich

Im Dezember des Kommunalwahljahres 2021 heißt es vom ASE noch immer: „Aktuell befindet sich der neue Vorplanungsbeschluss im Geschäftsgang des Magistrates.“ Was war innerhalb eines Jahres passiert? Wolfgang Siefert (Grüne), Büroleiter des seit September amtierenden Verkehrsdezernenten Stefan Majer (Grüne), erklärt: Es mussten noch Änderungswünsche der Koordinierungsstelle Verkehr eingearbeitet werden. Außerdem: Es folgten weitere erforderliche Abstimmungen mit Stadtkämmerei und Revisionsamt.

Im Juni seien die Abstimmungen aber abgeschlossen worden. „Das alte Dezernat unter Verkehrsdezernent Oesterling hat es aber nicht mehr bearbeitet“, sagt Siefert. Ab September übernahmen Majer und Siefert. „Wir mussten uns auch erst einarbeiten.“ Ab November liefen weitere Abstimmungen zwischen den Ämtern.

2022: Noch immer keine Brücke in Sicht

Vielleicht noch im Januar, spätestens im Februar solle die Vorplanung der Stadtverordnetenversammlung vorgelegt werden, stellt Siefert in Aussicht. Dann kann die eigentliche, zwei-jährige Planung beginnen. Bis es mit den Bauarbeiten los geht, wird es also noch eine ganze Weile dauern. (Friedrich Reinhardt)

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