Anders als sonst: In der Silvesternacht wurden in Frankfurt nur wenig Raketen und Böller gezündet. Dennoch war ein kleines Feuerwerk zu sehen, dass sich Menschen vom Lohrberg aus ansahen.
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Anders als sonst: In der Silvesternacht wurden in Frankfurt nur wenig Raketen und Böller gezündet. Dennoch war ein kleines Feuerwerk zu sehen, dass sich Menschen vom Lohrberg aus ansahen.

Willkommen 2021

Der etwas andere Jahreswechsel

In der Silvesternacht war die Frankfurter Innenstadt fast menschenleer. Die Polizei aber war präsent. Ein Rundgang.

"Die Mitternacht zog näher schon; In stiller Ruh' lag Babylon." So beginnt Heinrich Heine seinen "Belsazar", und man muss sagen, dass sich Frankfurt in dieser Silvesternacht offensichtlich Babylon als Vorbild genommen hat.

Kurz nach 23 Uhr gewinnt man jedenfalls den Eindruck, als sei man nicht in der Frankfurter Innenstadt, sondern aus Versehen in einer Dystopie gelandet. Niemals zuvor hat man die City so menschenleer gesehen. An der Konstablerwache warten ein paar traurige Dealer vergebens auf Laufkundschaft und wünschten sich wohl, sie hätten ihr Portfolio um Böller und Raketen erweitert. Andererseits ist es vielleicht gut, dass sie das nicht haben, denn immerhin haben sich einige Polizisten auf der Konstabler postiert und überwachen mit Argusaugen die strikte Einhaltung des Knallkörperverbots.

Auf dem Opernplatz, einst ein beliebter Treffpunkt der "Party- und Eventszene", beträgt das Verhältnis von Staatsbürgern mit zu Staatsbürgern ohne Uniform etwa fünf zu eins. Ein paar Flaneure machen Fotos vom erleuchteten Brunnen vor menschenleerem Platz - ein einmaliges Motiv, für das man sich in normalen Zeiten wohl wochenlang auf die Lauer legen müsste.

Auch auf dem Römerberg ist Bertl, der Weihnachtsbaum, der einzige, der ein bisschen Feuerwerk macht. Die Polizei ist ebenfalls vor Ort, aus einem Mannschaftswagen ertönt die Lautsprecherdurchsage: "Das Virus ist unter uns!", was natürlich bedrohlich klingt, aber auch ein wenig poetisch. Fast erwartet man, dass noch ein "Wehe uns! Bewahrt das Feuer und das Licht!" folgt. Tut es aber nicht.

Holbeinsteg und Eiserner Steg sind in dieser Nacht gesperrt, aber auf der Alten Brücke haben sich ein paar Schaulustige postiert. Sie wahren ausreichend Sicherheitsabstand, tragen größtenteils Masken und glotzen Richtung Innenstadt. Was sie da zu sehen hoffen, ist fragwürdig, vielleicht handelt es sich aber auch bloß um Liebhaber von Wolkenkratzern im Nieselregen. Feuerwerk jedenfalls ist, wenn überhaupt, woanders. Gegen Mitternacht zünden, explodieren zwar doch ein paar Böller, und vor allem am Deutschherrnufer brennen ein paar Renegaten etliche Pyro-Batterien ab, aber alles kein Vergleich zu sonst, und nach einer knappen Viertelstunde ist auch dieser Spuk vorbei. In den vergangenen Jahren war hier eher Kriegsgebiet als Partyzone, aber dieser Jahreswechsel bietet ein ungewohntes Bild der Harmonie. Kurz nach Mitternacht wünscht die Besatzung eines Streifenwagens per Lautsprecher allen Anwesenden ein "frohes, glückliches und vor allem Corona-freies 2021" und erntet dafür Szenenapplaus statt Flaschenwürfe. Fast könnte man sich an diese Art Silvester gewöhnen.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Gegen 21.30 Uhr kommt es bei einer Personenkontrolle zu einem Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Ab 23 Uhr werden mehrere Mülltonnenbrände im gesamten Stadtgebiet gemeldet. Um kurz vor 1 Uhr wird der Verdacht eines Sexualdelikts im Bereich der Hauptwache gemeldet, es erfolgen zwei vorläufige Festnahmen. Nach Mitternacht wurden vermehrt Verstöße gegen das Abbrennverbot von Pyrotechnik festgestellt. Insgesamt wurden Verstöße gegen die Corona-Regeln im mittleren zweistelligen Bereich geahndet. Im Verlauf der Nacht kam es zu insgesamt zehn Festnahmen, unter anderem wegen Verdachts von Drogenhandel, Nötigung sowie des Verstoßes gegen das Waffengesetz.

Die Feuerwehr bilanziert bis Mitternacht neun Löscheinsätze (2019: 27 Einsätze) und 45 Einsätze des Rettungsdienstes (2019: 53 Einsätze). Nach Mitternacht wurden 22 Einsätze der Feuerwehr (2019: 120 Einsätze) und 61 Einsätze des Rettungsdienstes (2019: 190 Einsätze) gezählt.

Also: Alles kein Vergleich zu den Vorjahren, und am Ende nimmt diese Silvesternacht dann doch ein versöhnliches Ende und niemand kommt ernsthaft zu Schaden. Und das ist mehr, als man von "Belsazar" behaupten kann.

Auf der Freßgass' herrscht kurz vor dem Jahreswechsel gespenstische Stille und Leere. Nur vereinzelt kommen Spaziergänger vorbei.
Auf dem Römerberg, aber auch am Eisernen Steg und an der Konsti waren statt feiernder Menschen eigentlich nur Polizisten unterwegs.

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