Sven Junghans (47), ursprünglich an der sächsischen Elbe zu Hause, ist seit 2015 der Kapitän der Höchster Fähre "Walter Kolb". Er ist in siebter Generation Schiffer. Im vergangenen Jahr startete er eine Spenden-Aktion zur Rettung der Fähre.
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Sven Junghans (47), ursprünglich an der sächsischen Elbe zu Hause, ist seit 2015 der Kapitän der Höchster Fähre "Walter Kolb". Er ist in siebter Generation Schiffer. Im vergangenen Jahr startete er eine Spenden-Aktion zur Rettung der Fähre.

Mainfähre

Der Fährmann will im Römer mit ans Steuer

  • Holger Vonhof
    vonHolger Vonhof
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Sven Junghans, der Pächter der "Walter Kolb", will mehr "für kleine Unternehmer" tun. Politiker will er aber nicht werden.

Frankfurt. "Ich bin kein Politiker, und ich will auch keiner werden", sagt Sven Junghans (47). Trotzdem kandidiert der Käpt'n der Höchster Fähre bei der Kommunalwahl im März für ein Mandat: Er möchte in die Stadtverordnetenversammlung einziehen, das oberste Beschluss- und Entscheidungsorgan der Stadt Frankfurt. 93 Frauen und Männer entscheiden dort über die Geschicke Frankfurts, und Sven Junghans möchte einer von ihnen sein. Allerdings nicht etwa, weil ihm die Arbeit auf der Fähre zu langweilig wäre: "Ich möchte den Leuten etwas zurückgeben", sagt Junghans.

"Den Leuten etwas zurückgeben"

Die Idee reifte in ihm, als er im vergangenen Herbst mit seiner Fähre selbst in Not geriet und über eine Crowdfunding-Plattform im Internet um Spenden bat: Der Zuspruch war so groß, wie Junghans nie damit gerechnet hätte. Nach Abzug der Gebühren für die Nutzung der Internet-Plattform konnte er rund 22 000 Euro für den Erhalt der Fähre verbuchen. Die "Walter Kolb" gehört zwar der Stadt, aber er ist der Pächter und trägt das unternehmerische Risiko. Wegen der Corona-Ausfälle - Junghans konnte zeitweise nur mit viel weniger Fahrgästen übersetzen, und seine Feierabend-Touren, zweites Standbein des Betriebs, mussten zum Teil ausfallen - brachen die Einnahmen weg. Mit den Spenden war der Fährbetrieb gerettet.

Weil so viele Menschen ihm halfen, möchte er nun seinerseits anderen helfen - so umschreibt Junghans die Idee hinter seiner Kandidatur. Und ein bisschen Trotz ist auch dabei: Als er sich bei den entsprechenden Stellen nach den Modalitäten erkundigte, habe es nur geheißen: "Das schaffen Sie eh nicht!" Einem echten Schiffer macht Gegenwind nichts aus: "Ich fand das undemokratisch, und da dachte ich mir: Jetzt erst recht", erzählt Junghans. Weil er keiner Partei angehört, aber als einzelner Kandidat nicht antreten durfte, gründete er mit drei Mitstreitern eine Liste. Um zur Wahl zugelassen zu werden, so wurde ihm anfänglich beschieden, brauche er 183 Unterschriften von Wählern. Die Unterschriftenlisten legte er auf der Fähre aus. "Ich hatte ganz schnell mehr als 200 zusammen", berichtet er. Bei der Abgabe der Unterschriften habe er dann erfahren, dass wegen der Corona-bedingten Einschränkungen 93 Unterschriften gereicht hätten - egal: Seine Liste, deren einziger Kandidat er ist, hat jetzt die Nummer 21 und steht auf dem Wahlzettel ganz unten zwischen vielen anderen "Exoten", wie die Vertreter der etablierten Parteien gerne sagen.

Drei Punkte sind ihm wichtig

Drei Punkte sind es, die sein Wahlprogramm ausmachen: Er will verhindern, dass die Frankfurter Innenstadt komplett autofrei wird - "Dann kommt keiner mehr in die Geschäfte!" -; er möchte, dass die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zumindest im Innenstadtbereich kostenfrei wird; und nicht zuletzt will er sich dafür einsetzen, das Mainufer mit Gastronomie zu beleben: "Es kann nicht sein, dass das Bembelboot seinen Liegeplatz in Offenbach hat!"

Sven Junghans sieht sich weder links noch rechts; er möchte nicht parteiideologisch, sondern sachlich orientiert abstimmen. Und weil er als Fährmann selbst kleiner Unternehmer ist, nimmt er für sich in Anspruch, die Sorgen zu kennen, die speziell den Gewerbetreibenden, aber auch allen Bürgern das Leben schwer machen.

Sven Junghans, an der Elbe aufgewachsen, aber längst am Main heimisch geworden, will nicht darauf warten, was der Fluss der Zeit so mit sich bringt - er will aktiv werden, will mitgestalten: "Ich bin ein unruhiger Mensch, ich muss immer etwas bewegen." Seinen Wahlkampf will er ausschließlich über Soziale Medien wie Facebook führen, wo er gut vernetzt ist; von der Plakatiererei in den Stadtteilen hält er nichts - und will auch nicht aktiv auf der Fähre Flugblätter verteilen. "Klar identifizieren mich die Leute mit der Fähre. Aber ich möchte das nicht vermischen." Der Fähre bliebe er erhalten - das Stadtverordnetenmandat ist ein Ehrenamt. Außerdem gibt es ein Ziel, das er nicht aus den Augen verlieren möchte: 2023 ist die erste urkundliche Erwähnung der Höchster Fähre 400 Jahre her. hv

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