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Der Farbenstreit unterm Apfelbaum

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Ja, was denn nun? Gerharhard Weinrich, der Vorsitzende des Main-Äppel-Hauses Lohrberg, mit dem bislang eingesetzten gelben Band-Aufschrift: Meine Arbeit, meine Ernte - und einer rot-weißen Flatterversion. Tatsächlich soll es aber noch eine dritte Farbe geben, die Obstdiebe und Gelegeheitssammler abhält. Das gilt übrigens auch für auf dem Boden liegende Äpfel, die aktuell Stumböen und Starkregen herabgeschüttelt haben. Daraus presste der Verein am Wochenende übrigens den ersten Süßen der Saison. FOTO: oscar unger
Ja, was denn nun? Gerharhard Weinrich, der Vorsitzende des Main-Äppel-Hauses Lohrberg, mit dem bislang eingesetzten gelben Band-Aufschrift: Meine Arbeit, meine Ernte - und einer rot-weißen Flatterversion. Tatsächlich soll es aber noch eine dritte Farbe geben, die Obstdiebe und Gelegeheitssammler abhält. Das gilt übrigens auch für auf dem Boden liegende Äpfel, die aktuell Stumböen und Starkregen herabgeschüttelt haben. Daraus presste der Verein am Wochenende übrigens den ersten Süßen der Saison. © Oscar Unger

Von gelben Bändern und dreisten Obstdieben in Frankfurt-Seckbach

Wenn er gelb hört, sieht er rot. Ganz so schlimm ist es bei Gerhard Weinrich, dem Vorsitzenden des Main-Äppel-Hauses zwar nicht. Aber die Aktion „Gelbes Band“, mit der nicht bewirtschaftete Obstbäume markiert und zum Jedermann-Pflücken freigegeben werden, treibt ihm Jahr für Jahr die Röte ins Gesicht. „Das ist kontraproduktiv“, sagt der Chef des Streuobstwiesen-Zentrums auf dem Lohrberg. „Wir spannen auch gelbe Bänder, allerdings mit der aufgedruckten Botschaft: Meine Arbeit, meine Ernte.“

Damit nichts liegenbleibt

Tatsächlich gehören beide Bänder zu Aktionen, die zwar nicht gegensätzlich sind, aber doch in unterschiedliche Richtungen zielen. Die gelben Bänder des Main-Äppel-Hauses sind ein Appell an die Obstdiebe, sich nicht an fremdem Eigentum zu vergreifen. Die gelben Bänder anderswo sollen dagegen verhindern, dass nicht geerntetes Obst auf den Wiesen bleibt und verdirbt. Es wird zumeist mit der Absicht propagiert, die Verschwendung von Lebensmitteln zu verhindern.

Weinrich und seinen Vereinskollegen geht es aber gar nicht so sehr um die Gefahr, dass die Bänder verwechselt werden. Ihnen gefällt nicht, dass beim erlaubten Abernten völlig unter den Tisch fällt, welchen Aufwand eine Streuobstwiese bedeutet. „Wir machen uns viel Arbeit mit der Pflege“, sagt Weinrich über seinen Verein, der sich rund um den Berger Hang um Streuobstwiesen und insgesamt 2500 Bäume kümmert. Zusätzliche ehrenamtliche Mitstreiter wären hochwillkommen. „Wir wollen die Leute dazu bringen, dass sie sich um all die vielen Bäume kümmern“, sagt er. Wer ernten wolle, müsse sich eben auch zuvor Arbeit machen. Das aber sieht der Verein durch die gelben Bänder, die die Ernte erlauben, konterkariert.

Nun sei es keineswegs so, dass überall massenweise diese ungeliebten Bänder anzutreffen sein, räumt auch Weinrich ein. Aber was Lebensmittelretter erhoffen, das fürchtet das Main-Äppel-Haus; dass das Beispiel Schule macht. „Wehret den Anfängen“, sei daher das Gebot der Stunde.

Allerdings steht der Verein, überregional gesehen, ziemlich alleine auf weiter Flur. Das Projekt sei 2019 in Landkreis Esslingen nach vorigen lokalen Initiativen entstanden, berichtet eine Sprecherin des dortigen Landratsamtes. Schon im Jahr darauf sei das Projekt mit dem Preis „Zu gut für die Tonne“ des Bundeslandwirtschaftsministeriums ausgezeichnet worden.

Gemeinsame Aktionswoche

Viele Kommunen haben sich dem angeschlossen, inzwischen sind die gelben Bänder in ganz Deutschland zu finden. 2021 seien sie auch Bestandteil einer gemeinsamen Aktionswoche von Bund und Ländern gewesen, berichtet eine Sprecherin des Bundesernährungsministeriums auf Anfrage. In Frankfurt wurden die Bänder bisher allerdings nicht verwendet, zumindest hat das städtische Umweltamt keine Erkenntnisse darüber. Dementsprechend habe man auch noch nicht gehört, ob es zu irgendwelchen Verwechslungen gekommen sei, sagt Umweltamts-Sprecherin Lea Kräher. Auch der Landkreis Esslingen weiß von solchen Problemen nichts. Kräher kündigt aber an, dass die Bänder gegen den Obstdiebstahl, sollten neue davon hergestellt werden, in Frankfurt ein anderes Design und eine andere Farbe bekommen, um Verwechslungen auszuschließen.

Mangelnde Wertschätzung

Den Aktiven vom Main-Äppel-Haus wäre damit allerdings nicht wirklich gedient. Denn sie sehen in der Einwilligung zum kostenlosen Ernten eine mangelnde Wertschätzung der Pflegearbeiten, und daran ändert eine andere Farbe der städtischen Bänder nichts. Die allerdings sind offensichtlich notwendiger denn je. Tatsächlich weist auch das Umweltamt auf das Problem des zunehmenden Obstdiebstahls hin.

„Es wird immer schlimmer“, sagt Weinrich. Nach seiner Darstellung schrecken die Diebe nicht davor zurück, über Zäune zu klettern oder mit dem Sprinter auf gepflegte Grundstücke zu fahren. „Die sind auch nicht einsichtig, werden oft sogar aggressiv“, schildert er seine Erfahrungen. Dass dem dadurch Einhalt geboten würde, dass einzelne Bäume abgeerntet werden dürfen, damit ist wohl tatsächlich nicht zu rechnen.

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