Bernd Kracke, Chef der Hochschule für Gestaltung und Mitbegründer der B3-Biennale des bewegten Bildes, mit dem Preis Ben. In diesem Jahr in Orange.
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Bernd Kracke, Chef der Hochschule für Gestaltung und Mitbegründer der B3-Biennale des bewegten Bildes, mit dem Preis Ben. In diesem Jahr in Orange.

B3-Festival in Frankfurt

Der Filmfreak

  • VonEnrico Sauda
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Bernd Kracke ist der Macher und Begründer.

Die geschäftlichen Aspekte der Bewegtbildbranchen mit der Kunst und der Wissenschaft verbinden, so umschreibt Professor Bernd Kracke das Filmfestival B3. Der Direktor der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und Begründer sowie Macher des B3-Festivals hält dabei die Trophäe, den "Ben", in die Höhe. Regisseur Steve McQueen erhielt einen, ebenso wie Schauspieler Willem Dafoe . Und in diesem Jahr geht der "Ehren"-Ben in der Kategorie "Lebenswerk" an den dreifachen Oscar-Preisträger Oliver Stone , der durch Filme wie "Natural Born Killers", "Platoon" und "Snowden" bekannt wurde. Eine weitere dieser Auszeichnungen bekommt in diesem Jahr die Filmemacherin und Autorin Hito Steyerl - in der Kategorie "Kunst".

Filme, die haben es Kracke, der aus der Film- und Medienszene kommt, angetan. Wenn er über "Apocalypse Now", das oscarprämierte Meisterwerk von Regisseur Francis Ford Coppola spricht, ist schnell klar, warum das so ist. "Ich bin ein absoluter Filmfreak", sagt der Vater dreier Kinder. "Das ist für mich ein Lebenselixier. Das ist wie ,Grimms-Märchen'." Gute Filme vergesse er nicht, die liefen bei ihm immer weiter im Kopf. Mit dem Kultregisseur Coppola hatte er vor Jahren Kontakt, als Kracke am M.I.T. in Cambridge tätig war. "Ich habe damals eine Video-Arbeit gemacht und er war auf mich aufmerksam geworden." Vor zwei Jahren erlebte er ihn wieder live, als er seinen Director's Cut des Antikriegsfilms "Apocalypse Now" in New York vorstellte. "Das war faszinierend".

Faszinierend wird auch das Programm der sechsten Ausgabe des B3 Festivals sein, bei der ungefähr 80 Mitwirkende aus 25 Ländern erwartet werden. Dabei wird sich das Thema "Identität" durch die B3 ziehen und Fragen nachgehen wie: Was bedeutet Identität für den Einzelnen? Was fürs Kollektiv? Was verbindet und was bindet? Welche Rolle spielt die Narration und deren künstlerische Umsetzung? Das B3 geht inzwischen in die sechste Runde. "Ich fand es wichtig, hier ein internationales Festival zu haben", erinnert sich Kracke an die Anfänge von vor neun Jahren. Eins war ihm klar: dass es so viele Kunst- und Filmfestivals gibt, auch in der näheren Umgebung, und dass sich das B3 von ihnen abheben musste. "Wir haben uns gesagt, dass wir das machen müssen, was bei anderen nur am Rand mitläuft." Das erwies sich als goldrichtig.

Seitdem das Festival mit der Buchmesse eine Kooperation eingegangen ist, steigt es nun jährlich. "Es hat sich gezeigt, dass die Dynamik der Entwicklung im Bereich des bewegten Bildes sehr hoch ist." Und somit sei eine Steigerung der Taktzahl gut. Sie erhöhe die Planungssicherheit. Gut sei auch, dass das B3 ein festes Zentrum habe. Früher ging es an immer wechselnden Orten über die Bühne. Seit vergangenem Jahr ist das Astor-Kino im MyZeil die Heimat dieses Festivals. "Wir wollen uns konsolidieren, damit wir im Festivalspektrum ein fester Bestandteil werden", sagt Kracke. Eine guten Ruf habe sich das Team, dessen Kern aus vier Leuten besteht, bereits erarbeitet. Angefangen mit der Performance-Künstlerin Laurie Anderson , die nur wenige Wochen nach dem Tod ihres Mannes, des Musikers Lou Reed , an der ersten Ausgabe des Festivals teilnahm, bis hin zum Musiker Brian Eno . "Die Resonanz ist wirklich toll", freut sich Kracke. Auch seitens des Publikums. Selbst im vergangenen Jahr. Dem Corona-Jahr. Da machten die Festivalorganisatoren aus der Not eine Tugend, stellten eine Hybridveranstaltung auf die Beine. Das war gut so. "Das hat unsere Reichweite astronomisch gesteigert", sagt Kracke und spricht von ungefähr 2,6 Millionen Klicks. Auch die aktuelle Edition wird eine hybride - und natürlich heißt es: B3 nur mit 3G. es

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