Gerd Schüler, einstiger Rennfahrer, legendärer Gastronom und Discotheken-Betreiber, blickt anlässlich seines 80.Geburtstages für diese Zeitung auf sein ereignisreiches Leben zurück. Gerade schreibt er an einem Buch darüber.
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Gerd Schüler, einstiger Rennfahrer, legendärer Gastronom und Discotheken-Betreiber, blickt anlässlich seines 80.Geburtstages für diese Zeitung auf sein ereignisreiches Leben zurück. Gerade schreibt er an einem Buch darüber.

Kult-Discothek

Der Herr des Dorian Gray feiert den 80.

  • VonEnrico Sauda
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Der legendäre Pionier Gerd Schüler wird heute 80 Jahre alt.

G erd Schüler , der sich mit seiner Großraum-Discothek "Dorian Gray" in der Tiefebene der Halle C im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens vor mehr als 40 Jahren zu einer legendären Figur im Nachtleben gemacht hat, wird heute 80 Jahre alt. Er führte ein Leben wie im Roman, wenn auch nicht das der Figur Dorian Gray im weltberühmten Roman von Oscar Wilde. "Ich war einmal richtig reich", sagt der gebürtige Mannheimer, in einem nüchternen Konferenzraum einer Firma sitzend, für die er als Berater tätig ist. Ja, der einstige Rennfahrer, Jetset-Mann und Millionär arbeitet noch immer. Und sagt: "Ich bin glücklich, dass ich noch einen Job habe und dazu beitragen kann, den Erfolg dieser Firma zu begleiten." Oder muss er noch arbeiten? Der Jubilar sagt es so: "So viele enge Freunde von mir haben nach ihrer Pensionierung sehr schnell abgebaut. Das sollte mir erspart bleiben." Nach einer Pause sagt er dann doch offen: "Leider ist es mir nicht gelungen, wieder in die Liga aufzusteigen, in der Geld keine Rolle spielt." Er ist keiner, der sich selbst belügt oder bemitleidet. Das ist nach einem derart mondänen Leben, wie er es geführt (und überlebt) hat, viel wert.

Am 31. Dezember 2000 musste das "Dorian Gray", das ihn und seinen Kompagnon Michael Presinger berühmt und reich gemacht hatte, schließen. Aus Brandschutzgründen. Er versuchte einen Ableger in Berlin unter demselben Namen zu etablieren, doch das misslang. Er sagt trotzdem: "Alles hat Spaß gemacht."

Das erscheint unglaublich. Denn er verlor in den 90er Jahren mit den Investitionen in seine Firma "Infralife" viele Millionen. Es ging um Naturheilmittel. Er sagt: "Ich wollte halt schon immer die Welt verbessern." Es sei eine "spannende Story" gewesen, "die letztendlich in die Hose ging". Und wie. Er, der sich noch heute sehr für Gesundheitsthemen und die Epigenetik interessiert, verlor sein gesamtes persönliches Vermögen, "da ich alle meine Immobilienwerte als Sicherheit eingebracht hatte". Gleichzeitig sei das bundesweite Gastro-Imperium, das er mit aufgebaut hatte, immer unkontrollierbarer geworden. "Zu viele neue Betriebe. Und die Kontrollmechanismen griffen nicht mehr zuverlässig."

Das ist alles lange her. "Familie und Freunde haben mir darüber hinweggeholfen", sagt Schüler. "Ich hatte das Glück, dass ich immer wieder Menschen getroffen habe, die verhindert haben, dass ich mich verliere". Zudem sei er ein Mensch, der "schwerelos mit Geld umgeht". Die größten Enttäuschungen waren für ihn nicht finanzieller, sondern menschlicher Natur. "Als ich die materiellen Dinge brauchte, habe ich sie gehabt: ein Schloss, einen Ferrari F40, einen Hubschrauber. Ich habe auch alles ausgelebt."

Er lächelt. "Ich bin ein glücklicher Mensch, denn Liebe und Gesundheit, die kannst du dir nicht kaufen." Und er sei gesund und fühle sich geliebt. Insbesondere von seiner Frau Tamara, mit der er seit 55 Jahren verheiratet ist. "Mein größter Erfolg ist, dass sie bei mir geblieben ist, nach allem, was ich angestellt habe." Es sei früher eben schwer gewesen, Nein zu sagen "bei so vielen Angeboten". Noch etwas freut ihn: "Dass die Schicksalsschläge ausgeblieben sind." Manch einer würde den finanziellen Verlust, den er erlitt, als einen solchen bezeichnen. Er nicht.

Und Gerd Schüler wäre nicht Gerd Schüler, wenn er nicht noch mindestens eine weitere Aufgabe hätte: ein Buch über sein Leben. Der Titel ist bezeichnend: "Mein Leben mit Dorian Gray". Das Buch beleuchtet die Rennfahrerkarriere des gelernten Kfz-Mechanikers, der schnelle Autos liebt, und seine Karriere in der Gastronomie und im Nachtleben. Nur 999 Stück will er drucken lassen. "Es soll eine Rarität sein", sagt er. So wie an der Tür des Dorian Gray nicht jeder Zugang erhielt, so sollen auch nicht alle ein Buch erhalten können. "Es ist ein Zeitzeugnis der letzten vier Jahrzehnte des vergangenen Millenniums." Zu erzählen hat Gerd Schüler viel. So viel, dass es mehr als die 400 Seiten brauchen würde, die das Buch umfassen soll. Denn eins ist klar: "Ich war kein Kind von Traurigkeit", sagt Gerd Schüler, der seine Rennsport-Karriere Anfang der 1960er Jahre als Privatfahrer im Tourenwagensport startete. Neben Touren- und GT-Fahrzeugen fuhr er auch in der Formel Super V einen Lola-Formel-Rennwagen. 1974 zog er sich aus dem Rennsport zurück und baute mit seinem Geschäftspartner Michael Presinger ein Gastronomie-Unternehmen auf. "Es waren wunderbare Jahre", sagt er.

Als Presinger dazustieß, betrieb Schüler bereits mehr als ein Dutzend Läden, er besaß 34 Restaurants und acht Discotheken in ganz Deutschland. "Miezen, Motoren und Moneten" - so könnte man sein damaliges Leben auf den kleinsten Nenner bringen. Am 8. November 1978 eröffnete er das "Dorian Gray" nach dem Vorbild der legendären New Yorker Disco "Studio 54". Viele Prominente gaben sich schon bald gern ein Stelldichein, auch weil hier die in Frankfurt übliche Sperrstunde von 4 Uhr nicht galt. Bis zu 2500 Gäste tanzten pro Nacht auf drei Floors, die Musik- und Lichtanlage war ebenso spektakulär wie die Musik der DJs.

Gerd Schüler erinnert sich gern an die Zeit: "Mit meinem Job habe ich viele Tausend Menschen glücklich gemacht, das hat mich geprägt." Sein Fazit: "Ich stelle immer wieder fest, das der Mensch das Interessanteste ist." Und er traf viele dieser Spezies: Mit zu den einprägsamsten Momenten gehörte ein Plausch mit Megastar Stevie Wonder . "Schon sein Händedruck war ein Erlebnis." Auch mit Formel-Eins-Weltmeister Niki Lauda kam er gut aus. "Immer wenn er in Frankfurt war, trafen wir uns", erinnert sich Schüler. "Er war unheimlich vielseitig, aber auch kurz angebunden. Wenn's da mal zu einem längeren Gespräch kam, war das ein Erlebnis - so wie bei Udo Jürgens übrigens auch." es

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