Die Pflanzaktionen "Blumen statt Bitumen" oder "Blumen statt Steine", die mittlerweile an fünf verschiedenen Stellen im Quartier für Farbtupfer sorgen, gehen auf seine Initiative zurück: Jörg Harraschain (78).
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Die Pflanzaktionen "Blumen statt Bitumen" oder "Blumen statt Steine", die mittlerweile an fünf verschiedenen Stellen im Quartier für Farbtupfer sorgen, gehen auf seine Initiative zurück: Jörg Harraschain (78).

Nordend: Hilfe beim Gießen

Der König sucht einen Nachfolger

  • vonKatja Sturm
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Ehemaliger Ortsvorsteher will kürzertreten

Die Ideen gehen Jörg Harraschain nicht aus. So würde der ehemalige Ortsvorsteher gerne mal ein Projekt angehen, das sein geliebtes Nordend von oben gesehen in den Fokus rückt. Oder auch einen Adventskalender für Paare kreieren, der diesen in der Vorweihnachtszeit täglich eine kleine Aufgabe stellt.

Doch mit mittlerweile 78 Jahren verliert der Grünen-Politiker nicht aus dem Blick, dass er nicht jünger wird. So hat er nun seine Suche nach Leuten intensiviert, die in der Arbeitsgemeinschaft "Kunst im Nordend" in seine Fußstapfen treten könnten.

Vor mehr als 15 Jahren gründete Harraschain zusammen mit einigen Mitstreitern die Gruppe, die den Stadtteil "mit Kunst, Kreativität und Kommunikation beleben" und Menschen zusammenbringen will. Entstanden sind aus dieser heraus unter anderem die Pflanzaktionen "Blumen statt Bitumen" oder "Blumen statt Steine", die mittlerweile an fünf verschiedenen Stellen im Quartier für Farbtupfer sorgen. "Es macht mir viel Freude, wenn ältere Damen mich auf die Kästen ansprechen", sagt Harraschain, der auf der Straße von vielen in seiner Umgebung erkannt wird und den sie schon einmal den König des Stadtteils oder Mister Nordend nennen.

Mehr als 1000 Bilder aus dem Stadtteil

Einen weiteren Schwerpunkt bei KuNo, wie sich die Initiative griffig nennt, bildet eine mehr als 1000 Bilder umfassende Fotosammlung, die das historische Nordend und seine typischen Ecken zeigt. Bei mehreren Ausstellungen waren Teile davon bereits zu sehen.

"Ich hatte irgendwann mal den Nibelungenplatz fotografiert und nach einem halben Jahr gemerkt, wie dieser sich verändert hat", weist Harraschain auf die Ursprünge seines riesigen digitalen Archivs hin. Denjenigen, die Beiträge leisteten, ist er dankbar dafür, dass sie "ihre Schatullen geöffnet" haben. Doch es sei an der Zeit, mehr Systematik in die Dateien zu bringen.

Dafür und für viele andere Aufgaben hofft Harraschain Unterstützung zu finden: Jemanden, der die Homepage von KuNo (kunst-im-nordend.de) betreut, Pflanzenliebhaber, die das Gießen der Beete am Matthias-Beltz-Platz oder im Oeder Weg übernehmen, Personen, die bei Veranstaltungen, sobald wieder welche stattfinden dürfen, beim Auf- und Abbau helfen oder sich mit eigenen Einfällen engagieren wollen. Jeder ist willkommen.

Junge Leute begeistern

Als Harraschain kürzlich im Ortsbeirat sein Anliegen vorgetragen hatte, fand sich gleich ein Kandidat. "Aber wir sind fast alles schon ältere Herrschaften über 60", sagt der rüstige Pensionär. "Die Frage ist: Wie kommen wir an junge Leute heran?"

Es falle schwer, mit diesen in Kontakt zu treten und sie für die KuNo-Ziele zu gewinnen. Gerade jetzt, in diesen Monaten der Coronavirus-Krise und ihrer Einschränkungen. Dabei hätte Harraschain eigenen Worten nach kein Problem damit, sich selbst zurückzunehmen und anderen das Feld dafür zu überlassen, es nach ihren eigenen Vorstellungen zu bestellen. "Man muss offen sein für Veränderungen", sagt er.

Voraussetzung sei jedoch, dass der- oder diejenigen, die am liebsten den Hauptteil der Aufgaben übernehmen, "eine Leidenschaft für das Nordend" hätten. Zudem müsse die Chemie stimmen.

Verbunden ist die Suche nach einem Nachfolger mit dem Bedürfnis des Initiators, sich in der eigenen Wohnung wieder mehr Raum zu schaffen und sich von lange Bewahrtem zu befreien. "Den Gedanken habe ich schon länger", verrät Harraschain.

Das Equipment für die Ausstellungen ist sowieso ausgelagert. Bis Ende des Jahres muss für die Stellwand samt Gestänge und Bilderrahmen aber ein neuer Platz gefunden werden, ein Raum in der Größe von 30 bis 40 Quadratmetern sollte es sein. Harraschain könnte sich vorstellen, dass sich mit der besonderen Konstruktion sogar Geld verdienen ließe, würde man sie über die Stadtgrenzen und die Region hinaus für Expositionen aller Art anbieten. Ansonsten finanziert sich KuNo durch Spenden und basiert auf ehrenamtlichem Engagement. Für sich, da ist Harraschain sicher, wird er immer etwas finden, womit er sich beschäftigt. "Ich werde nie der Opa sein, der nur im Sessel sitzt."

Dafür spukt ihm, der während der Pandemie Balkonkonzerte organisierte und mit einer Telefonaktion der Einsamkeit älterer Menschen entgegenwirkte, zu viel im Kopf herum. "Aber alles hat seine Zeit. Und KuNo darf nicht sterben." Katja Sturm

Kontakt zu KuNo

Jörg Harraschain, Telefon 069/59 58 58 oder per Mail an joerg@harraschain.de

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