Die Tramhaltestelle soll in die Mitte des Schweizer Platzes verlegt werden. Ob der Kreisel verkehrsberuhigt wird und auch die Autos in der Mitte des Platzes fahren, statt im Kreis, ist noch ungewiss. Visualisierung: stadt frankfurt
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Die Tramhaltestelle soll in die Mitte des Schweizer Platzes verlegt werden. Ob der Kreisel verkehrsberuhigt wird und auch die Autos in der Mitte des Platzes fahren, statt im Kreis, ist noch ungewiss.

Frankfurter Verkehrsplanung

Frankfurt: Schweizer Platz bald ohne Kreisel? Ladenbesitzer: „Das wird uns das Genick brechen“

  • Stefanie Wehr
    VonStefanie Wehr
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Der Kreisel an der Schweizer Straße in Frankfurt soll umgestaltet werden. Geschäftsleute rund um den Schweizer Platz in Sachsenhausen sind darüber nicht glücklich.

Frankfurt - Werden die Geschäfte in der Schneckenhofstraße, der Oppenheimer Landstraße und auf der Schweizer Straße selbst ihre Kunden verlieren, wenn die Schweizer Straße umgestaltet wird und verkehrsberuhigt ist? Wenn der Kreisel kein Kreisel mehr ist, sondern die Autos auf den Straßenbahngleisen in der Mitte fahren statt im Rondell?

Diese Fragen beschäftigen die Geschäftsleute in genannten Straßen, seit bekannt ist, dass die Stadt in einer Machbarkeitsstudie den Vorschlag gemacht hat, die Abbiegemöglichkeiten auf dem Schweizer Platz einzuschränken. Dann könnte nur noch von der Schneckenhofstraße rechts in die Oppenheimer abgebogen werden, und gegenüber von der Diesterweg- in die Gutzkow- und die Oppenheimer Landstraße. Das alles soll der Verkehrsberuhigung dienen, damit Radfahrern mehr Platz eingeräumt wird und Fußgänger sicher auf die Platzmitte gelangen, wo die neue, barrierefreie Haltestelle der Straßenbahn eingerichtet werden soll. Außerdem soll es weniger Parkplätze geben.*

Schweizer Platz in Frankfurt-Sachsenhausen soll umgestaltet werden: Geschäftsleute in Aufruhr

„Das wird uns das Genick brechen“, befürchtet Ottilie Welte, die ein Schreibwarengeschäft in der Schneckenhofstraße betreibt. Sie spricht aus Erfahrung: Denn in der Zeit, als die Schneckenhofstraße Einbahnstraße war, weil an der Schillerschule zwei Jahre lang gebaut wurde, seien die Kunden weggeblieben. „Ich hatte 40 Prozent Einbußen in der Zeit,“ sagt Welte. Und das, vermutet sie, weil von der Schweizer Straße aus niemand mehr mit den Auto in die kleine Geschäftsstraße abbiegen, vor dem Laden parken und Erledigungen machen konnte. Bei ihr waren es vor allem Eltern, die ihre Kinder an der Schule absetzen, deren Wege sich geändert hatten.

Ähnliches berichtet die Inhaberin des Schmuckgeschäfts Vergissmeinnicht, Dorothee Bodin-Steiner. „Das war für uns eine harte Zeit,“ sagt sie. „Wegen der Schrägparkplätze war zudem der Gehweg sehr eng, so dass kaum jemand durch die Schneckenhofstraße flanieren wollte.“

Verkehrsberuhigte Zone am Schweizer Platz in Frankfurt: Kunden könnten ausbleiben

Auch sie sei aber darauf angewiesen, dass ihre Kundschaft, die auch aus dem Taunus komme, bequem mit dem Auto anreisen könne. „Die Schweizer Straße und die umliegenden Straßen lebt von attraktiven, einzigartigen Geschäften“, davon ist Bodin-Steiner überzeugt. Sie biete etwa einen Service, den es sonstwo nicht gebe; Reparaturen von Schmuck, Uhren und Porzellan. „Die Leute kommen extra deshalb nach Sachsenhausen. Und wenn sie schon mal da sind, gehen sie noch in andere Geschäfte. Wir brauchen also die Parkplätze“, mahnt die Geschäftsfrau.

Ralf Wagner von Apfelwein Wagner hält nicht viel von der Idee des verkehrsberuhigten Kreisels. "Der Kreisel funktioniert gut. Parkplätze brauchen wir, weil viele auf der Durchfahrt auf der Schweizer Straße kurz halten um einzukaufen. Deshalb wären Kurzzeitparkplätze gut", findet der Gastronom und zweite Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße.

Bürger sollen bei Umgestaltung des Schweizer Platzes in Frankfurt mitreden können

Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie seien keine in Stein gemeißelten Pläne, beruhigt Stefan Lüdecke, Referent im Verkehrsdezernat. „Das einzige, was feststeht, ist dass die Straßenbahn weiterfahren soll und dass die Haltestelle in die Mitte des Schweizer Platzes verlegt wird.“

Bei allem anderen sollen die Bürger mitbestimmen können, erläutert Lüdecke. Das Verkehrsdezernat will als erstes die Studie den Bürgern vorstellen, dafür werde mit dem Ortsbeirat 5 ein Termin abgestimmt. „Das wird frühestens im November sein.“ Das neu besetzte Dezernat mit dem neuen Stadtrat Stefan Majer (Grüne) müsse sich erst einmal ins Thema einarbeiten.

Die Ausschreibung des Wettbewerbs für Stadtplaner und Architekten ist noch nicht erfolgt. „Wir überlegen, ob wir den Wettbewerb und die weitere Bürgerbeteiligung zusammenlegen, damit alle Wünsche und Bedürfnisse berücksichtigt werden können“, erläutert der Referent. *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. (Stefanie Wehr)

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