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Von: Katja Sturm

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Freddy Langer arrangiert seine Schlafmasken-Bilder. Links von ihm das Motto der Ausstellung - entstanden aus ausrangierter Leuchtreklame. FOTO: rainer rüffer
Freddy Langer arrangiert seine Schlafmasken-Bilder. Links von ihm das Motto der Ausstellung - entstanden aus ausrangierter Leuchtreklame. © Rüffer

Heute Vernissage in der Ausstellungshalle in der Schulstraße 1a

Bleistift, Wasserwaage und die kleine Bohrmaschine waren am Dienstagabend begehrte Objekte in der Ausstellungshalle 1a. Gleich sechs Künstler arrangierten ihre Schöpfungen so in dem Raum in der Schulstraße, dass sie bestmöglich zur Geltung kommen. Die Idee zu der gemeinsamen Exposition, die bis 4. Dezember zu sehen sein wird, stammt von Victor van der Saar.

Gemeinsames Projekt

Der gebürtige Saarländer bekam im Sommer die Möglichkeit, Werke im Badehaus des Alten Kurparks von Bad Soden zu präsentieren. Der Platz, den es zu füllen galt, erschien dem Wahl-Kronberger als zu groß, um ihn allein zu nutzen. Deshalb fragte er Kollegen aus der Nähe für ein gemeinsames Projekt an. Aus der gesamten Region seien Besucher gekommen, um sich das anzuschauen, nur nicht aus Frankfurt. Deshalb wird die Ausstellung „(P)ars pro toto“ jetzt noch einmal, mit etwas anderen Inhalten, in der Großstadt gezeigt.

Der Titel leuchtet den Eintretenden gleich entgegen. Fabian Thiele, der schräg gegenüber in seinem Laden „Noneon“ ausrangierte Buchstaben aus Lichtreklamen zu Neuem zusammensetzt und verkauft, hat hier unter anderem ein Telekom-T oder ein P des Optikers Müller am Rathenauplatz genutzt, um den doppeldeutigen Namen schillern zu lassen. Die einzelnen Objekte erzählen Geschichten.

Ähnliche Gedanken treiben Markus Staab um, der gebrauchte Stühle und andere Sitzgelegenheiten transformiert, Serienprodukte individualisiert, indem er ihnen neue Formen, bunte Farben und Lackglanz verleiht. Sein Hauptarrangement steht im Zentrum des Ausstellungsraums.

Drumherum, an den Wänden, zeigen vier Bild-Künstler, „was Fotografie alles kann“. So drückt es FNP-Fotograf Boris Schöppner aus. Seine Schwarz-Weiß-Bilder sollen sehr ehrlich auch Momente abbilden, die man lieber nicht sehen würde. Gesichtern, tätowierten Körperteilen kommt der Betrachter sehr nahe. Es gibt einen Kuss des Künstlers, bei dem er selbst den Auslöser drückte.

Momentaufnahmen faszinieren auch Max Pauer. Während der Coronavirus-Krise, als seine Street Photography darunter litt, dass die Menschen sich kaum draußen aufhielten, wechselte der Frankfurter zu Insekten. So sieht man eine Fliege vor einem Angreifer flüchten, während daneben eine Braut anscheinend unter den Strahl des Manneken Pis gerät.

Van der Saar zeigt gegenüber einen Ausschnitt seiner 11-Meter-Serie, darunter Bilder des Bolzplatzes, der ihn einst dazu inspirierte. Auf einem Osterspaziergang war er dort vorbeigekommen, und von den Perspektiven auf das Tor, das nur einen eigenen Pfosten besitzt und auf der anderen Seite von einem dicken Baum profitiert, gefiel ihm jene eines Strafstoßschützen am beten. In Gefängnissen, Heilanstalten, Ghettos oder auch vor dem Hintergrund des Eiffelturms hat er seitdem Tore fotografiert.

Von den Gästen, die an diesem Donnerstag (19 Uhr) zur Vernissage erwartet werden, dürften sich einige auf den Fotos am Eingang wiedererkennen. Obwohl sie Schlafmasken tragen. Das Utensil, das die Augen vor störendem Licht abschirmt, ist zum Markenzeichen von Freddy Langer geworden. Zahlreiche Prominente haben sich von dem Frankfurter so bereits ablichten lassen, ihm das blinde Vertrauen geschenkt. Passend zu seinem Heimspiel wählte der FAZ-Redakteur hiesige Autoren aus. Von vielen, so Langer, gab es für die Eröffnung bereits Zusagen. Katja Sturm

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