Gerald Eskuche verfremdet Klassiker der Kunst mit Frankfurter Symbolen. Zu sehen sind seine Werke in der Apfelweingalerie in der Kleinmarkthalle. FOTO: sauda
+
Gerald Eskuche verfremdet Klassiker der Kunst mit Frankfurter Symbolen. Zu sehen sind seine Werke in der Apfelweingalerie in der Kleinmarkthalle.

Frankfurter Kleinmarkthalle

Der Mann mit dem Bembel-Helm

  • VonAlexandra Flieth
    schließen

Ausstellung "Kunststöffche" in der Apfelweingalerie

Was haben ikonische Werke der Kunstgeschichte und Frankfurter Tradition gemeinsam? In der Ausstellung "Kunststöffche" in der Apfelweingalerie in der Kleinmarkthalle sind derzeit Bilder von Gerald Eskuche zu sehen, mit denen der in Frankfurt lebende Grafiker und Illustrator eine Brücke zwischen verschiedenen musealen Werken und dem Kolorit der Mainmetropole baut. Die Schau ist gleichzeitig auch ein kleiner Rundgang durch die vergangenen Jahrhunderte der Kunst.

Da wäre der berühmte "Mann mit dem Goldhelm", der dem Umkreis des niederländischen Malers Rembrandt (1606 - 1669) zugeordnet wird. Statt des Goldhelmes hat dieser nun einen goldschimmernden Bembel auf dem Kopf, Eskuche selbst ist der Träger und hat sich mit seinem Konterfei in diesem Werk verewigt. Weniger traditionell und eigentlich ganz im Sinne des belgischen Surrealisten René Magritte (1898 - 1967) ist die Neuinterpretation seines häufig in Varianten wiederkehrenden Motivs des Mannes mit Melone, also des nach der Frucht benannten Hutes.

Während bei Magritte das Gesicht des Protagonisten etwa durch eine vorbeifliegende weiße Taube verdeckt wird, ist es im Werk des Grafikers ein mit Apfelwein gefülltes Geripptes. Statt einer schlichten, einfarbigen Krawatte breiten sich in dieser Darstellung auch die Muster der für die Bembel-Gestaltung typischen Blaumalerei über den Stoff seines Trägers aus. Und selbst ein Motiv des Schweizer Künstlers HR Giger (1940 - 2014), der durch die Filmfigur des Alien Weltruhm erlangte, hat Gerald Eskuche für seine symbiotischen Darstellungen zwischen Bildender Kunst und Frankfurter Tradition herausgegriffen und neu in Szene gesetzt: Grau in Grau steht ein Bembel im Mittelpunkt, auf dessen Flächen ein "Baby-Alien" seine langen Gliedmaßen ausbreitet.

Gerald Eskuche und Martin Schitto, Inhaber der im Oktober 2020 eröffneten Apfelweingalerie - neben Kunst gibt es dort auch eine vielfältige Auswahl des Frankfurter Traditionsgetränks - kennen sich bereits seit mehr als 30 Jahren. Schitto war Mitinhaber einer Agentur, die über der Buchhandlung Walther König in der Hasengasse ansässig ist. Über seine frühere Tätigkeit kam er regelmäßig mit vielen namhaften Fotografen und eben auch mit Grafikern in Kontakt. Bisher stellte Schitto in seinem Galerieraum regelmäßig Fotografien aus, die aktuelle Schau bricht nun die Regel. Eskuche entwickelt die dort präsentierten Arbeiten am Computer. "Schon vor ein paar Jahren hatte ich die Idee, Motive zu schaffen, die mit den Themen Apfelwein und Frankfurt zu tun haben", erzählt der Grafiker. So sei das Projekt zu seinen "Kunstparodien" entstanden, wie er selbst seine Bilder aus dieser Reihe nennt.

Sechs Monate Vorbereitung

Rund sechs Monate haben die Vorbereitungen auf die Ausstellung gedauert. Nicht immer, so verrät der Grafiker weiter, sei es für ihn sofort erkennbar gewesen, welche Elemente des Originals er für sein Werk übernehme und welche er durch Typisches aus Frankfurts Apfelweinkultur ersetze.

Die am Computer entstandenen Bilder sind auf Leinwand ausgedruckt und auf Keilrahmen aufgezogen worden. Präsentiert werden die Arbeiten in einer Petersburger Hängung. Jedes Bild gibt es in einer limitieren Edition, die kleineren Formate in einer Auflage von zehn Stück, die größeren von fünf Stück. Gerald Eskuche setzt seine Idee sogar am Beispiel eines abstrakten Werkes des niederländischen Künstlers Piet Mondrian (1872 - 1944) um, der vor allem seit den 1920er Jahren die Leinwand in waagerechte und senkrechte Linien in Form eines scheinbar unregelmäßigen Rasters unterteilte. Die sich daraus ergebenden und verschieden großen, rechteckigen Flächen hat Mondrian einst im Besonderen mit den Grundfarben Rot, Blau und Gelb gefüllt. Eskuche nutzt das Prinzip, um in seinem Bild den Bembel mit zwei mit Apfelwein gefüllten Gläsern zu verstecken. Deren runde Formen sind nun eckig und nicht auf den ersten Blick auf der Fläche auszumachen. Ein Bildrätsel, das die Augen des Betrachters herausfordert. Alexandra Flieth

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare