Dominikus Landwehr, hier vor dem Nachbarschaftsbüro, ist seit November neuer Quartiersmanager in Ginnheim. foto: hoyer
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Dominikus Landwehr, hier vor dem Nachbarschaftsbüro, ist seit November neuer Quartiersmanager in Ginnheim.

Ginnheim: Quartiersmanager

Der Neue will die Wogen wieder glätten

  • Judith Dietermann
    vonJudith Dietermann
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In einer Serie blicken wir zurück auf das Jahr in den 16 Ortsbeiräten - aus Sicht unserer Redakteure. Was war das Thema, das den Ortsbezirk in den vergangenen Monaten bewegt und beschäftigt hat? Heute: der Ortsbeirat 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim).

Würde im Ortsbezirk 9 ein Unwort des Jahres gewählt, würde der Begriff "Doppelstrukturen" sicher zu den Favoriten zählen. Denn spätestens seit im Oktober der Ginnheimer Quartiersmanager Johannes Böff Fagundes nach nur eineinhalb Jahren das Handtuch warf und der darauffolgenden Sitzung des Stadtteilparlamentes ist es in aller Munde. Sowohl bei den Stadtteilpolitikern als auch bei den Bürgern. Doppelstrukturen, waren sich alle einig, die wolle man im Stadtteil nicht haben.

Die Stadt Frankfurt hingegen, oder besser gesagt die Aktive Nachbarschaft, wie auch der Internationale Bund (IB), in dessen Trägerschaft der Quartiersmanager tätig war und sein Nachfolger auch ist, wollten den Begriff am liebsten aus ihrem Wortschatz streichen. Denn Doppelstrukturen, sagten sie, habe es nie gegeben und werde es auch in Zukunft nicht geben.

Dass der Posten des Quartiersmanagers kein leichter sein wird, hatte sich bereits vor gut zwei Jahren angedeutet. Denn schon bei der Schaffung gab es Kritik von den Stadtteilpolitikern. Es funktioniere doch alles, Ginnheim sei gut vernetzt, es gebe feste Strukturen, die ineinander griffen, wurde argumentiert. Strukturen, die sich entwickelt hatten, nachdem Martin Müller, Quartiersmanager von 2001 bis 2006, aufgehört hatte. Im Anschluss nahmen die Ginnheimer selber die Fäden in die Hand. Erst das Nachbarschaftszentrum in Form von Monika Westmeyer, dann der Verein "Ideal - Netzwerk Nachbarn" mit dem Vorsitzenden Rachid Rawas.

Der Verein mache gute Arbeit, hieß es immer wieder. Deswegen brauche man doch keinen Quartiersmanager. Dieser Meinung war die Stadt zwar auch. Trotzdem sah sie den Bedarf. Der auch an Fakten festgemacht wurde. Denn Ginnheim, in erster Linie die Platensiedlung, drohte zu kippen. Der Drogenhandel und die Krawalle nahmen zu, der Ortsbeirat forderte Streetworker, die Stadt ein Quartiersmanagement.

Probleme, die ein Verein, dessen Arbeit von Ehrenamtlichen gestemmt wird, schlichtweg nicht oder nur in geringem Maße leisten kann, war eine der Begründungen für diese Maßnahme. Eine Argumentation, die freilich kritisiert werden kann, aber nüchtern betrachtet absolut nachvollziehbar ist.

Geteilt in zwei Lager

Weniger nachvollziehbarer hingegen ist allerdings, was sich in den vergangenen Wochen nach der Kündigung von Johannes Böff Fagundes abspielte. Sowohl in den sozialen Netzwerken als auch in der Sitzung des Ortsbeirates Ende Oktober. Dort verhärteten sich die Fronten der mittlerweile zwei Lager, die sich gebildet hatten und den Stadtteil spalteten. Es gab Aussagen, die unter die Gürtellinie gingen und hier deswegen nicht wiederholt werden. Das war nicht schön.

So gab es zahlreiche Bürger und Institutionen, die die Arbeit des Quartiersmanagers lobten, zahlreiche Beispiele nannten, wie er sich im Stadtteil engagiert habe und wie er immer wieder auf eine Abwehrhaltung des Ortsbeirates gestoßen sei. Dort hingegen wurde längst nicht mehr nur der Posten des Quartiersmanagers infrage gestellt, sondern auch die Person. Von mangelnder Kommunikation wurde gesprochen und eben von Doppelstrukturen, die abgebaut werden müssten.

Von Fehlern, die in der Vergangenheit gemacht wurden, sprach derweil Christina Bender, Leiterin des Programms "Aktive Nachbarschaft". Die Probleme der vergangenen eineinhalb Jahre mache man allerdings an der Person und nicht an der Notwendigkeit des Quartiersmanagers fest. Diese sei nach wie vor gegeben, betonte sie, weswegen man auch in Zukunft daran festhalte. Und einen Neuanfang starten wolle.

Ein Neuanfang, der mittlerweile vollzogen wurde. Mitte November wurde der neue Quartiersmanager Dominikus Landwehr in sein Amt eingeführt. Der Internationale Bund (IB) stellte ihn den Vereinen und Institutionen im Stadtteil vor, wie auch dem Ortsbeirat. Er soll mehr begleitet werden als sein Vorgänger, sagt Ute Pfister vom IB. Mit einer Evaluierung, die in Zusammenarbeit mit der Goethe-Uni durchgeführt werden soll, wolle man zudem erfahren, was sich die Menschen im Stadtteil wünschen.

Das gefürchtete Wort "Doppelstrukturen" fiel derweil nicht, weil man diese schlichtweg im Stadtteil nicht haben wolle. Vielmehr soll der Quartiersmanager als Schnittstelle gelten, als Schnittstelle zwischen den Vereinen und Institutionen im Stadtteil und mit dem Verein Ideal, mit dem sich der Quartiersmanager aktuell noch das Nachbarschaftsbüro teilt, zusammenarbeiten.

Sechs Wochen sind vergangen, seit Dominikus Landwehr im Amt ist, seitdem ist es, zumindest von außen betrachtet, ruhiger geworden im Stadtteil und auch in den sozialen Netzwerken. Die verhärteten Fronten scheinen zu bröckeln. Zumindest ein wenig. Das ist wichtig. Nur so kann der neue Quartiersmanager sich in sein Amt einarbeiten. Schließlich hat er die vielleicht schwerste Aufgabe von allen - einen zerrütteten Stadtteil behutsam wieder zusammenrücken zu lassen. (Judith Dietermann)

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