Florian Jöckel hat das Massif Central eröffnet. Hier werden Fahrräder repariert, aber es ist zugleich ein Café, eine Bar, ein Szenetreff - und mehr.
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Florian Jöckel hat das Massif Central eröffnet. Hier werden Fahrräder repariert, aber es ist zugleich ein Café, eine Bar, ein Szenetreff - und mehr.

Szenetreff zur Verkehrswende

Der Ort, der Frankfurt gefehlt hat: Eine Cafébar mit Fahrradwerkstatt

  • VonEnrico Sauda
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Im "Massif Central" von Florian Jöckel kann man sein Fahrrad auf Vordermann bringen lassen und mit anderen Radlern bei Espresso oder Bier plaudern.

Während der Drahtesel auf Vordermann gebracht wird, einen Espresso trinken und einen Happen zu sich nehmen - das geht seit neuestem an ein und demselben Ort: im Massif Central. Mitten in der Stadt, an der Eschersheimer Landstraße 28, hat Szenemensch Florian Jöckel das getan, wovon andere nur reden. Ein Café, eine Bar, eine Eventlocation und eine Fahrradwerkstatt in einem eröffnet. "Wir sind hier Gastgeber und das alles hat mit Fahrrad erstmal herzlich wenig zu tun, außer, dass wir hier eine Fahrradwerkstatt haben, bei der der Fokus auf Reparaturen, Service und Grundreinigung für alle Arten von Rädern liegt", betont Jöckel, der sonst seine Brötchen als Manager bekannter Musikgrößen verdient - unter anderem arbeitet er mit dem weltweit renommierten Frankfurter Shantel zusammen. "Wir sind kein Restaurant", stellt Jöckel klar. "Wir bieten aber mit dem Koch Dimitrios Antonakakis Schnittchen, kleine Snacks und vom Kaffee bis zum Champagner alles."

Das Leben des Endvierzigers bestand aus Musik und viel Reisen. Nun hat er ein neues Projekt: ein vierstöckiges Haus, in dem sich bis zum vergangenen Jahr noch eine alte Druckerei befand. "Letztes Jahr stand die Welt still", erklärt Jöckel seine Entscheidung. "Ich war zum ersten Mal in meinem Leben überhaupt nicht unterwegs. So hatte ich Zeit und konnte die Energie, die sonst im Reisen steckt, anders kanalisieren." So stellte er mit Jule Parulewski und Sven Seipp das "Massif Central" auf die Beine. Mit dem Immobilienentwickler Seipp sei er bereits ein gutes Jahrzehnt befreundet und wollte "immer schon so ein Ding machen, denn der Stadt fehlt so ein Ort einfach", sagt Jöckel. "Diese Lücke haben wir geschlossen und wir sind froh, dass wir aufmachen durften", so Jöckel, dem ein Stein, "so groß wie das Matterhorn" vom Herzen gefallen ist. Hier ist vieles möglich: After-Work-Partys, Eintracht-Spiele über den Beamer verfolgen, Geburtstage feiern, Kunstausstellungen besuchen oder Business-Meetings abhalten. "Ein Ort voller Emotionen, an dem jeder willkommen ist, egal ob Student, Künstler, Politiker oder jemand, der einfach nur einen Kaffee zu seinem Buch trinken will", sagt der begeisterte Radfahrer Jöckel.

"Ich hoffe, dass wir das Gröbste hinter uns haben", so Jöckel, der zur Vorsicht mahnt, mit Bezug auf die Pandemie. "Auch wenn alle jetzt glauben, Corona sei vorbei. So ist es nicht. Für die Künstler ist es noch nicht vorbei. Denn große Festivals, Großveranstaltungen generell sind für dieses Jahr alle abgesagt. Und solange die nicht da sind, ist Corona nicht rum. Wir sollten uns auch nicht so verhalten, als ob das so wäre."

Im "Massif Central" ist übrigens noch viel mehr los: Im ersten Stock ist Uwe Maier mit seinem Amtraq Showroom eingezogen, in der zweiten Etage ein Co-Working-Space, außerdem eine große, familiengeführte Brauerei und ein Sportwettanbieter. Auch Podcaster Basti Red residiert dort mit seinem Studio und die Künstlerin Kristina Suvorova mit ihrem Atelier. Und dann sind da noch die Tätowierer Chris und Kati von Anti Tattoo, die ihre Werke dort skizzieren, und der Sportfotograf Isaac Papadopoulus sitzt auch dort. In der obersten Etage hocken die Clubeinrichter von 8brands. "Und wir betreiben noch einen ganz kleinen ,Kitchen Club' angelehnt an die Tradition der Küchenklubs im Baskenland in Südfrankreich. Einmal die Woche donnerstags kocht Dimitrios Antonakakis dort." Hier kommt alles zusammen, was Jöckel mag. "Aber ich habe nicht schlaflos zu Hause gelegen und jahrelang davon geträumt. Sondern es war eher so, dass ich diesen Ort gefunden und mich gefunden hatte und gesagt habe: ,Jetzt machen wir es.'" Allerdings nur bis 2022. "Dann wird das hier in die Luft gejagt", so Jöckel.

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