Er hat Fische gezüchtet und liebt Tennis und Fußball. Nun, da er Stadtverordneter ist, muss FDP-Politiker Sebastian Papke aus Zeitgründen manches Hobby schleifen lassen.
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Er hat Fische gezüchtet und liebt Tennis und Fußball. Nun, da er Stadtverordneter ist, muss FDP-Politiker Sebastian Papke aus Zeitgründen manches Hobby schleifen lassen.

Frankfurter Stadtparlament

Der Pragmatiker, der von den Fischen lernte

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    VonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Römer-Serie - Heute Sebastian Papke (FDP)50 neue Politiker gibt es in der 93 Parlamentarier zählenden Stadtverordnetenversammlung. In einer wöchentlichen Serie werden sie an dieser Stelle portraitiert. Heute: Sebastian Papke (FDP)

Frankfurt -Es ist nur noch ein Becken mit Fischen im Büro in Hausen. Einst züchtete Sebastian Papke (39) Zwerggarnelen en gros. Mittlerweile hat er die Pläne für eine ganze Wand voller Aquarien eingemottet. Dem FDP-Politiker fehlt die Zeit dazu. Unter anderem, weil er seit Frühjahr viele Stunden jede Woche für sein neues Ehrenamt aufbringt: als Stadtverordneter und sogar Vize-Fraktionschef der FDP im Römer.

Bei den Liberalen in der Stadt ist Papke schon länger eine der zentrale Kräfte - seit 2015 als stellvertretender Kreisvorsitzender, dazu war er lange im Vorstand der Jungen Liberalen aktiv. Auch in der Stadtpolitik mischt er seit geraumer Zeit mit: Von 2012 bis diesen März war er Mitglied im Ortsbeirat 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen), führte in der vorigen Wahlperiode die Fraktion. Der Sprung in den Römer gelang Papke im dritten Anlauf: "Da wird ein Traum wahr, für meine Heimatstadt Verantwortung zu übernehmen." Doch fressen die vielen Sitzungen Zeit. Da trifft es sich gut, dass das Büro seiner "kleinen Hausverwaltung" namens "Casa PM" im heimischen Wohnhaus untergebracht ist. So ist der Weg kurz, um sich auch zwischendurch einmal Zeit zu nehmen für seine Familie, seine Frau und die beiden Jungs, zweieinhalb und viereinhalb Jahre alt.

Umbauten und kleine Projektentwicklungen macht Papkes Firma. Da passt es auch gut, dass die Eltern, die schon lange im Vogelsberg wohnen, in Frankfurt weiter ihr Architekturbüro betreiben. Technisches Gebäude-Management hat der Junior in Mainz studiert, aufbauend auf eine Ausbildung zum Kaufmann für Grundstücks- und Wohnungswirtschaft.

Nahe lag es da, dass er für die Fraktion die Arbeit als planungspolitischer Sprecher übernommen hat. Die ist nicht immer einfach, obschon die FDP nun mit Grünen, SPD und Volt in die Regierung ist. Gerade bei den Grünen gebe es viele Überzeugungstäter. "Da stoße ich als Pragmatiker oft an meine Grenzen." Wenn sich Grüne zum Beispiel generell gegen das Versiegeln von Flächen. Das aber sei nötig, wenn mehr Wohnungen gebaut werden sollten, damit Kaufpreise und Mieten nicht noch weiter explodieren.

Von der Koalition ist er überzeugt

Trotzdem: Von der Koalition ist er überzeugt. "Die Grundrichtung" der vier Partner sei gleich, etwa für das Ziel, mehr Wohnraum zu schaffen. Ja, auch in den Güntherburghöfen im Nordend, die die grüne Basis Ende vorigen Jahres kippten. Gebaut werden solle nun dennoch, wenngleich in kleinerem Umfang und nur auf heute schon bebauten Flächen, erinnert Papke. "Das ist Beschlusslage", stehe so im Koalitionsvertrag.

Auch ur-liberale Ziele wolle die FDP in der Koalition durchsetzen. Und zum Beispiel darauf achten, dass die Regelungswut in künftigen Satzungen nicht zu groß werde, kündigt Papke an. Deshalb werden aktuell die Dezernenten für Planung und Umwelt, Mike Josef (SPD) und Rosemarie Heilig (Grüne) zurückgepfiffen: Nach scharfer Kritik wird ihre Freiraumsatzung nun noch einmal überprüft. "Wir wollen ja Investitionen fördern, nicht bremsen."

Dass die FDP-Basis so etwas erwarte, setze ihn natürlich unter Druck, räumt Papke ein. Aber das sporne ihn an. Und er lerne gerade, so wie viele neue Stadtverordnete, dass er nun mehr aufpassen müsse, was er so von sich gibt. "Weil es wichtig ist, wenn man etwas sagt." Mit der vielen Politik komme er viel zu selten zum Sport treiben, seufzt der Politiker.

Dabei ist er passionierter Tennisspieler, sogar Abteilungsleiter bei der FTG. Zum Fußball spielen bei den Alten Herren des ESC Blau-Gold kommt er wie auch zur Aquaristik kaum noch. Bei der habe er viel gelernt, sagt Sebastian Papke. Über Lebensräume, Flüsse, Umwelt, Ökologie. Auch manch simpel wirkende Erkenntnis wie: "Bäume wachsen nach" und müssen eben kein Wohnungsbau-Vorhaben verhindern. So waren die Zwerggarnelen eine wichtige Quelle für Papkes Pragmatismus.

Dennis Pfeiffer-Goldmann

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