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Der Rebstockweiher in Frankfurt wird gemäht

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Walter Depper ist mit einem seltsamen Gefährt auf dem Rebstockweiher unterwegs: einem Mähboot. Damit entfernt er Unterwasserunkraut und Algen, die im Sommer unkontrolliert gewachsen sind und jetzt entfernt werden müssen.
Walter Depper ist mit einem seltsamen Gefährt auf dem Rebstockweiher unterwegs: einem Mähboot. Damit entfernt er Unterwasserunkraut und Algen, die im Sommer unkontrolliert gewachsen sind und jetzt entfernt werden müssen. © rüffer

Algen und Unterwasserunkraut bedrohen Fischbestand, fünf Tage lang ist deswegen auf dem Gewässer ein skurriles Gefährt unterwegs: ein Mähboot.

Wer in den nächsten Tagen am Rebstockweiher spazieren geht, wundert sich über ein skurriles Wasserfahrzeug. Gesteuert wird es von Walter Depper von der Firma ww-planen, die das Mähboot auch entwickelt hat. Das Grünflächenamt hat ww-planen beauftragt, Unkraut im Rebstockweiher zu entfernen, weil das Gewässer umzukippen drohte. „Ein Umkippen hat unter anderem zur Folge, das die Sauerstoffwerte sinken und die Fische darunter leiden“, erklärt Lena Berneburg vom Grünflächenamt.

In den kommenden fünf Tagen ist Depper mit dem Mähboot auf dem Rebstockweiher unterwegs. Vorne hat das Boot einen Schneideaufsatz. Wird dieser einschaltet, bewegen sich die kleinen Messer schnell nach rechts und links. „Ich komme mit dem Aufsatz bis zum Grund des Weihers, dort mähe ich dann das Wasserunkraut“, sagt Depper und zeigt auf Tannenwedel und Grundnesseln.

Das Boot wird mit Joystick gesteuert

Diese beiden Wasserunkraut-Pflanzen wachsen nur bis zur Wasseroberfläche, nicht aber darüber hinaus. Kritisch wird es, wenn sich dann schädliche Algen an der Wasseroberfläche bilden und die Sauerstoffzufuhr verhindern. Dann sollte gegengesteuert werden. Deshalb befährt Depper jetzt mit dem Mähboot, das er mit zwei Joysticks steuert, den Rebstockweiher. Drückt er den linken Stick nach vorne, fährt das Boot vorwärts. Mit dem rechten Joystick bedient er den Schneideaufsatz - am besten so, dass die Wasserpflanzen möglichst weit unten am 2,5 Meter tiefen Grund abgeschnitten werden.

Depper erklärt, dass Tannenwedel und Grundnessel am schnellsten wachsen, wenn die Sonne im Sommer intensiv und lange scheint. Auch der derzeit niedrige Wasserstand - aktuell ist er zwei Meter niedriger als normal - würde das Wachstum beschleunigen. Die Folge: Das Sonnenlicht kann leichter zum Grund des Weihers vordringen. Doch auch das Fehlverhalten uneinsichtiger Parkbesucher sei kontraproduktiv: „Weil viele Menschen die Enten und Gänse füttern, ist viel Kot im Weiher, der für das Unkraut als natürlicher Dünger dient“, erklärt Depper. Sein Fazit: Träfen im Sommer alle drei Faktoren zusammen (niedriger Wasserstand, Sonneneinstrahlung und Füttern) sei der Mäheffekt von kurzer Dauer. Er schätzt, dass zwei Wochen nach dem Mähen der See wieder zugewuchert ist und sich erneut Algen bilden. Das ist eine Gefahr für den Fischbestand.

Eine Tonne Fische verendet

Vor ein paar Jahren ist genau das schon mal passiert: Eine Tonne toter Fische mussten aus dem Weiher gezogen werden. Hechte, Karpfen und andere sind damals angesichts des Sauerstoffmangels verendet. „Auch vergangenes Jahr war es sehr knapp, wäre ich acht Tage später gekommen, wären viele Fische gestorben“, erinnert sich Depper. In diesem Jahr ist er schon zum zweiten mit dem Mähboot auf dem Rebstockweiher unterwegs. Aber grundsätzlich sei Mähen nur eine kurzfristige Lösung. Depper empfiehlt eine Entschlammung des Weihers. Der große Vorteil davon: Das Unkraut wird an den Wurzeln gepackt und herausgesaugt. Dann gäbe es für mehrere Jahre keine Probleme mehr. Aber das sei natürlich auch viel teurer als die jetzigen 9900 Euro, sagt Depper.

Die anfallenden Grünabfälle werden vom Mähboot eingesaugt. Wegen des Gewichts muss das Unkraut als erstes getrocknet werden, anschließend wird alles routinemäßig im Labor auf Schadstoffe untersucht und entweder verbrannt oder kompostiert.

Wahrscheinlich wird es nicht der letzte Einsatz von Depper auf dem Rebstockweiher gewesen sein. Wenn sich nichts ändert, kommt er in den nächsten Jahren ganz sicher wieder zu zwei Einsätzen ins Rebstockgelände. Nikolai Kuhnert

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