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„Aus Tränen ist Wut geworden“: Hundehalter äußern sich nach Giftköder-Tötungen

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Von: Judith Dietermann

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Viele vermuten nach dem Giftanschlag auf Hunde in Frankfurt-Riedberg einen Zusammenhang mit einer neuen, kontrovers diskutierten Auslauffläche.

Frankfurt - Auch vier Tage nachdem der geliebte Familienhund Buddy, der vierjährige portugiesische Wasserhund an den Folgen eines Giftköders gestorben ist, sitzt der Schock bei Familie B. noch tief. „Wir haben viel geweint, doch aus den Tränen ist mittlerweile Wut geworden. Wut auf die Menschen, die so etwas tun. Tiere sterben lassen, die ihnen nichts getan haben“, sagt Marc B.

Buddy ist einer von mindestens sieben Hunden, die am Freitag (16. September) im Bonifatiuspark in Frankfurt einen der dort unter den Bänken ausgelegten Giftköder fraßen und an den Folgen starben. Die Tierschutzorganisation Peta spricht gar von zwölf getöteten und 20 weiteren vergifteten Vierbeinern. Heroin und Amphetamine sollen die Köder enthalten haben. Das habe ein Schnelltest beim Tierarzt in Bad Homburg ergeben, bei dem Buddy behandelt wurde und verstarb. „Sein Tod war für uns wie ein Schlag ins Gesicht. Ich hätte nicht gedacht, dass mich das so sehr trifft“, sagt Marc B.

Giftköder im Frankfurter Bonifatiuspark: Stoffproben werden untersucht

Den Schnelltestverdacht konnte die Polizei Frankfurt gestern nicht bestätigen. Stoffproben der ausgelegten Köder würden zeitnah einer stofflichen Analyse durch ein Fachinstitut unterzogen, teilte sie mit. Weswegen auch der Bonifatiuspark nicht etwa mit Drogenspürhunden untersucht würde, wie Polizeisprecher Björn Thies erklärt. Aktuell sind der Polizei elf Fälle bekannt, sieben der Hunde sind verstorben. „Das beruht nur auf der Zahl der Besitzer, die bei uns Anzeige erstattet haben“, erklärt er, warum derzeit viele unterschiedliche Fallzahlen publiziert werden.

Ein Ort der Erinnerung: Auf der Hundewiese im Bonifatiuspark stehen Kerzen und Fotos der verstorbenen Vierbeiner.
Ein Ort der Erinnerung: Auf der Hundewiese im Bonifatiuspark stehen Kerzen und Fotos der verstorbenen Vierbeiner. © Michael Schick

Entsetzen und Unverständnis, Wut und Trauer - das sind die Reaktionen der User in den beiden Stadtteilgruppen im sozialen Netzwerk Facebook. Und spricht man mit Hundebesitzern auf dem Riedberg, äußern alle die gleiche Vermutung: Dass der Giftanschlag etwas mit der erst vor wenigen Tagen verlegten Hundewiese zu tun haben könnte. „Sie befindet sich jetzt auf einem viel genutzten Filetstück im Bonifatiuspark und nicht mehr an den Gleisen. Was vielen Menschen nicht passt“, meint auch Marc B.

Giftanschlag auf Hunde in Frankfurt: Neue Hundewiese als Auslöser?

Das meint auch Beate Matzollek, ebenfalls Hundehalterin. Sie hatte die Giftköder entdeckt und eingesammelt. „Ich kann nicht ausschließen, dass das zusammenhängt“, sagt sie. Ganz abwegig sei das sicher nicht, meint auch Ortsvorsteherin Ulrike Neißner (Grüne). Der zeitliche Zusammenhang sei auffällig. Wurde doch die bereits im Frühjahr 2019 nach einem Ortstermin angeregte Hundeauslauffläche im Bonifatiuspark vor wenigen Wochen endlich installiert. Im östlichen Teil der Grünanlage, direkt neben den U-Bahn-Gleisen.

Was, wie Neißner, jedoch zu Kritik führte. Weil die Gleise ein Sicherheitsrisiko für die Hunde seien. „Vor wenigen Tagen dann wurden die Schilder plötzlich versetzt. Auf die von vielen Bürgern genutzte Wiese. Ohne den Ortsbeirat darüber zu informieren“, erklärt die Ortsvorsteherin. Was auch für Gegenwind sorgte, wie auch der Vorschlag, die Wiese zu umzäunen.

Hinweise und Belohnung

Die Polizei in Frankfurt bittet unter der Telefonnummer 069/755-53110 um Hinweise zum Giftanschlag vom Riedberg. Die Tierschutzorganisation Peta hat sogar eine Belohnung von 1000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung des Täters führen. Peta ist unter whistleblower@peta.de oder Tel. 0711-8605910 erreichbar.

Ein Plan, den die Grünen-Fraktion trotzdem verfolgt. Weil diese nicht in Konkurrenz zu berechtigten Bedürfnissen hundeloser Bürger stehe. „Ein eingezäunter Platz hätte den Vorteil, dass man ihn besser kontrollieren kann“, sagt Neißner und warnt zugleich davor, Selbstjustiz als Mittel zu ergreifen. Auch wenn die Trauer und Verzweiflung noch so groß sind. „Das bringt niemandem etwas“, sagt sie.

Giftköder in Frankfurt ausgelegt: „Kein Verständnis für Selbstjustiz“

Das Frankfurter Grünflächenamt spricht derweil bei der Verwirrung wegen der Ausweisung der Hundefläche von einem Versehen. Bei der Kennzeichnung sei zunächst die nordöstliche Teilfläche ausgeschildert worden. „Die nach Bemerken des Irrtums aktuell ausgeschilderte Fläche entspricht der 2019 vom Ortsbeirat beschlossenen Teilfläche des Parks“, sagt Amtssprecherin Lena Berneburg. Keine Hoffnung macht sie derweil auf eine Einzäunung des Areals. Das werde grundsätzlich nicht gemacht.

Nicht weniger geschockt über den Giftköder-Anschlag ist Carolin Friedrich (CDU), wie Neißner Hundehalterin und seinerzeit Ortsvorsteherin, als die Diskussion um die Hundewiese entflammte. „Deswegen weiß ich, wie hochsensibles das Thema ist. Alle Interessen zu vereinen, ist schier unmöglich“, sagt sie. Auch wenn sie die Hoffnung hat, dass die ausgelegten Köder nicht mit der Diskussion um die Hundewiese zu tun haben, schließt es sich nicht aus. „Dabei haben wir doch im Ortsbeirat alles dafür getan, eine gute Lösung zu finden. Und jetzt das. Zu solch einer drastischen Selbstjustiz zu greifen, dafür fehlt mit jedes Verständnis“, sagt sie. (Judith Dietermann)

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