Hat eigens einen zwölfminütigen Film eingespielt, um für die benötigten Spenden zur Sanierung und Erweiterung der Orgel in St. Jakob zu werben: Katharina Götz, seit zwei Jahren Kantorin in der evangelischen Gemeinde am Kirchplatz.
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Hat eigens einen zwölfminütigen Film eingespielt, um für die benötigten Spenden zur Sanierung und Erweiterung der Orgel in St. Jakob zu werben: Katharina Götz, seit zwei Jahren Kantorin in der evangelischen Gemeinde am Kirchplatz.

Frankfurter Klangwelten

Der Romantik in Frankfurt eine Stimme geben

  • VonBrigitte Degelmann
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Klangspektrum soll bei der Orgelsanierung in St. Jakob in Bockenheim erweitert werden

An ihren ersten Eindruck von der Orgel in der evangelischen Kirche St. Jakob kann sich Katharina Götz noch gut erinnern. "Ein bisschen erschrocken" sei sie, als sie die ersten Klänge des Instruments in dem Bockenheimer Gotteshaus vernommen habe. Seit zwei Jahren fungiert die Kirchenmusikerin als Kantorin in der evangelischen Gemeinde am Kirchplatz. Mit weiteren Mitstreitern verfolgt sie nun ein großes Ziel: die Orgel an ihrem Arbeitsplatz fit für die Zukunft zu machen - durch eine gründliche Reinigung, Überarbeitung und Erweiterung des Klangspektrums. Rund 300 000 Euro sind dafür veranschlagt. Fördermittel sind allerdings kaum zu erwarten. Deshalb sammelt die Kirchengemeinde seit September Spenden für dieses große Zukunftsprojekt.

Zwei Generationen von Pfeifen erklingen

1983 wurde die Orgel in St. Jakob erbaut, wobei Teile eines Instruments aus dem Jahr 1968 verwendet wurden. Zwei Generationen von Pfeifen erklingen also in dem Gotteshaus, nun soll noch eine weitere hinzukommen. Katharina Götz spricht deshalb gern von einer "Mehrgenerationenorgel".

Wie dringend allein schon eine gründliche Reinigung wäre, offenbart ein Blick auf die mehr als 1400 Pfeifen des Instruments - die kleinste gerade mal daumenbreit, die größte hingegen mehr als zwei Meter lang. Viele sehen ziemlich mitgenommen aus: verstaubt, verbeult, von Rissen durchzogen.

Für einen Orgelbauer sei die Überholung des Instruments ein gewaltiges Stück Arbeit, sagt die Kantorin. Denn jede Pfeife muss dafür ausgebaut und dann mit Druckluft oder Seifenlauge gründlich gesäubert werden. Ganz zu schweigen von der Beseitigung der Schäden.

Die Deckel der Pfeifen seien beispielsweise oft nur noch notdürftig festgeklemmt, erklärt Götz. Eine stabile Stimmung des Instruments sei deshalb momentan kaum mehr möglich.

Wunschliste ist lang

Die Wunschliste der Spendensammler ist jedoch noch länger. Das hängt mit dem bisher eher eingeschränkten Klangspektrum der Bockenheimer Orgel zusammen. Sie bringe zwar ganz leise und sehr kräftige Töne mit barockem Glanz hervor, sagt die Kantorin. Doch sanfte, weiche, romantische Klangfarben fehlen. Ein Manko nicht nur für die Musik in den Gottesdiensten, sondern vor allem bei Konzerten. Das macht Katharina Götz in einem zwölfminütigen Film über das Instrument deutlich, der seit einigen Wochen auf einer eigenen Homepage für das Projekt "Mehrgenerationenorgel" zu sehen ist. Darin spielt sie ein Prélude von César Franck: zunächst auf der Orgel in St. Jakob - mit hellen, fast quäkig anmutenden Tönen. Als sie aber dasselbe Stück in die Koblenzer Florinskirche anstimmt, hört selbst der Laie den Unterschied - und staunt. Geheimnisvoll verschleierte Klänge sorgen für viel mehr Tiefe. Das liegt nicht nur an zusätzlichen Registern, sondern auch an einem sogenannten Schwellwerk, das es dem Organisten erlaubt, Einfluss auf Klang und Lautstärke zu nehmen. Diese technische Errungenschaft wünschen sich Katharina Götz und ihre Mitstreiter auch für das Instrument in St. Jakob. Ebenso eine Setzeranlage, die das Ziehen der Register erleichtert.

Für das Projekt "Mehrgenerationenorgel" hat sich die Kirchengemeinde Bockenheim einiges überlegt. Ein Spendenkonto wurde bereits eingerichtet. Ab 2022 soll außerdem das Projekt "Pfeifenpatenschaften" starten: Dabei können Interessenten eine Pfeife kaufen, beispielsweise als originelles Geschenk für Musikliebhaber. Schließlich, sagt Katharina Götz, spiele Kirchenmusik in der Kirchengemeinde St. Jakob eine große Rolle. Doch was wären Stücke von Bach, Buxtehude und Bruckner ohne Orgel? Eben. Brigitte Degelmann

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