Eine Frau starrt erschrocken auf einen rot verfärbten Tampon.
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Junge Zeitung Teilnehmerin Adelina Babalija hat die Zeichnung erstellt.

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Der "rote Horror": Über das Tabu der Periode

Erdbeerwoche, Regel und Menstruation - das Normalste der Welt gilt als peinlich

Frankfurt -Erdbeerwoche, Regel, Periode und Menstruation, diese Begriffe sind bestimmt jedem bekannt. Alleine in dieser Sekunde hat jede siebte Frau ihre Menstruation. Als Periode wird die monatliche Blutung bezeichnet, die entsteht, wenn die Eizelle vor oder während des Eisprungs nicht befruchtet wird. Denn wenn dies nicht geschieht, wird die Eizelle ausgeschieden und eine neue entsteht. Das alles passiert in einem Kreislauf, dem Zyklus. Ein durchschnittlicher Zyklus ist 28 Tage lang.

So viel zu den biologischen Fakten, die keiner abstreiten kann. Doch obwohl die Menstruation etwas Normales ist, ist sie ein Tabuthema. Man spricht nicht darüber, Mädchen empfinden sogar Scham dafür, dass sie diesem körperlichen Zyklus überhaupt ausgesetzt sind. Diese Scham nennt man "Perioden-Shaming". Sie belastet viele Menstruierende. Das soll sich definitiv ändern. Wie dies aussehen könnte, haben wir die Berliner Aktivistin Franka Frei und die Frankfurter Frauenärztin Christina Brinkmann gefragt.

Periodenblut ist giftig, dachte man früher

Franka Frei wurde durch einen Facebook-Post, den sie nach ihrer Bachelorarbeit über das "Perioden-Shaming" in der Werbung verfasste, als Aktivistin bekannt. Christina Brinkmann hat als Frauenärztin in ihrem beruflichen Alltag mit der Menstruation zu tun. Bei ihr in der Arztpraxis ist die Periode ein ganz normales Thema ohne Tabus oder Verkrampfung.

Der Ursprung des "Perioden-Shamings" geht weit zurück, sagen beide. Zum Beispiel dachte man bis ins 20. Jahrhundert hinein, dass Menstruationsblut giftig sei und dafür sorgen könnte, dass Lebensmittel verderben. Heutzutage glaubt niemand mehr an diese Mythen.

Doch ist das "Perioden-Shaming" noch immer da. Die Werbung für Menstruationsprodukte stellt das Blut blau dar. Warum? Die Firmen werben mit ihren Produkten, indem sie zeigen, wie gut man seine Periode verstecken kann. Was wollen die Hersteller uns damit sagen? Dass die Menstruation etwas Unangenehmes oder gar Peinliches ist? Ist sie nicht eigentlich etwas Normales?

Franka Frei bestätigte dies. Die Menstruation sei ein Zeichen von Gesundheit und könnte, wenn sich die Gesellschaft darauf einlassen würde, als messbarer Wert für Gesundheit verwendet werden. Das bestätigte auch die Frauenärztin Christina Brinkmann. Sie erzählte uns, dass viele Mädchen, wenn sie ihre Periode nicht haben, mehr gestresst seien, als wenn sie da ist. Trotzdem fehle oft die Aufklärung, da sich viele Mädchen aufgrund des gesellschaftlichen Tabus nicht trauten, ihre Fragen zu stellen.

Auch bei den nicht Menstruierenden, also den Männern, wird die Periode als etwas Unangenehmes angesehen, über das man nicht reden sollte. Sie akzeptieren sie zwar, viele interessieren sich aber gar nicht dafür.

Unserer Meinung nach ist die Menstruation alles andere als uninteressant, denn dahinter steckt so viel mehr. Franka Frei bezeichnet sogar die Periode als Unterdrückungsinstrument gegen Frauen. Tatsächlich haben Frauen im Alltag vieles auszustehen. Eine Studie aus Großbritannien hat herausgefunden, dass eine von fünf Menstruierenden sich die nötigen Hygieneartikel nicht leisten kann. Aus diesem Grund gibt es in Schottland kostenlose Menstruationsprodukte.

Woraus bestehen überhaupt Tampons?

Außerdem weist die Aktivistin daraufhin, dass kaum jemand weiß, woraus Tampons und Binden wirklich bestehen. "Die Hersteller sind nicht dazu verpflichtet, anzugeben, woraus das Material besteht. Auch das geht nur, weil ohnehin niemand über die Menstruation spricht." Franka Frei ist überzeugt, dass die Unwissenheit der Verbraucher auch eine Folge des "Perioden-Shamings" sei. Wie kann dieses Tabu abgelegt werden?

Franka Frei sagt, dass die Erziehung und die Schule mehr Wert auf Aufklärung legen sollte. Sie fügt aber hinzu: "Um ein Tabu beiseite zu legen, braucht es einen Generationswechsel."

Franka Frei und Christina Brinkmann finden beide, es muss mehr über das Thema "Perioden-Shaming" gesprochen werden. Nur dann kann man etwas dagegen tun und Mädchen klar machen, dass die Periode nichts Peinliches ist.

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