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Der schnelle Weg zum Traumjob

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Von: Brigitte Degelmann

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Malak (links) und Akin haben sich bei der Berufsbörse in der Ernst-Reuter-Schule II informiert und können sich vorstellen, eventuell später doch einen anderen Job als ursprünglich geplant zu erlernen.
Malak (links) und Akin haben sich bei der Berufsbörse in der Ernst-Reuter-Schule II informiert und können sich vorstellen, eventuell später doch einen anderen Job als ursprünglich geplant zu erlernen. © Rüffer

In der Ernst-Reuter-Schule II stellen sich heute noch Berufsgruppen vor

Bis zum gestrigen Donnerstag wusste Malak El Barouda noch ziemlich genau, was sie werden will: Architektin - wie ihr Vater und ihre große Schwester. Doch dann hörte sie den Vortrag eines Krankenpflegers, der in der Chirurgie tätig ist. Und jetzt, sagt die 15-Jährige, könne sie sich auch gut vorstellen, später als Chirurgin zu arbeiten: Menschen zu operieren, dabei die inneren Organe zu sehen, „das ist cool“. Eine Vorstellung, die ihrem Mitschüler Akin Atas weniger behagt. „Davor hätte ich viel zu viel Angst“, sagt der 14-Jährige lachend. Er träumt stattdessen von einer Karriere als Pilot: „Ich interessiere mich für Luftfahrt und finde Fliegen sehr schön. Es ist faszinierend, dass sich diese tonnenschweren Teile in die Luft erheben können.“

Pflege, Einzelhandel Grünflächenamt

Für Akin, Malak und gut 200 weitere Schüler der neunten Jahrgangsstufe in der Ernst-Reuter-Schule II in der Frankfurter Nordweststadt war gestern ein besonderer Tag: Statt des sonst üblichen Unterrichts stand für sie eine Berufsbörse auf dem Programm. Knapp ein Dutzend Vertreter aus unterschiedlichsten Bereichen - von der Pflege über den Einzelhandel bis zum städtischen Grünflächenamt - stellten dabei ihre Tätigkeitsfelder und ihren Arbeitsalltag vor. Beispielsweise ein Werksfeuerwehrmann, der den Jugendlichen berichtete, dass bei den Brandschützern nicht nur Teamfähigkeit, körperliche Fitness und handwerkliches Geschick gefragt ist, sondern dass man auch das Schwimmabzeichen in Silber vorweisen müsse, um für eventuelle Rettungseinsätze am Main gewappnet zu sein.

„Es ist wichtig, dass die Schüler in verschiedene Berufe reinschnuppern können“, sagt Lehrer Andreas Wagensommer, der an der ERS Italienisch und Spanisch unterrichtet und darüber hinaus als Berufsorientierungsbeauftragter fungiert. Ein Bereich, der an der Schule eine große Rolle spiele, sagt Wagensommer. Schon in der sechsten Jahrgangsstufe gebe es deshalb Unterricht in schuleigenen Holz-, Metall-, Papier- und Textilwerkstätten, später folgen unter anderem Berufsorientierungskurse und Praktika.

Im vergangenen Jahr, erzählt Malak, habe sie ein Praktikum in einem Ingenieurbüro absolviert: „Da konnte ich mit dem 3D-Drucker Häuser designen.“ In diesem Schuljahr werde sie bei einem Finanzunternehmen hospitieren. Wirtschaft sei schließlich sehr wichtig, sagt die 15-Jährige: „Ich will zum Beispiel wissen, wie man mit Steuern umgeht.“ Eines hat sie sich jedenfalls fest vorgenommen: Sie will auf jeden Fall Abitur machen, um später mehr Möglichkeiten in Sachen Berufswahl zu haben.

Ein Ziel, das auch Akin in Betracht zieht, vor allem deshalb, weil das Abitur für seinen Traumberuf Pilot Voraussetzung ist. Dafür brauche es allerdings noch einiges mehr, erklärt er: „Bis man die Fluglizenz hat, muss man viel investieren, das kostet 100 000 bis 120 000 Euro.“ Eventuell, überlegt er, könnte er dafür zur Bundeswehr gehen, „die bezahlt die gesamte Ausbildung“. Vielleicht schlägt er aber doch noch eine ganz andere Richtung ein. Auf Vorschlag seiner Lehrerin habe er sich nämlich für ein Praktikum in einem großen Hotel in Frankfurt beworben, das er in wenigen Wochen absolvieren wird: „Das ist auch ein cooler Beruf.“

Voll des Lobes sind Akin und Malak über das Engagement ihrer Schule in Sachen Berufsorientierung. „Die ERS hilft ihren Schülern sehr, damit sie herausfinden, welche Richtung für sie passen könnte“, sagt die 15-Jährige. In diesem Jahr wurde die Berufsbörse sogar noch ausgeweitet: Erstmals wird sie am heutigen Freitag auch für die knapp 170 Schüler der zehnten Jahrgangsstufe angeboten: Dann berichten unter anderem Vertreter von der Polizei, einer Versicherung, einem Finanzdienstleister und einem großen Automobilhersteller über Jobs und Berufsmöglichkeiten in ihren Branchen.

Brigitte Degelmann

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