Stellvertretender Revierleiter Hagen Deis (Mitte) muss den Fechenheimer Schutzmann vor Ort, Jürgen Gries (links), in den Ruhestand ziehen lassen. Für ihn übernimmt Mario Feick (rechts). foto: sauda
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Stellvertretender Revierleiter Hagen Deis (Mitte) muss den Fechenheimer Schutzmann vor Ort, Jürgen Gries (links), in den Ruhestand ziehen lassen. Für ihn übernimmt Mario Feick (rechts).

Fechenheim: Wachwechsel

Der Schutzmann trägt nun Zivil

  • vonFriedrich Reinhardt
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Nach 40 Dienstjahren geht Polizist Jürgen Gries in Pension

Fragt man Jürgen Gries, bei welchem Fall er aus seiner Sicht richtig gute Arbeit geleistet hat, muss der Schutzmann vor Ort überlegen. "Hab ich jemals richtig gute Arbeit geleistet", sagt er nicht ernst meinend. Einem Kollegen aber fällt sofort der Münzendieb mit dem Staubsauger ein.

Als Münztelefone in Frankfurt noch verbreitet waren, hatte ein Dieb mit einem Staubsauger die Münzen aus Fernsprechern gesaugt. "Das war immer nur eine kleine Ausbeute", erzählt der Kollege, weil der Dieb aber in der ganzen Stadt die Telefonzellen ausräumte, entstand "ein massiver Gesamtschaden". Auch an der Schießhüttenstraße habe er ein Münztelefon geplündert. Wie an den anderen Orten hatte der Täter erst das Oberlicht abmontiert, damit er nicht gesehen wird. Gries' Kollegen nahmen den Fall auf, untersuchten das Telefon, fanden nichts. "Da schaute sich Gries, sowieso sehr versiert bei der Spurensuche, den Tatort noch einmal an und er fand tatsächlich an der Abdeckung des Oberlichts einen Fingerabdruck und hat damit die ganze Verbrechensserie aufgeklärt." Gries nickt bei der Geschichte und schmunzelt.

Kein Auge lacht , nur eines weint nicht

Dieser Lebensabschnitt ist für Jürgen Gries nun vorbei. Seit 40 Jahren arbeitete der hochgewachsene, schlanke Mann als Polizist in Fechenheim, seit 2016 ist er "Schutzmann vor Ort". Nun trägt er Zivilkleidung, seit 1. Februar ist er im Ruhestand. "Ich gehe mit einem weinenden Auge und einem Auge, das nicht weint", sagt er. Kein Auge lacht über die Pension, nur dass er nun freier seine Zeit einteilen kann, halte ein Auge vom Mitweinen ab. Drei mal hat er seine Pensionierung hinausgezögert. "Eigentlich hätte ich schon vor drei Jahren in den Ruhestand gehen können."

Wegen seines langen Dienstes für Fechenheim und seiner Arbeit beim Projekt "Prävention im Team", einem Gewaltpräventionsprogramm an Schulen, kennt Gries viele Fechenheimer seit ihren Kindertagen. Weil Gries zudem einen Schwerpunkt seiner Arbeit als Schutzmann vor Ort darauf legte, Senioren aufzuklären, damit sie nicht auf Trickbetrüger reinfallen, kennt er auch viele ältere Fechenheimer. Geht er nur kurz auf die Straße, winken sofort Passanten und rufen: "Hallo Herr Gries", oder sie bleiben stehen und beginnen ein Gespräch mit ihrem Schutzmann vor Ort.

Krokodile im Industriegebiet

In seinen 40 Jahren in Fechenheim hat er zwei tote Krokodile im Industriegebiet gefunden - genauer: Südbrasilianische Brillenkaimane. Die beiden Jugendlichen, die die Tiere meldeten, hatten beim Fischerfest doch nicht nur zu viel getrunken. Einmal wurde ein Schwein in der Polizeistation abgegeben und biss den Dienststellenleiter ins Bein und ein anderes Mal ging Gries am überschwemmten Mainbogen einem "infernalischem Gestöhne" nach und fand einen Mann im Wasser versunken, "nur das Gesicht schaute noch aus dem Wasser", erzählt Gries.

Gänzlich verschwinden wird Gries für die Fechenheimer nicht. Im Begegnungszentrum des Frankfurter Verbands in Alt-Fechenheim will der Hobbyfotograf Fotografie-Kurse für Senioren geben und im Netzwerk gegen Gewalt werde er vermitteln, wie man sich in gewalttätigen Auseinandersetzungen, ob als Opfer oder Beobachter, verhalten sollte.

Leicht sei es nicht, einen Kollegen wie Herrn Gries zu ersetzen, sagt stellvertretender Revierleiter Hagen Deis. Darum ist Mario Feick, der neue Schutzmann vor Ort, seit einem halben Jahr im Fechenheimer Polizeiposten eingesetzt. Bei Schulen, Kitas und im Ortsbeirat hat er sich schon vorgestellt. 47 Jahre ist Feick alt und seit 22 Jahren bei der Polizei, davon 14 Jahre im 18. Polizeirevier in Bergen-Enkheim. Zur Polizei ist Feick gekommen, "weil sie Gutes tut", wie er sagt. Der neue Schutzmann vor Ort war auf Streife, war dann Dienstgruppen-, später Ermittlungsgruppenleiter. "Alle Stationen in einem Revier habe ich schon durchlaufen", sagt Feick. Mit seiner Art, also "höflich und zuvorkommend", wie er sagt, wolle er nun in Gries' Fußstapfen treten. msr

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