Einweihung der Solarzellen auf dem Schuldach: Schüler und Lehrerin Elisabeth Reiche durchtrennen ein rotes Band. FOTO: sauda
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Einweihung der Solarzellen auf dem Schuldach: Schüler und Lehrerin Elisabeth Reiche durchtrennen ein rotes Band.

Frankfurter Nachhaltigkeit

Der Strom fließt jetzt vom Dach

  • Stefanie Wehr
    VonStefanie Wehr
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Textorschule in Sachsenhausen weiht neue Solaranlage ein

"Die Zeit zum Ruhen ist jetzt wirklich vorbei", singen die Grundschüler mit ihrem Musiklehrer, der extra ein Lied komponiert hat für diesen Moment. Sie stehen vor den neuen Solarpaneelen auf dem Flachdach - auch das Schrägdach der Schule an der Oppenheimer Landstraße trägt jetzt Solarzellen. Zur Einweihung durften einige Schulkinder mit aufs Dach, um zusammen mit ihrer Lehrerin Elisabeth Reiche ein rotes Band durchzuschneiden. Schulleiterin Tamara Neckermann freut sich, dass der Elan der Kinder, "die unbedingt aktiv sein und etwas fürs Klima tun wollen", sich auf die Lehrerschaft übertragen hat. Die Idee zur Solaranlage kam von Elisabeth Reiche, die im Netzwerk für klimafreundliche Schulen in Frankfurt aktiv ist.

Viel schneller als gedacht

Von der Idee zur Umsetzung ging es schneller als gedacht: Zu Hilfe kam Florian Müller vom Verein Umweltlernen. Der Ingenieur hatte die Textorschule schon zuvor im Visier, weil er ohnehin die Schuldächer Frankfurts auf ihre Tauglichkeit als Photovoltaik-Standort hin untersucht. Denn möglichst viele Schulen sollen ausgerüstet werden. Rund 60 sind es schon. Und die Suche nach geeigneten Standorten geht weiter.

"Das Dach der Textorschule ist prädestiniert: Die Ausrichtung nach Süden stimmt, die Statik ist geeignet, denn das Dach ist sehr gut in Schuss, und die Tatsache, dass die Flächen so gut wie nicht durch das Bauwerk verschattet werden, ist auch hilfreich", erklärt Müller. Und so fertigte er in Windeseile eine Zeichnung an, die er an die Abteilung Energiemanagement beim städtischen Amt für Bau und Immobilien (ABI) sowie an den Kooperationspartner die Sonneninitiative e.V. aus Marburg weitergab, der in Frankfurt Schuldächer für 20 Jahre anmietet, um darauf Sonnenstrom zu erzeugen. Dann ging alles sehr schnell: Acht Wochen später rückte der Kran auf dem Schulhof an. "Ursprünglich wollten wir in den Ferien arbeiten. Doch die Kinder wollten unbedingt sehen, wie die Paneele aufs Dach kommen", erzählt Geschäftsführer Volker Klös. "Also haben wir noch vor den Ferien angefangen."

Noch sind die neuen Solarpaneele, die eine Leistung von 60 000 Watt erbringen, nicht ans Stromnetz angeschlossen, so dass die sommerliche Sonne von gestern Mittag noch gar nicht genutzt werden konnte, bedauerte Klös. Den letzten Baustein muss jetzt die Mainova draufsetzen, die den Solarstrom ins Netz speist.

60 Prozent ihres selbst genutzten Stroms wird die Textorschule künftig mittels der Anlage selbst generieren. Ziel ist es, eine klimaneutrale Schule zu werden, sagt Schulleiterin Neckermann.

Im Verbund mit anderen

Damit würde sich die Grundschule neben weiteren Frankfurter Schulen einreihen, die schon aktiv sind, etwa die IGS Nordend, die vor Jahren Bäume in Costa Rica gepflanzt hat, um ihren CO2-Fußabdruck zu schmälern. Die Textorschule startete im vergangenen Schuljahr das Europa-Schulprojekt im Rahmen des Programms "Bildung für nachhaltige Entwicklung", bei dem die Schüler die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der UNO kennengelernt und eigene Projekte entwickelt haben. Die Ausstellung, die sie mit der Künstlerin Janine Maschinsky kreiert haben, ist bis 26. September im Senckenbergmuseum zu sehen. Stefanie Wehr

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