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Der Teddy hat jetzt eine Schule

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Von: Judith Dietermann

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Margarete Steiff FOTO: museum
Margarete Steiff © Steiff-Museum

GINNHEIM Einrichtung in der Platenstraße wird nach Margarete Steiff benannt

Es gibt kaum jemanden, der ihn nicht kennt: den flauschigen braunen Teddybär mit dem Knopf und dem gelben Fähnchen im Ohr. Treu blickt das Stofftier mit seinen schwarzen Knopfaugen in den Welt. 1902 wurde er erstmalig verkauft. Auch wenn es nicht Margarete Steiff war, die den putzigen Gesellen, der bis dato millionen Kinderherzen erfreute, erschuf, sondern ihr Neffe, so gäbe es ihn ohne die Spielzeug-Pionierin nicht. Die Frau, die trotz der körperlichen Einschränkungen durch die Kinderlähmung, an der sie mit eineinhalb Jahren erkrankte, Unglaubliches schuf. Stets unter dem Motto: "Für Kinder ist nur das Beste gut genug".

Könnte es da also einen besseren Namen für die Integrative Schule, liebevoll "Inti" genannt geben? Sicher nicht. Und so heißt die Einrichtung in der Platenstraße von nun an eben Margarete Steiff Schule.

Der Ort, der bei seiner Eröffnung 1985 einzigartig war. Denn an der privaten, inklusiv arbeitenden Ganztagsschule für Kinder aus ganz Frankfurt wurden von Beginn an Schüler mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam unterrichtet. Doch mittlerweile, so Schulleiterin Ilka Sehnert, sei Inklusion in aller Munde und der Name "Integrative Schule" nicht mehr zeitgemäß. Gehe es doch längst um viel mehr als Integration.

Am Samstag wird gefeiert

Gefeiert wird der neue Name der Schule, Platenstraße 75, im Rahmen eines Tages der offenen Tür am Samstag, 7. Mai. Los geht es um 10 Uhr mit der Eröffnungsveranstaltung im Kinderzirkus Zarakli. Bis 14 Uhr werden in den Räumen der Schule die Projektwochenergebnisse der Schulkinder präsentiert.

Aber wer war eigentlich Margarete Steiff? Wer war die Frau, deren Name bis heute in aller Munde ist? An die Kuscheltiere, Spielzeuge und Kleidung erinnern? Als drittes von vier Kindern wurde Apollonia Margarete am 24. Juli 1847 in Giengen an der Brenz im Osten Baden-Württembergs geboren. Im Alter von 18 Monaten erkrankte sie an Kinderlähmung, was jedoch erst später als solche diagnostiziert wurde. Ihr rechtes Bein war vollständig gelähmt, das linke teilweise, der rechte Arm geschwächt. Fortan saß Margarete im Rollstuhl.

Streng wurden sie und ihre Geschwister, die beiden älteren Schwestern Pauline und Marie sowie der jüngere Bruder Fritz, von den Eltern erzogen. Alles musste Margarete, die schon von klein auf großes Organisationstalent und Ehrgeiz an den Tag legte, sich hart erkämpfen.

Trotzdem war sie ein fröhliches Kind, in der Schule zeigte sie überdurchschnittliche Leistung. Letztlich setzte sie sich auch gegen Vater und Mutter durch und besuchte eine Nähschule. Um im Alter von 17 Jahren ihre beiden Schwestern in der kleinen Damenschneiderei, die der Vater im Wohnhaus der Steiffs eingerichtetet hatte, zu unterstützen. Nachdem diese die Heimat verließen, machte Margarete halt alleine weiter.

Die erste eigene Nähmaschine

Und sie verdiente gut. So gut, dass sie sich schon bald eine Nähmaschine kaufen konnte. Als erste im Dorf. Doch es gab ein Problem: Wegen der Schwächung des rechten Armes konnte Margarete die Maschine nicht bedienen. Bis sie auf die Idee kam, diese einfach umzudrehen, so dass das für den Betrieb notwendige Schwungrad mit der linken Hand angetrieben werden konnte. Das war zwar immer noch mühevoll, doch es funktionierte.

Weil es immer mehr Aufträge gab, stellte Margarete Steiff nach und nach Näherinnen ein, die sie unterstützten, 1877 eröffnete sie ihr eigenes Filzgeschäft.

Nur zwei Jahre später geschah dann das, was ihr Leben verändern sollte: In einer Modezeitschrift entdeckte sie das Schnittmuster eines Elefanten, nachdem zwei Säcke voll Filz-Nadelkissen angefertigt und auf dem Markt in Heidenheim verkauft wurden. Das war die Geburtsstunde des Elefäntles. So etwas, wie dem großen Bruder des Steiff-Teddys.

Dessen Idee ihr Neffe Richard Steiff 1902 hatte. Nach Skizzen der Braunbären im Stuttgarter Zoo fertigte er das 55 Zentimeter große Stofftier, das erst zum Ende der Leipziger Spielwarenmesse, auf Interesse stieß. Ein US-Amerikaner orderte 3000 Stück, die im Weihnachtsgeschäft verkauft wurden. Um Fälschungen zu vermeiden bekam er 1904 den Knopf ins Ohr, bis 1907 wurden weltweit 973 999 Exemplare verkauft.

Am 9. Mai 1909 starb Margarete Steiff an den Folgen einer Lungenentzündung. Sie hinterließ ein Unternehmen mit 2200 Mitarbeitern. Eine Million Teddys und 1,7 Millionen Spielzeugartikel wurden jährlich hergestellt. In ihrem Heimatorten Giengen gibt es nicht nur eine Straße und einen Platz, der ihren Namen trägt, sondern sogar ein Museum.

Auch in Frankfurt, auf dem Riedberg, gibt es bereits eine Margarete-Steiff-Straße. Und jetzt eben auch eine Schule, die an die Spielzeug-Pionierin erinnert. judith dietermann

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