Einige Aktive der Bürgerinitiative Riederwald und des "Aktionsbündnis Unmenschliche Autobahn" demonstrierten gemeinsam im Riederwald gegen den Bau des Riederwaldtunnels. FOTO: rolf oeser
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Einige Aktive der Bürgerinitiative Riederwald und des "Aktionsbündnis Unmenschliche Autobahn" demonstrierten gemeinsam im Riederwald gegen den Bau des Riederwaldtunnels.

Jahresrückblick

Der Tunnel, die Trasse und ihre Tücken: So war das Jahr in Fechenheim, Riederwald und Seckbach

  • Friedrich Reinhardt
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In einer Serie blicken wir zurück auf das Jahr in den 16 Ortsbeiräten - aus Sicht unserer Redakteure. Heute im Fokus: Die Stadtteile Fechenheim, Riederwald und Seckbach des Ortsbezirks 11.

Frankfurt – Spätestens Ende des Jahres konnte man den Eindruck gewinnen, der Riederwaldtunnel ist für die Politik wie ein altes Auto. Es entspricht nicht den Standards der Zeit und sieht nicht gut aus. Aber weil eine Neuanschaffung mit großem Aufwand verbunden wäre und schon viel Geld in das Auto gesteckt wurde, fährt man die Karre halt weiter und sagt: Die ist doch noch gut.

Im Oktober bezeichnete Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) den Riederwaldtunnel als eine "klare Fehlentscheidung, da so zusätzlicher Verkehr in die Stadt hineingezogen und für den Klimaschutz unersetzlicher Wald zerstört wird". Aber gegen die Rodung von 2,3 Hektar des Fechenheimer Waldes für den Bau des Riederwaldtunnels könne die Stadt nichts machen.

Frankfurter Riederwaldtunnel: 133 Millionen Euro bereits ausgegeben

Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) verteidigte den Tunnel zwar, weil der Verkehr auf den Autobahnen gehalten werde und Erlenbruch und Hanauer Landstraße entlastet würden. Aber was soll er auch sagen? Verkehrswende sieht zwar anders aus - aber weil wir schon 133 Millionen Euro reingesteckt haben, bauen wir weiter?

Dass die Diskussion um den Tunnel im Jahr 2021 wieder entfachte, lag an einem kritischen Punkt des Baus und an etwa einem Dutzend junger Klimaaktivisten. Still und heimlich hatten sie den Fechenheimer Wald im September besetzt. Im November sollten die Rodungen beginnen. Eine rund 250 Meter lange und zwischen 60 bis 130 Meter breite Schneise sollte durch den Forst geschlagen werden. Für das Stück Autobahn, das zukünftig die Tunneleinfahrt an der Ecke Wächtersbacher Straße und Borsigallee mit der Autobahn 66 verbinden soll.

Unterstützung von den Frankfurter Grünen

Im Ortsbeirat 11 (Fechenheim, Riederwald, Seckbach) erhielt das Bündnis gegen Rodung und Tunnelbau aus BUND, der Bürgerinitiative Riederwald und dem Aktionsbündnis "Unmenschliche Autobahn" Unterstützung von den Grünen. Sie forderten, die Stadt solle alles in ihrer kommunalpolitischen Macht stehende tun, um die Rodung zu verhindern.

Die Diskussion im Stadtteil-Gremium war denkbar kurz. Kein einziges Wort wurde ausgetauscht. Grüne und Linke stimmten für den Antrag, CDU und FDP dagegen, die SPD enthielt sich. Der Antrag war somit angenommen. Die großen, politischen Fragen sind nicht das Metier des Ortsbeirats. Stattdessen kümmerten sich die Mitglieder um die vielen kleinen Fragen und Probleme, die der Bau mit sich bringt - und das waren auch 2021 wieder allerhand.

Frankfurt: Sicherheit für Schüler und Radfahrer

Angefangen beim Erlenbruch. Eigentlich ist die Straße in einem so katastrophalen Zustand, dass über eine Sanierung gar nicht diskutiert werden würde. Die nötige Grundsanierung wird aber wegen des Tunnelbaus in die Post-Tunnelbau-Zeit geschoben - also sehr weit in die Zukunft. So liegt es bei den Ortsbeiräten, auf Reparatur der vielen kleinen und großen Mängel zu drängen.

Wer zum Beispiel vom Erlenbruch in die Haenischstraße einbiegt, achtet darauf, nicht in eine U-Bahn zu fahren und übersieht leicht die Schüler, die auf dem Weg zur Pestalozzischule die Haenischstraße queren. Ein Piktogramm sollte dafür sensibilisieren. Oder die Kreuzung Erlenbruch, Ecke Borsigallee und Wächtersbacher Straße - für Autofahrer eine Katastrophe, und für Radfahrer erst recht. Es war der Ortsbeirat, der darauf hinwies: Auch Radfahrer müssen von der Borsigallee in die Wächtersbacher abbiegen können.

Wegen des ewigen Staus auf dem Erlenbruch suchen sich die Autofahrer neue Wege, etwa über die Raiffeisenstraße, auch gegen die Einbahnstraße. Auch hier suchten die Ortsbeiräte nach einer Lösung. Dass die Straße an der Ecke Schäfflestraße in beide Richtungen gesperrt werden sollte, darin sind sie sich einig. Ob die Raiffeisenstraße zur Fahrradstraße umgewidmet werden soll, wird noch diskutiert.

Frankfurter Ortsbeiräte unzufrieden mit der Zusammenarbeit

Auch außerhalb der Ortsbeiratssitzungen vertreten die Mitglieder Christoph Zielonka (Grüne) und Stefan Helming (SPD) die Interessen der Anwohner beim Tunnelbau am runden Tisch mit der Autobahn GmbH, die seit diesem Jahr die Bauplanung von Hessen Mobil übernommen hat. Unzufriedenheit äußerten beide in diesem Jahr über die Arbeit am runden Tisch. Statt nach Lösungen für die Probleme zu suchen, so ihr Gefühl, lade die Autobahn GmbH bei den Treffen die Last, die Bürger zu informieren, bei den Ortsbeiratsmitgliedern ab. Es sei mittlerweile aber eine Bürgerinformationsveranstaltung geplant.

Fragen und Sorgen gibt es genug. Die Waldbesetzer werden dann wohl auch noch da sein. Die Autobahn GmbH hat die Rodung um ein Jahr verschoben. Die Aktivisten wollen die Zeit nutzen, um mehr Baumhäuser für mehr Besetzer zu bauen. (Friedrich Reinhardt)

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