Auf dem Areal zwischen Frankenallee und Idsteiner Straße entsteht der Bildungscampus Gallus. Ein Teil davon ist schon mit der Hindemith-Schule belegt (rot schrafierte Fläche oben rechts).
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Auf dem Areal zwischen Frankenallee und Idsteiner Straße entsteht der Bildungscampus Gallus. Ein Teil davon ist schon mit der Hindemith-Schule belegt (rot schrafierte Fläche oben rechts).

Serie

Der zähe Kampf um Frankfurter Bildungscampus geht weiter

  • VonGernot Gottwals
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Das lange Warten auf ArchitektenwettbewerbIn unserer Serie blicken wir zurück auf das Jahr in den 16 Ortsbeiräten. Was war das Thema, das den Ortsbezirk in den vergangenen Monaten bewegt und beschäftigt hat. Eine Einschätzung - heute aus dem Ortsbeirat 1 (Innenstadt, Altstadt, Gallus, Gutleut-, Bahnhofs- und Europaviertel).

In der Bürgerfragestunde der letzten Sitzung des Ortsbeirats 1 gab es nochmals Beschwerden über den Zustand in der Paul-Hindemith-Schule und im Jugendhaus Gallus: "Da wurde über die unhygienischen Toiletten im Jugendhaus geklagt und die Schulküche, die inzwischen unbenutzbar ist", so Sara Steinhardt, die CDU-Fraktionsvorsitzende. Und darüber, dass die Stadt in die maroden Gebäude nicht mehr investiert, da ja der Bau des Bildungscampus Gallus ansteht.

Noch immer kein Ortstermin

Doch wann endlich kommt die so lange herbeigesehnte Bildungseinrichtung, die Schulen, Kitas, Jugendhaus und andere Bildungseinrichtungen zwischen Frankenallee und Idsteiner Straße vernetzen und mit vielen offenen Angeboten auch die übrigen Bewohner des Stadtteils ansprechen soll? Eine Frage, die dem Stadtteilparlament einiges Kopfzerbrechen verursacht. Und der geforderte Ortstermin mit dem Bildungsdezernat und den zuständigen Fachämtern und Einrichtungen steht auch noch aus.

Gleich zum Auftakt 2021 war Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) im Ortsbeirat erschienen. Zwar konnte sie den baldigen Beschluss und die Ausschreibung für den Bildungscampus Gallus verkünden. Doch sie musste auch einräumen, dass bis zur Umsetzung der Ausschreibung noch viele Monate ins Land gehen würden.

Und das war keineswegs untertrieben: Denn erst vor einigen Wochen konnte das sogenannte Interessenbekundungsverfahren zur Vorbereitung des Architektenwettbewerbs von der Stadt gestartet werden. Da die Vorbereitungen zur europaweiten Ausschreibung des Wettbewerbs über einen externen Verfahrensträger bis zu sechs Monaten dauern, soll erst gegen Ende 2022 über den Siegerentwurf entschieden werden. Erst danach folgen Ausschreibungen und Vergaben.

"Unter Berücksichtigung realistischer Planungs- und Bauzeiträume müssen die Gebäude also noch mehrere Jahre genutzt werden, bevor mit dem Bau des Bildungscampus begonnen werden kann", stellt Alexander Mitsch fest, Fraktionsvorsitzender der Grünen.

Zum Beginn des neuen Jahres sieht sich daher der Ortsbeirat bestätigt: Das 3,25 Millionen Euro teure Bildungsprojekt kommt auch weiterhin nur im Schneckentempo voran, während die Gebäude der Hindemithschule und des Jugendhauses immer mehr überaltern. "Damit ist zu befürchten, in diesem Jahr wieder nichts Entscheidendes passieren wird", bringt es Steinhardt auf den Punkt.

Corona verzögert die Planung

Dabei wird den Eltern und Kindern, die schließlich von dem 2,61 Hektar großen Gelände profitieren sollen, schon seit vielen Jahren reichlich Geduld abverlangt. Lange hatte es gedauert, bis das Gallus im Jahr 2014 sich gegenüber anderen Stadtteilen beim Wettbewerb um eine gymnasiale Oberstufe durchsetzen konnte und somit den Zuschlag für den Bildungscampus erhielt. Dann begann die Planungsphase Null, in der verschiedene Szenarien mit der Arbeitsgemeinschaft Bildung entwickelt wurden.

Bildungsdezernentin Weber räumte ein, dass sich die Planungen auch durch die Corona-Krise weiter verzögerten und dass auch weitere Anträge zum Thema Schulen und Bildung aus dem Ortsbeirat 1 in ihrem Dezernat liegengeblieben seien. Ihr Referent Rüdiger Niemann betonte wiederholt, dass die nötigen Reparaturen zur Instandhaltung der Bestandsgebäude, die für den Campus abgerissen werden, selbstverständlich noch durchgeführt würden.

Der Unmut wächst weiter

"Es müsste doch ein großes Interesse daran bestehen, den Kindern und dem Lehrpersonal gute Lernbedingungen zur Verfügung zu stellen. Doch wir reden hier von nicht installierten Beamern, fehlendem Wlan und defekten Toiletten. In unseren eigenen vier Wänden würden wir das niemals akzeptieren" , empört sich Alexander Mitsch und schüttelt den Kopf. Und der Unmut wird nicht kleiner, denn auf die dringende Bitte des Ortsbeirats nach einem Ortstermin auf dem Schulgelände habe es bislang noch keine Rückmeldung aus dem Dezernat gegeben. "So entsteht schon der Eindruck, das Gallus würde entgegen aller Beteuerungen mal wieder vergessen", beklagt auch Steinhardt.

Neben dem Ortstermin soll es im Frühjahr auch zudem eine öffentliche Anhörung geben, zu der man dann auch die Eltern aus dem Quartier eingeladen will.

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