Nahverkehr

Deshalb wird es in den Frankfurter Bahnen immer enger

  • vonGünter Murr
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Die Fahrgastzahlen sind in den vergangenen Jahren auf vielen Linien dramatisch gestiegen. Da ein Ausbau des Nahverkehrsnetzes viel Zeit in Anspruch nimmt, müssen vorerst dichtere Taktzeiten und längere Züge helfen.

Wer täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fährt, hat schon seit Jahren das Gefühl, dass Busse und Bahnen immer voller werden. Dieser Eindruck wird durch Zahlen bestätigt, die am Montag veröffentlicht wurden: Auch im vergangenen Jahr sind die Fahrgastzahlen auf vielen Linien gestiegen (siehe Grafik). Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) rechnet wegen geplanter Neubaugebiete mit einem weiteren Zuwachs. „Es ist eine der großen Herausforderungen der nächsten Jahre, auf die Nachfrage zu reagieren“, sagte er.

Dabei kann er zunächst nicht auf eine Erweiterung des Netzes setzen. In Bau ist nur die Verlängerung der U 5 ins Europaviertel. Die Strecke steht voraussichtlich erst 2023 zur Verfügung. Und wann die im Koalitionsvertrag von CDU, SPD und Grünen vereinbarte U-Bahn-Verlängerung von Preungesheim zum Frankfurter Berg kommt, ist offen. Hoffnung macht Oesterling der Fortschritt bei der Regionaltangente West. „Es könnte sein, dass sie schneller realisiert werden kann als gedacht.“ Bisher war die Fertigstellung für 2023 vorgesehen. Andere Projekte wie der Lückenschluss zwischen Bockenheim und Ginnheim sind noch Zukunftsmusik. „Die Varianten müssen auf der Basis der aktuellen Rahmendaten neu gerechnet werden“, sagte der Verkehrsdezernent.

Damit meint er die Bevölkerungsprognose, auf die sich die Stadt jetzt mit dem Land verständigt hat. Demnach wird Frankfurt bis zum Jahr 2030 auf mehr als 800 000 Einwohner wachsen. Jetzt wird simuliert, wie sich das auf die einzelnen Verkehrsbeziehungen auswirkt. Diese Daten fließen in den Gesamtverkehrsplan ein, der in zwei Jahren vorliegen soll. Darin enthalten sind alle Infrastrukturprojekte, die bis 2030 angepackt werden sollen.

Vorerst aber müssen die Verkehrsplaner mit dem vorhandenen Netz auskommen. Oesterling setzt deshalb auf längere Züge. So müssten zum Beispiel auf den Linien U 2, U 7 und U 8 zusätzliche Wagen angehängt werden. Allein auf der U 7 ist zwischen Alter Oper und Hauptwache das Fahrgastaufkommen im vergangenen Jahr um 13 Prozent gestiegen. Doch die Verstärkung ist nicht ohne Probleme möglich. „Dafür brauchen wir zusätzliche Fahrzeuge“, sagte der Verkehrsdezernent. Die hat die Verkehrsgesellschaft VGF bisher aber nicht bestellt. Ausgeschrieben ist nur die Beschaffung von 38 Straßenbahnen plus einer Option auf 15 weitere Fahrzeuge. Die Baureihe T soll die sogenannten R-Wagen ersetzen, die seit Anfang der 90er Jahre im Einsatz sind. Wegen der Kapazitätsprobleme würden die Niederflurwagen der ersten Generation aber womöglich noch weiter gebraucht, sagte Oesterling. Schon heute gibt es immer wieder Engpässe, wenn zum Beispiel bei Veranstaltungen im Stadion zusätzliche Trambahnen eingesetzt werden.

Künftig könnte sich dieses Problem verschärfen. Zwar werden in nächster Zeit keine neuen Straßenbahnstrecken in Betrieb gehen. Aber es soll eine zusätzliche Tramlinie über die Mainzer Landstraße ins Gallus fahren. Der Abschnitt östlich der Galluswarte ist einer der am stärksten belasteten in ganz Frankfurt. Seit 2010 sind dort die Fahrgastzahlen um 58 Prozent auf mittlerweile mehr als 40 000 pro Tag gestiegen. Das liegt vor allem an den zahlreichen Wohnungen, die im Gallus entstanden sind. Geplant ist deshalb, die Linie 14 von Bornheim über die Innenstadt bis zur Mönchhofstraße zu führen. Zur Louisa, den bisherigen Endpunkt der „14“, soll stattdessen die Linie 18 fahren.

Eng ist es nicht nur in den Bahnen, sondern auch in den Bussen. Eine der am stärksten frequentierten Linien ist die 34, die vom Gallus über Rödelheim und Ginnheim nach Bornheim fährt. Seit 2011 sind die Fahrgastzahlen östlich der U-Bahn-Station Hausener Weg um 16 Prozent auf heute rund 5700 täglich gestiegen. Da sich die auf der Linie getesteten Doppelstock-Busse nicht bewährt haben, sollen jetzt Gelenkbusse den Fahrgästen mehr Platz bieten. Oesterling ist sich sicher: „Das wird nicht die letzte Linie sein, bei der wir das machen.“

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