+
Eine Bettlerin sitzt am 20.12.2013 in Frankfurt am Main (Hessen) mit einem Hund auf dem Schoß in einer Fußgängerzone. In Hessens Innenstädten finden sich in der Vorweihnachtszeit mehr Bettler auf den Straßen als sonst. Doch auch organisierte Banden nutzen die Zeit des Mitleids vor der Bescherung gezielt aus. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa zu lhe-Korr""Echte sehen anders aus" - Organisiertes Betteln vor Weihnachten" +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Zahl der Verstöße gestiegen

Deutlich mehr aggressive Bettler auf der Frankfurter Zeil

  • schließen

In aufdringlicher Weise betteln sie Passanten und Restaurantgäste an: Organisierte Gruppen aus Südosteuropa haben sich auf der Zeil breitgemacht. Die Stadtpolizei ging deshalb in die Offensive und verhängte laut neuer Statistik so viele Verwarnungen und Bußgelder wie noch nie.

Ob am Würstchenstand, im Straßencafé oder beim Schaufensterbummel: Auf der Zeil ist es inzwischen üblich, von hartnäckigen Bettlern bedrängt zu werden. „Das ist unangenehm“, sagt Frankfurts Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU). Er weiß das aus eigener Erfahrung und weil sich immer mehr Bürger über aggressive Bettler in der Innenstadt beschwert haben. „Ab Ende 2016 hat das deutlich zugenommen“, sagt Frank.

Seine Stadtpolizei hat darauf reagiert: Die Zeil und ihre Nebenstraßen sind zu ihrem zweiten Einsatzschwerpunkt geworden. Dort und im Bahnhofsviertel leisteten die städtischen Streifenbeamten im vergangenen Jahr fast die Hälfte aller Einsatzstunden. Nachzulesen in der Jahresstatistik der Stadtpolizei, die gestern vorgestellt wurde.

Sprunghaft angestiegen ist daher auch die Zahl der festgestellten Verstöße gegen den Bettelparagrafen der städtischen Gefahrenabwehrverordnung. Er verbietet „das aggressive Betteln, insbesondere durch nachdrückliches oder hartnäckiges Ansprechen von Personen zum Zwecke der Bettelei, sowie das Betteln von, mit Kindern oder mittels Kindern“. In 184 Fällen leitete das Ordnungsamt im vergangenen Jahr deshalb Verwarnungs- oder Bußgeldverfahren ein. Mehr als vier Mal so viele wie in den Vorjahren.

Fast alle dieser Fälle betreffen die Zeil, heißt es in dem statistischen Bericht. Nur vereinzelt seien aggressive Bettler in anderen Fußgängerzonen angetroffen worden, etwa in der Königsteiner Straße in Höchst.

Die meist aus Südosteuropa stammenden Bettler sind laut Kennern in Clan-Strukturen organisiert, sagt Stadtrat Frank. Mehr darüber herauszufinden sei allerdings schwer. „Wir haben es versucht, aber sie reden nicht gerne über ihre Familienmitglieder.“

Ordnungsamtsleiter Jörg Bannach erklärt: „Um die Struktur von Bettelbanden gerichtsfest nachweisen zu können, müssten wir Observationen fahren: Wo wird abkassiert, wo geht das Geld am Ende hin?“ Es sei schwer, dafür eine richterliche Genehmigung zu bekommen. Außerdem fehle es an genügend Personal.

Sein Stellvertreter und Leiter der Stadtpolizei, Matthias Heinrich, weist auf eine weitere Zahl der neuen Jahresstatistik hin: 48,8 Prozent aller Streifenstunden waren die Ordnungshüter 2017 zu Fuß unterwegs. Dieser Anteil bewegt sich von Jahr zu Jahr nach oben. „Wir wollen möglichst wenig im Auto sitzen, sondern den direkten Kontakt zum Bürger“, sagt Heinrich. „In der Innenstadt sind wir seit Juni 2017 fast täglich unterwegs.“

Die Konzentration auf die Zeil und das Bahnhofsviertel habe dazu geführt, dass Streifendienste in anderen Stadtteilen seltener wurden. „Unser Ziel ist es, da wieder eine bessere Balance hinzubekommen“, sagt Bannach. Die bereits beschlossene Stellenaufstockung sei dafür dringend notwendig.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare