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Erzieherin Jolanta Rafinski-Gutowska spielt mit Gabriel (3), Victoria (4) und Venessa (3) in der deutsch-polnischen Kindertagesstätte ?Polanka?, die am Anfang des Monats eröffnet hat.

Zweisprachiger Kindergarten

Deutsch und Polnisch in einer Kita

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Die erste deutsch-polnische Kita Frankfurts im Oberschelder Weg ist geöffnet. Die Betreiber der Elterninitiative „Krasnale“ hoffen, dass bis zum Sommer alle 40 Plätze belegt sind. Darunter sollen auch gerne Kinder sein, deren Eltern nicht Polnisch sprechen: Denn ein zweisprachiger Kindergarten könne auch für sie Vorteile mit sich bringen.

„Polanka“ heißt der neue Kindergarten, in dem seit dem 1. Februar Kinder auf 260 Quadratmetern spielen, toben, essen und aufwachsen sollen. Zweisprachig versteht sich, denn der Kindergarten ist der langjährige Traum der deutsch-polnischen Elterninitiative „Krasnale“, einem Verein, der bereits seit fast zehn Jahren Spielgruppen und eine Samstagsschule für Kinder betreibt, die mit beiden Sprachen aufwachsen sollen. Doch mit dem Begriff „polski“ für Polnisch hat der Name der Kita nichts zu tun. „Polanka“ nennt man im Polnischen eine kleine Lichtung oder Blumenwiese.

Auf dem 150 Quadratmeter großen, vom Wetter der vergangenen Tage gezeichneten Außengelände der Kita, ist davon gerade noch nichts zu sehen. „Das soll bis zum Frühjahr alles noch schöner werden, mit Begrünung, einem Sandkasten und einigen Spielgeräten“, erklärt die frischgebackene Kita-Leiterin Karolina Sikora, die sich aber ohnehin vorgenommen hat, so viel Zeit wie möglich mit den Kindern im Stadtteil zu verbringen. „Wir haben den Niddapark mit seinen schönen Spielplätzen ja faktisch um die Ecke. Das wollen wir auch gerne ausnutzen.“

In der Einrichtung ist Platz für 40 Kinder, so viele darf ein kleiner Träger wie die deutsch-polnische Elterninitiative aufnehmen. Dazu gibt es zwei Gruppenräume für je 20 Mädchen und Jungen, zwei große Kinderbäder, einen großen Spielflur im Eingangsbereich, eine Küche mit Essbereich sowie einen Raum, dem die ersten Schützlinge schon den Namen „Toberaum“ verliehen haben. Hier können Spielmatten ausgelegt und nach Herzenslust im halboffenen Konzept des Kindergartens gespielt werden, zu vielen Zeiten unabhängig davon, ob die Spielkameraden in der gleichen Gruppe sind.

„Das ist in den ersten Monaten aber ohnehin noch hinfällig“, erklärt Sonderpädagogin Sikora. „Im ersten Monat haben wir fünf Kinder aufgenommen, für die nächsten Monate haben wir jeweils auch erst einige Anmeldungen. Wir brauchen einfach ein wenig Zeit, um bekannt zu werden, und ich hoffe, dass wir spätestens nach den Sommerferien voll belegt sind.“ Bis dahin sollen bis zu sieben Mitarbeiter hier arbeiten.

„Die Kinder, die bislang hierher kommen und für die nächsten Monate angemeldet sind, kommen aus ganz heterogenen Familien“, erklärt Ewa Banachowicz, Vorsitzende und Gründungsmitglied der Elterninitiative, die auch als Pädagogin in der Kita arbeitet. Einige haben polnische Elternteile, einige seien aus deutschen Familien, wieder andere kämen aus ganz anderen Kulturen. „Das stellt uns natürlich vor einige sprachliche Herausforderungen, die wir aber von vorneherein eingeplant haben. Wir arbeiten grundsätzlich mit dem Prinzip des Bilingualismus – das heißt eine von uns spricht Deutsch mit den Kindern, die andere Polnisch, damit die Kinder jede Situation in beiden Sprachen erleben“, erklärt Banachowicz, die zuvor als Polnischlehrerin arbeitete und Kulturwissenschaften studierte.

„Natürlich ist das Hauptziel, die Drei- bis Sechsjährigen, die hierher kommen auf die deutsche Schule vorzubereiten und entsprechend viel Deutsch mit ihnen zu sprechen. Doch auch die Zweitsprache kann erfahrungsgemäß als Spielsprache bei allen Kindern rasch etabliert werden“, erklärt Banachowicz, die für das zweisprachige Konzept der Einrichtung zuständig ist: „Es geht ja nicht nur darum, dass auch deutsche Kinder nach drei Jahren fließend Polnisch sprechen. Wir wollen, dass die Kinder bei uns, auf spielerische Art und Weise Gehör und Offenheit für Fremdsprachen erlernen. Zweisprachigkeit im Kleinkindalter stärkt außerdem die Sozialkompetenz. Wenn wir das erreichen, haben wir unser Ziel schon erreicht.“

In den „alten“ Bundesländern ist die Kita „Polanka“ nach einer Münchner Einrichtung die zweite Kita ihrer Art. Dass sie die erste in Frankfurt ist, ist verwunderlich: Mit knapp 13 800 polnischen Staatsbürgern stellen die Polen seit vielen Jahren die viertgrößte Ausländergruppe der Stadt.

Am morgigen Donnerstag ab 15 Uhr öffnet die Kita „Polanka“ im Oberschelder Weg 22 ihre Pforten zu einem Tag der offenen Tür. Eltern können sich dabei den Kindergarten anschauen, während die Kinder in einer Spielecke toben.

Weitere Informationen gibt es unter im Internet.

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