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Will international bleiben: Deutsche-Bank-Chef Sewing.

Finanzen

Deutsche Bank verteidigt globalen Anspruch

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Europa braucht starke Finanz- institute, darin sind sich die Chefs der beiden größten deutschen Banken einig.

Trotz des geplanten Teil-Rückzugs aus den USA und der Streichung vieler Stellen will die Deutsche Bank auch unter ihrem neuen Chef Christian Sewing weiter weltweit mitspielen. „Unser globaler Anspruch wird unter meiner Führung nicht zur Debatte stehen“, bekräftigte der Vorstandschef gestern auf dem „Banken-Gipfel“ in Frankfurt. Dieser sei für die Volkswirtschaft so wichtig wie nie in den vergangenen 20 Jahren: Angesichts der Spannungen im Verhältnis zu den USA wäre es riskant, Finanzierung und Risikomanagements wenigen außereuropäischen Banken zu überlassen, meinte Sewing, der im April die Führung des größten deutschen Geldinstituts übernommen hat. Deshalb stehe die Investmentbank nicht zur Debatte.

Die Deutsche Bank hat in den vergangenen drei Jahren Verluste gemacht und ist weit hinter die amerikanische Konkurrenz zurückgefallen. Sewing hat der Bank eine Rosskur und die Rückbesinnung auf das Geschäft in Deutschland und Europa verordnet. Die Position als Weltmarktführer, die die Deutsche Bank vor der Finanzkrise 2008/09 in einigen Geschäftsfeldern erreicht hatte, strebt Sewing nicht länger an: „Es wäre falsch zu sagen, wir wollen die Nummer eins, zwei oder drei sein. Das können wir natürlich nicht.“

Doch brauche Europa nicht möglichst viele Banken: „Europa braucht vor allem starke Banken. Politische Krisen wie der Brexit und die Digitalisierung zwingen seiner Ansicht nach die Branche zur Bündelung ihrer Stärken. „Es ist ganz klar: Der Konsolidierungsdruck in Europa wird noch erheblich zunehmen“, sagte Sewing. Die Herausforderungen für die Banken seien „so groß wie seit Jahrzehnten nicht“ – und er warnte vor weiteren Herausforderungen: „In Zeiten einer nationalisierten Wirtschaftspolitik ist die Welt viel anfälliger für Schocks. Die Politik muss aufpassen, dass sie die Stabilität der Weltwirtschaft nicht nationalen Interessen opfert.“ Eine internationale Zusammenarbeit und koordinierte Aktionen wie in der Finanzkrise nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers vor zehn Jahren sei heute kaum mehr vorstellbar: „Und es braucht eine konstruktive Antwort auf den nahenden Brexit, damit Kontinentaleuropa weiterhin Zugang zum wichtigen Finanzzentrum London hat“.

Betont gelassen gaben sich die Chefs der deutschen Großbanken dagegen, was den erwarteten Abstieg der Commerzbank aus dem deutschen Leitindex Dax angeht (wo sie voraussichtlich vom Zahlungsabwickler Wirecard ersetzt wird). Zwar habe sich das Unternehmen erfolgreich „in einer Nische des Zahlungsverkehrs eingenistet“, sagte Sewing. Doch der Vergleich mit klassischen Banken hinke, er sehe das Fintech nicht als Angreifer an. Aktuell übertrifft das Münchner Unternehmen beim Börsenwert sowohl die Commerzbank als auch die Deutsche Bank. Die Entscheidung über die künftige Zusammensetzung des Dax fällt am 5. September, zudem steigt vermutlich die Deutsche Bank aus dem EuroStoxx50 ab, dem Top-Index der Euro-Zone.

Und Commerzbank-Chef Martin Zielke, gefragt nach den Auswirkungen des drohenden Dax-Abstiegs, meinte nur: „Das Geschäft der Commerzbank wird durch die Frage, in welchem Index die Bank vertreten ist, nicht beeinträchtigt.“ In Sachen Konsolidierung warnte Zielke, es sei noch nicht absehbar, wer die künftigen starken Banken in Europa sein würden. Doch dürften diejenigen die Gewinner sein, die sich die Chancen der Digitalisierung nutzbar machten und mit ihrer Kundenbasis zusammenführten.

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